Im fünften Stock des Euro-Airport in Basel stöckeln etliche junge Frauen und ein paar Männer nervös hin und her. Hier ein Küsschen, da ein kurzer Smalltalk. Und immer wieder der Blick ins mitgebrachte Köfferchen. «Hab ich auch wirklich nichts vergessen?» Aus zwei Boxen dröhnen harte Bässe, in der Luft liegt der Geruch von Haarlack und Frisiergel.

Lernfaktor nicht hoch genug einzuschätzen

In einer Ecke hat auch das Team des Grenchner Coiffeursalons Création Marc seinen Platz gefunden. Die Lehrtöchter Claudia Zumbrunnen, Nadine Hugi und Miriam Geti wollen sich an der CAT-Airport-Trophy in sechs Kategorien gegen zahlreiche Konkurrentinnen und Konkurrenten aus ganz Europa beweisen. Das frühe Aufstehen nehmen die drei gerne in Kauf, denn an solchen Wettkämpfen sei der Lernfaktor nicht hoch genug einzuschätzen. «Ich lerne unter Zeitdruck zu arbeiten und kann mir gleichzeitig viel von den anderen abschauen», sagt Nadine. Auch Kerstin Schlup, Frau von Saloninhaber Fritz, ebenfalls Coiffeuse und wichtigste Ansprechperson für die Lehrtöchter, hält viel von solchen Anlässen: «Kreativität ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Coiffeurberufs, und diese ist hier am meisten gefragt.»

Während der Wettkämpfe herrscht höchste Konzentration. Die 30 Minuten Zeit sind knapp. Im für Schaulustige abgesperrten Bereich frisieren die Teilnehmer entweder ihre mitgebrachten Modelle oder einen Puppenkopf mit Echthaar. Die Frisuren wurden in der Vorwoche nach Feierabend geübt, heute muss jeder Handgriff sitzen. Nicht einfach für alle: Einige fluchen über sich selbst, andere regen sich über den Nachbarn auf, dessen Föhn in ihre Frisur bläst.

Hochkarätige Jury

Nach Ablauf der Zeit bewertet eine hochkarätige Jury die Werke. Überraschend rasch, wie der Beobachter feststellt. «Ein geübtes Auge erkennt sofort Stärken und Schwächen einer Frisur. Die Fehler ähneln sich in den meisten Fällen», sagt Fritz Schlup, der in Basel auch Jurymitglied ist. Auf die Frage, ob er die Werke seiner eigenen Lehrtöchter nicht milder bewertet, verneint Schlup. «Ich weiss nicht, was sie gemacht haben. Die Jury muss während der halben Stunde weg vom Geschehen sein.»

Der Tag macht müde

Nadine, Claudia und Miriam verlassen alle mit zufriedenen Gesichtern die Arena. Mit gutem Grund: Alle drei räumen einen Preis ab, Nadine und Miriam in ihrer Kategorie sogar den «Grand Prix». Die grosse Freude darüber kommt aber erst in den nächsten Tagen auf. Denn der lange Tag – erst um sieben Uhr verlässt das Grenchner Team den Flughafen – hat an den Kräften gezehrt. Die drei Frisiertalente wollen nur noch eins: ab ins Bett.