Grenchen
25 Jahre claro: Alles begann mit Gleichgesinnten und einem Marktstand

Der claro Laden Grenchen feiert am Freitagabend sein 25-jähriges Bestehen. Zwei Vorstandsmitglieder erzählen die bewegte Geschichte von drei Standorten und unzähligen Frauen, die ehrenamtlich für den fairen Handel tätig waren und sind.

Daniela Deck
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Maya Notz (links) und Christine Bögli im claro Laden.

Maya Notz (links) und Christine Bögli im claro Laden.

Hanspeter Bärtschi

Der claro Laden Grenchen feiert am Freitagabend sein 25-jähriges Bestehen. Die Vorstandsmitglieder Maya Notz und Christine Bögli erzählen die bewegte Geschichte von drei Standorten und unzähligen Frauen, die ehrenamtlich für den fairen Handel tätig waren und sind.

Alles begann Anfang der 80er-Jahre mit einer Gruppe von Gleichgesinnten und einem Marktstand. Die Ungerechtigkeit auf der Welt zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden war diesen Grenchnerinnen ein Dorn im Auge. «Sie begannen Produkte aus fairem Handel zu verkaufen, im Sommer auf dem Markt und im Winter an den Suppentagen», erklärt Maya Notz.

Diese Art von Fairtrade war anstrengend. Wenn es regnete, begannen die Jutesäcke zu stinken. Ein weiteres Problem war der Lagerplatz. Deshalb suchte die Gruppe ein Lokal. Fündig wurden sie im März 1989 in der ehemaligen Schuhmacherei an der Quartierstrasse 11. «Klein, aber fein war der Laden», erinnert sich Notz, die bereits im September jenes Jahres zur Gruppe stiess und die erste Präsidentin des Fairtrade-Vereins wurde.

Rückkehr zum Marktplatz

Nach elf Jahren trat Notz als Präsidentin zurück. Seither kümmert sich der fünfköpfige Vorstand gemeinsam um den claro Laden. 1994 war dieser aus Platzgründen an die Breitengasse umgezogen. «In dieser Zeit war Grenchen eine zweigeteilte Stadt. Die T5 mit ihrem dichten Verkehr trennte den Norden vom Süden, und das machte sich bei uns im Laden leider bemerkbar», erinnert sich die ehemalige Präsidentin.

Hauptsitz in Orpund

Das Konzept der claro Läden basiert auf dem Grundsatz, dass zwischen Produzenten und Verbrauchern eine Annäherung stattfinden soll. Das geschieht, indem der Zwischenhandel so weit möglich ausgeschaltet wird. claro bezieht die Produkte von Kleinproduzenten in der südlichen Hemisphäre, die in Kooperativen zusammengeschlossen sind und regelmässig kontrolliert werden. Die Kleinbauern erhalten Preise für ihre Produkte, die ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Zusätzlich erhalten die Kooperativen eine Fairhandelsprämie, die zugunsten der Gemeinschaft verwendet werden muss. Die Sensibilisierung der Verbraucher für die Kultur in den Herkunftsländern der Produkte ist ein wichtiger Bestandteil im Konzept. Damit ein Laden den Name claro tragen darf, muss mindestens die Hälfte des Sortiments aus fairem Handel stammen. claro Schweiz hat den Sitz in Orpund. Die Organisation erwirtschaftet in ihren 110 Läden jährlich einen Umsatz von rund 18 Mio. Franken. (dd)

Das neue Verkehrsregime mit der Autobahneröffnung löste das Problem teilweise, aber nicht ganz. Erst der Umzug 2006 an die Rainstrasse, in die Nähe des Marktplatzes, erschloss dem claro Laden wieder die Kundschaft der ganzen Stadt. Geografisch schloss sich damit der Kreis zu den Anfängen des Fairtrade auf dem Wochenmarkt. «Auch heute, acht Jahre später, gibt es noch Leute, die überrascht sind, uns hier zu finden», schmunzelt Vorstandmitglied Christine Bögli. Das ist ein Hinweis darauf, dass hier trotz aller industrieller Präzision die Uhren manchmal langsamer gehen.

Schweizweiter Vorreiter

Dieser letzte Umzug hatte den angenehmen Effekt, dass der claro Laden in Grenchen landesweit erst der dritte war, der das neue Ladenkonzept von claro Schweiz umsetzte. Ein Konzept, das bei der Kundschaft gut ankommt. Jutematten und Staub sind passé. «Regelmässig hören wir von Kunden, wie gut ihnen das Geschäft gefällt», freut sich Bögli. Zusammen mit Notz und neun weiteren Frauen betreut sie den Laden, der nach Aussage von Notz einen Umsatz von rund 110 000 Franken pro Jahr erwirtschaftet.

Trotz strikter Vorgaben von claro Schweiz (siehe Kasten) hat jeder Laden Freiräume beim sogenannten Zusatzsortiment. Die Mitarbeitenden gestalten diese Freiräume mit Begeisterung. Notz erklärt: «Wir haben zum Beispiel Kräutertee aus dem Emmental, Olivenöl aus dem Nationalpark Cilento in der Nähe von Neapel und Teigwaren aus einer Randregion in Italien. Uns ist es ein Anliegen, faire Arbeits- und Lebensbedingungen in der Dritten Welt mit der Erhaltung von Arbeitsplätzen in Regionen von Europa zu verbinden, in denen Arbeitsplätze rar sind. Ausserdem liegt uns die Umwelt am Herzen. Viele unserer Produkte stammen aus biologischem Anbau.»

Maya Notz und Christine Bögli sind überzeugt, dass der claro Laden dank seiner treuen Kundschaft gut gerüstet ist für die Zukunft. Damit er dereinst das 50-Jahr-Jubiläum feiern kann, braucht der Trägerverein aber auch neue Mitglieder, die sich für den fairen Handel begeistern.