«Die Armut in der Schweiz ist grösser, als man denkt und betroffen sind bei weitem nicht nur Migranten», erklärt Roger Bochinski von der Organisation «Tischlein deck Dich». Die FDP Stadt Grenchen lud am Dienstagmittag zur Besichtigung der Non-Profit-Organisation, welche vor gut einem Jahr ihre zweitgrösstes Logistikplattform in der Uhrenstadt in Betrieb genommen hat.

Zwei Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln landen in der Schweiz jährlich direkt im Müll. Dank der Lebensmittelhilfe Schweiz «Tischlein Deck Dich» können 330'000 Tonnen noch genutzt werden. 20'000 Tonnen davon werden allein in der Plattform Mittelland mit Sitz in Grenchen gerettet. Von den schweizweit acht Plattformen, welche als Logistikzentralen fungieren, werden die Lebensmittel an die 113 Abgabestellen im ganzen Land verteilt.

Variables Sortiment

Von der neu eröffneten Plattform in Grenchen aus, hat man vor einem Jahr angefangen, acht solcher Abgabeorte zu beliefern.

Mittlerweile gehören bereits 42 Standorte im gesamten Mittelland dazu 5800 Bedürftige erhalten dadurch die Möglichkeit, zusätzlich versorgt zu werden. Im ganzen Land sind es gar 15 800 Notleidende. Das Sortiment variiert dabei wöchentlich, da man vollständig von Spenden abhängig ist. Die Nahrungsmittel kommen hauptsächlich von regionalen Grossverteilern wie beispielsweise Coop oder Migros. Während Prodega/Growa seit der Gründung 1999 sämtliche Lager- und Büroräumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Rund 2'500 Menschen engagieren sich schweizweit ehrenamtlich für «Tischlein Deck Dich» und nur gerade 24 Personen sind fest angestellt. Der Wert der Ware, die für den symbolischen Franken bezogen wird, beläuft sich zwischen 30 und 50 Franken.

«Der Sinn dahinter ist nicht, dass die Menschen auf diese Weise ihren ganzen Wocheneinkauf machen, sondern um ihr Portemonnaie ein wenig zu entlasten», sagt Bochinski, stellvertretender Plattformenleiter Mittelland. Wer wie viel mitnehmen darf, entscheidet eine Bezugskarte. So wird sichergestellt, dass eine alleinstehende Person nicht mehr Güter bezieht, als jemand, der für eine ganze Familie einkauft.

24 Menschen sind am Standort Grenchen durchweg beschäftigt. Die meisten davon sind Migranten oder Arbeitslose. Dies sei eine Win-win-Situation, so Bochinski. Denn für diese Menschen diene dies als Arbeitsintegrationsprogramm und für die Organisation fallen keine zusätzlichen Kosten an.

Daneben gibt es aber auch eine Handvoll ehrenamtliche Helfer, einen Zivildienstleistenden sowie einige Festanstellungen. Die Sprachbarriere ist dabei nicht immer die einzige Herausforderung: «Rund zehn bis zwölf Personen sind täglich zur Arbeit eingeplant, wobei man am Morgen jedoch nicht immer weiss ob schlussendlich alle kommen», so der Stv. Plattformenleiter.