Grenchen
19-Jähriger Gewichtheber wandelt in den Fussstapfen seines erfolgreichen Grossvaters

Der erst 19-jährige Andy Schenk aus Grenchen ist schon fünffacher Schweizer Meister und dreifacher Vizemeister. Sein Grossvater nahm bis vor einigen Jahren an erfolgreich an Wettkämpfen teil.

Oliver Menge
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Gewichtheber Andreas Schenk
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Er tritt in die Fussstapfen seines Grossvaters Kurt Schenk als Trainer im Gewichtsraum der Gewichtheber Grenchen.
Hier trainiert er den 11-jährigen Fabian, der die erste Woche Gewichtheben kennen lernt.
Andreas Schenk hat mit 19 Jahren bereits 3 Schweizer Meister Titel und zwei Vizemeistertitel im Gewichtheben geholt.
Sein Grossvater Kurt Schenk trainiert die 13-jährige Svenja, die eben erst mit dem Gewichtheben begonnen hat.

Gewichtheber Andreas Schenk

Oliver Menge

«Du musst die Stange eng an Deinem Körper entlangführen, in einem Zug», erklärt Andy Schenk dem elfjährigen Fabian, der erst zum zweiten Mal ein Training im Gewichtheberraum neben der Schwimmhalle beim Schulhaus IV besucht. Der für sein Alter grossgewachsene Junge muss noch keine Gewichte stemmen – jetzt geht es erst einmal um die Technik und die Koordination der Bewegungsabläufe. Andy Schenk erklärt dem Jungen geduldig, wie er zu stehen hat, wo er die Stange packen muss und macht es ihm auch ein paar Mal vor.

Man sieht dem 19-jährigen Gewichtheber auf den ersten Blick nicht an, dass er in seinem Sport zu den erfolgreichsten Junioren der Schweiz gehört: Bereits fünfmal wurde er in den vergangenen acht Jahren Schweizer Meister in der jeweiligen Alters- und Gewichtskategorie und dreimal Vizemeister. Schenk ist kein muskelbepackter Bodybuilder, sondern sieht ganz «normal» aus.

Wobei: Kraft hat er schon: 85 Kilogramm im Stossen und 87 Kilogramm im Umsetzen sind für einen so jungen Gewichtheber sehr ansehnliche Werte. Und, wie sein Grossvater Kurt Schenk sagt, der im selben Raum die 13-jährige Svenja trainiert, habe er sein Limit noch lange nicht erreicht. Wie er selber, der mit über 80 Jahren immer noch aktiv ist – bis vor einigen Jahren nahm Kurt Schenk noch an Wettkämpfen teil –, sei sein Enkel ein äusserst begabter Techniker. «Gute Technik ist das A und O beim Gewichtheben», erklärt Andy Schenk (siehe auch Kasten).

Auf die richtige Technik kommt es an

Der Bewegungsablauf beim Reissen oder Stossen muss derart gestaltet sein, dass der Körper möglichst schnell in eine Position unter dem Gewicht gebracht wird und man dabei alle Hebelwirkungen ausnützt.

Beim Reissen wird die Gewichtshantel in einer ersten Phase in einem Zug am Körper vorbei über den Kopf gezogen, der Gewichtheber geht dabei in eine tiefe Hocke. Von da aus steht er mit nach oben ausgestreckten Armen auf – die zweite Phase. Die Gewichtshantel wird dabei in einem weiten Griff gepackt, die Hände liegen nahe bei den Gewichten.

Beim Stossen wird die Hantel in der ersten Phase in einem Zug bis vor die Schultern gezogen. Der Gewichtheber bringt dann mit einem Ausfallschritt den Körper schnell nach unten und stemmt gleichzeitig das Gewicht hoch, das sogenannte Umsetzen, die zweite Phase. Dann setzt er ebenfalls mit gestreckten Armen die Füsse nebeneinander. Hier ist der Griff enger, weil sonst das Aufstützen vor dem Umsetzen unmöglich wäre. (om)

Stabilität ist wichtig

Fabian merkt rasch, wenn er etwas falsch macht. Beispielsweise hat er am Anfang etwas Mühe, die Arme ausreichend weit nach hinten zu bringen, wenn er die Stange nach oben gerissen hat. «Wenn du noch weiter nach hinten gehst mit den Armen, den Kopf etwas weiter vor, bist du viel stabiler. Denn weiter nach hinten kann es ja nicht gehen.»

Schenk zeichnet mit Kreide auch die Position der Füsse beim Greifen auf, denn es ist wichtig, das Gewicht gleichmässig zu verteilen, nicht nur auf der Ferse oder auf den Fussballen zu stehen. Ebenfalls wichtig das Atmen: Bei der Kraftanstrengung muss ausgeatmet werden. «Schau beim Reissen nach oben, dann kommt dir dein Kinn auch nicht in den Weg», sagt Schenk lachend und erzählt, wie er sich an einem Wettkampf die Stange ans Kinn schlug, weil er zuwenig darauf achtete.

Überhaupt sei die Verletzungsgefahr gering bei diesem Sport. Denn sobald etwas im Ablauf nicht wie gewünscht sei, lasse man die Hantel einfach fallen. «Das macht zwar viel Lärm, aber passieren kann im Grunde nichts.»

«Er wird mich hier einmal ablösen», sagt Kurt Schenk. Er selber trainierte schon den Vater des jungen Athleten und später ihn selber seit Beginn seiner Karriere, die schon mit zehn Jahren begann – wobei, im Trainingsraum war Andy Schenk schon mit drei, vier Jahren regelmässig.

Nur begleitete er damals seinen Vater und Grossvater. Selber nahm er mit elf Jahren erstmals an einer Schweizer Meisterschaft teil und wurde seither fünf Mal Meister in seiner jeweiligen Kategorie und drei Mal Vizemeister. Dazu kommen einige Erfolge an internationalen Turnieren.

Etwa drei Mal pro Woche trainiert Andy Schenk im Gewichtsheberraum. Je nachdem auch, wie es ihm Schule und Job erlauben. Schenk ist in der Ausbildung zum Polymech bei der Hänggi AG und macht nächstes Jahr die Lehrabschlussprüfung. Es gefalle ihm sehr, sein Wissen weiterzugeben und Trainings zu leiten. Vorerst sind es Junge, die über einen Ferienpasskurs oder Schnupperkurs den Sport kennenlernen wollen. So wie die beiden jungen Leute, die an diesem Abend trainieren. Svenja ist schon die dritte Woche mit dabei. Kurt Schenk lässt sie bereits mit wenig Gewicht trainieren, an ihrer Kraft arbeiten mit Kniebeugen. Fabian zeigt indes, dass er auch Kraft hat und einige Klimmzüge machen kann.

Tradition weiterführen

«Ich will die Familientradition weiterführen», sagt Andy Schenk. Und Grossvater Kurt Schenk fügt an: «In dem Jungen steckt viel Potenzial. Seit letztem Jahr ist er gewachsen und hat deshalb etwas Kraft verloren. Aber jetzt kommt die wichtige Aufbauphase, wo man mit Proteinen und einem guten Training sehr viel erreicht. Ich rechne mit einer Steigerung im nächsten Jahr um 30 Kilogramm beim Umsetzen.»

Für ihn sei klar, dass Andy das Ganze einmal übernehme. Und das freue ihn ausserordentlich. «Wenn es auch nicht einfach sein wird. Gewichtheben ist immer noch eine Randsportart und wird es auch bleiben. Deshalb bleiben auch Sponsoringbeiträge oder Sportförderungsbeiträge von Bund und Kanton weitgehend aus.»

Schenk weiss, wovon er spricht: 1988 hob er in Salzburg in den beiden Disziplinen Reissen und Stossen zusammen 247 Kilogramm und holte damit den Europa-meistertitel. An den Weltmeisterschaften in Melbourne 2002 schaffte er mit 65 Jahren den vierten Platz. «Das war das einzige Mal, wo ich vom Kanton etwas Geld erhielt: 3000 Franken.»

Acht Mal war Kurt Schenk Senioren-Schweizer-Meister und wurde von der Stadt Grenchen mehrfach mit dem Sportlerpreis und dem Sportförderpreis für seine Leistungen als Trainer ausgezeichnet. Aber Gewichtheben ist Randsportart geblieben. «Im Gegensatz zu Russland und China, wo insbesondere die Frauen enorm stark sind.»