Ernste Miene, ein blond gefärbter Afro. Aaron Doukpo sitzt in seinem Kunstatelier im Coworking Space beim Marktplatz in Grenchen. Es ist gross und hell, bietet Platz für die grossen Träume des Grenchners; wobei «Pläne» wohl das passendere Wort ist. Denn Aaron Doukpo scheint schon genau zu wissen, was und wohin er will. Mit seinen 19 Jahren wird er heute Samstag Abend bereits seine vierte Modeshow durchführen.

Die Show hat er mit anderen Künstlern organisiert, die Kleider alle selber genäht. Doukpo sei etwas nervös, freue sich aber auf den Anlass: «Wir haben einen Film produziert, welchen wir auf der grossen Kinoleinwand zeigen können, während die Models laufen. Zudem wird eine Künstlerin die Show mit Gesang untermalen.» 18 komplette Outfits hat der Modeschöpfer für den Anlass genäht. Die Models sind alle seine Freunde, welche er auch gleich in seinem Label «Fresh Yung Luxury» (FYL) unter Vertrag genommen hat. Die Show sei eher speziell aufgebaut, wie er selber findet, und man könne durchaus etwas erwarten.

Die Mode an sich sieht er als die freieste aller Kunstformen. «Sie ist stets im Wandel. Besonders in einer Zeit, in welcher Frauen- und Männermode immer mehr vermischt wird», betont er. Das Faszinierende sei, dass sie überall zu finden ist; auf der Strasse studiere er oft die Outfits der Menschen. «Manchmal sehe ich ein Kleidungsstück, welches mir gefällt. Dann überlege ich mir, wie das wohl gemacht wurde und wie ich es noch besser machen kann», sagt er und plötzlich erhellt sich seine Miene, um seine Augen bilden sich Lachfältchen. Dann wird er wieder Ernst.

Das Beobachten sei wichtig für ihn, damit er auf dem Boden bleibe und mit seinen abgehobenen Ideen nicht am eigentlichen Ziel vorbeischiesse. Nämlich bequeme Mode zu kreieren, welche man auch im Alltag anziehen könne. «Da versuche ich stets, die Balance zu finden». Der 19-Jährige wirkt reflektiert und selbstsicher. Eine Schwierigkeit beim Designen sei zudem, dass viele seiner Ideen bereits existieren. «Oder dass ich eine konkrete Vorstellung von einem Stoff habe, den es in der Schweiz nirgends zu beziehen gibt», sagt Aaron Doukpo.

Auf die Frage wie sich seine Stilrichtung in den letzten Jahren verändert habe, muss er überlegen. Früher habe er sich stark von der Stilrichtungen aus New York oder den eher Ausgefallenen aus Tokyo beeinflussen lassen. Das habe sich nicht geändert, nur seien inzwischen noch die eher massgeschneiderte Mode aus Paris und der auf Mäntel und Jacken spezialisierte Stil aus London in seine eigene Mode eingeflossen. Er sehe seine Mode gerne als eine von Tokyo inspirierte, «aber vermutlich habe ich ein ziemliches Mischmasch». Wieder sein strahlendes Grinsen.

Nicht nur eine Kleidermarke

Zurzeit steckt der «Künstler» noch mitten in seiner Ausbildung zum Metallbauer. Das Designen ist noch sein Hobby, in welches er nicht nur seine ganze Freizeit, sondern auch sein ganzes Geld steckt. Doch schon bald will Doukpo seine Leidenschaft zum Beruf machen und nicht nur in der Modebranche durchstarten. FYL soll ein Label werden, «ich will junge Künstler unter Vertrag nehmen und ihnen eine Plattform bieten». Zeichnen, singen, fotografieren: ganz egal. «Ich muss ihre Kunst nicht verstehen».

Er müsse nur sehen, dass sie ein konkretes Ziel verfolgen und es auch wirklich wollen. Klingt alles sehr vielversprechend, doch wie sieht es mit der Finanzierung aus? Bis jetzt durfte er seine Kleider periodisch bei Carmen Leimer in der «Boutique Olivia» ausstellen. Für seine Kleider verlange er nur so viel, dass die Materialkosten gedeckt werden.

Den Preis für seine Kleider wolle er auch in Zukunft möglichst tief halten, da sie vor allem von jungen Leuten getragen werde. Das Ziel sei nun aber schon, grössere Mengen zu produzieren und die Kleider im Internet und über sogenannte PopUp Stores zu vertreiben. Aber bis dahin gebe es noch viel zu tun.

Aaron Doukpo setzt sich wieder an seinen Schreibtisch. Zu amerikanischem Rap beginnt er, ein neues Kleidungsstück zu zeichnen, und driftet dabei wieder in seine Welt ab. Die der Jacken, Mäntel und Kleider, welche erst noch kreiert werden müssen.

Fashion Show: 28. April, 20 Uhr, im Kino Palace in Grenchen, Eintritt 10 Franken