Bürgergemeinde Grenchen

18,8 Prozent Mehrkosten für ein «Bijou»

Die renovierten Wohnungen im Bürgerhaus sind inzwischen vermietet.

Die renovierten Wohnungen im Bürgerhaus sind inzwischen vermietet.

Die Grenchner Bürgergemeindeversammlung hat die Abrechnung für den Umbau des Bürgerhauses einstimmig genehmigt. Ferner wurde das Budget 2015 verabschiedet und sechzehn Personen eingebürgert – darunter auch die Familie des Stadtpräsidenten.

Am 11. Juni 2012 hatte die Bürgergemeindeversammlung einen Kredit von 1,5 Mio. Fr. für den Umbau des Bürgerhauses genehmigt. Ausschlaggebend war der Entscheid der Spitex, das Bürgerhaus nach langjährigem Mietverhältnis zu verlassen. Da zudem die Wohnungen in einem schlechten Zustand waren, liess der Bürgerrat eine Umnutzungsstudie für eine umfassende Sanierung erstellen. Ein Bauausschuss wurde gebildet, der den Umbau in insgesamt 28 Sitzungen begleitete.

100-jähriges Gebäude

Die Offerten der Handwerker ergaben voraussichtliche Kosten von 1,69 Mio. Fr. für den Umbau, was laut Bürgergemeindepräsident Franz Schilt an der Bürgergemeindeversammlung vom 10. Juni 2013 kommuniziert wurde. Die Schlussabrechnung ergab nun Totalkosten von 1,783 Mio. Fr., was gegenüber dem genehmigten Kredit eine Kostensteigerung von 18,8 Prozent bedeutet, gegenüber dem Kostenvoranschlag eine solche von 5,5 Prozent.

Franz Schilt begründete die Mehrkosten einerseits mit dem allgemeinen Zustand des 100-jährigen Gebäudes. «Bei Altbauten kann es immer wieder zu Entwicklungen kommen, die unvorhersehbar sind.» So habe es Schwierigkeiten bei der Statik der Loggias gegeben, und diverse weitere Konstruktionsanpassungen wurden nötig. Der Umbau sei aber trotz der Mehrkosten tragbar, da alle Büros und Wohnungen zu den budgetierten Mieten voll vermietet seien. Diese bringen jährliche Erträge von 72 000 Franken ein «Wir können deshalb guten Gewissens sagen: aus dem Sorgenkind ist ein Bijou geworden.» Schilt sprach sogar von einem «gelungenen Jahrhundertwerk», das der Bürgergemeinde Grenchen in den nächsten Jahrzehnten gut anstehen werde. Die Versammlung mit 37 Stimmberechtigten pflichtete dieser Einschätzung offenbar bei und genehmigte die Bauabrechnung mit einem Nachtragskredit von 283 000 Franken einstimmig.

«Misswirtschaft» der PKSO

Verwalter Renato Müller erläuterte anschliessend die Rechnung der allgemeinen Bürgerverwaltung, die bei Ausgaben von 1,052 Mio. Fr. und Ausgaben von 963 500 Fr. mit einem Aufwandüberschuss von 89 000 Fr. schliesst. Auch die Bürgergemeinde muss zur Sanierung der kantonalen Pensionskasse beitragen, da der Verwalter seit Jahrzehnten bei der PKSO versichert ist. Bürgerpräsident Franz Schilt scheute sich nicht, in diesem Zusammenhang das Wort «Misswirtschaft» zu brauchen. Die Bürgergemeinde wird in diesem Zusammenhang per 1. Januar 2015 einen Beitrag von 360 000 Franken überweisen. Dieser wird über die Investitionsrechnung finanziert und in jährlichen Tranchen von 9000 Franken über 40 Jahre abgeschrieben.

Die Forstrechnung wurde von Revierförster Patrik Mosimann erläutert. Das Budget geht bei Ausgaben von 985 000 Fr. und Einnahmen von 969 000 Franken von einem Überschuss von 15 000 Franken aus. Der Ertrag aus dem Holzverkauf werde sich etwa auf dem Level des laufenden Jahres bewegen (Hiebsatz von 6000 Kubikmeter). Mehreinnahmen erwartet Mosimann von Arbeiten des Forstdienstes für Dritte, beispielsweise durch Baumfällaktionen oder Aufräumarbeiten nach Stürmen. Diese hätten im Lauf des Jahres 2014 schon fast 90 000 Franken erreicht. Schwierig sei zurzeit die Personalsituation des Forstdienstes, da man gleich drei Abgänge im laufenden Jahr zu verzeichnen habe. Mit der Ausbildung von zwei Lehrlingen aus Grenchen versuche man, die Fluktuation zu stabilisieren. «Inzwischen schauen wir, ob wir nächstes Jahr mit zwei Forstwartstellen durchkommen», so Mosimann. Die Kosten für Auslagerung einzelner Arbeiten erhöhen sich dementsprechend.

Abwasserproblem lösen

Schilt orientierte ferner über den Zwischenstand des Windpark-Projektes, das zurzeit «ganz oben auf der Prioritätenliste» des Bürgerrates sei. Es sei davon auszugehen, dass der Bauernhof Oberberg ab ungefähr 2020 betriebliche Anpassungen vornehmen müsse. «Von der SWG haben wir die schriftliche Zusage, dass sie sich an notwendigen Investitionen und möglichen Ertragseinbussen beteiligen wird.» Die Bürgergemeinde prüft ferner, im Rahmen der Stromabführung des Windparks auch das Abwasserproblem der Berghöfe zu lösen. Die SWG hat eine entsprechende Projektstudie in Auftrag gegeben, für welche der Bürgerrat 50 000 Franken gesprochen hat. Die Kosten der Realisierung lassen sich laut Schilt mit künftigen Baurechtszinsen verrechnen.

Schliesslich hat die Versammlung insgesamt 9 Einbürgerungsgesuchen mit 16 Personen einstimmig zugestimmt. Die eingebürgerten Personen kommen aus der Schweiz (vgl. Kasten), Bosnien-Herzegowina, Iran, Togo, Türkei, Serbien/Montenegro und Vietnam. Sechs weiteren Personen, die an der letzten Versammlung eingebürgert wurden, konnte Schilt die entsprechenden Urkunden überreichen.

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