Veloprüfung
150 Grenchner Viertklässler sind bereit für den Strassenverkehr

Für die Viertklässler der Grenchner Schulen stand am Montag der praktische Teil der Veloprüfung auf dem Programm. Am Dienstag und Mittwoch absolvieren sie den theoretischen Teil. Dafür haben sie sich gut vorbereitet.

Oliver Menge
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Die drei Mädchen haben es fast geschafft: die letzte Kurve vor dem Einbiegen ins Ziel.

Die drei Mädchen haben es fast geschafft: die letzte Kurve vor dem Einbiegen ins Ziel.

Oliver Menge

«Passt auf, dass Ihr die Handzeichen immer gebt, wenn Ihr einen Spurwechsel macht, abbiegen wollt oder ein Hindernis umfahren müsst.» Rund 20 aufmerksame Schülerinnen und Schüler sitzen auf der Treppe bei der alten Turnhalle und lauschen gespannt den Ausführungen des Polizeibeamten Marco König. Zusammen mit seinem Kollegen Stefan Zybach führt er die praktische und theoretische Fahrradprüfung für die Schulen Grenchen durch. Ihnen zur Seite stehen fünf weitere Beamtinnen und Beamte, die sich entlang der Strecke postiert haben, welche die Kinder auf ihren Fahrrädern zurücklegen müssen. «Ihr werdet einige der Polizistinnen und Polizisten sehen, wenn Ihr unterwegs seid. Andere haben sich versteckt. Aber sie werden Euch beobachten und alle Eure Fehler notieren.»

Gut vorbereitet und viel geübt

René Inderkummen, Lehrer im Schulhaus Zentrum, hat seine Schülerinnen und Schüler gut auf die Prüfung vorbereitet. «Wir waren dreimal mit der Klasse auf den Fahrrädern unterwegs und haben die Dinge geübt, die auch für die Prüfung wichtig sind. Und einmal wurden wir von den Polizeibeamtinnen und -beamten begleitet. Alle Kinder wurden mit Funk ausgerüstet und so über die Strecke geführt.» Dazu habe er im Klassenzimmer in der Theorie viel gearbeitet und die Schwierigkeiten herausgearbeitet.
Aber heute gilt es ernst: Keine Hilfe von aussen, die Kinder müssen nun selber unter Beweis stellen, dass sie verkehrstauglich sind.

Erste Station für die Kinder nach den Instruktionen durch die Beamten: Fassen der nummerierten Leuchtweste und Kontrolle des Velos durch den Polizisten. Denn bereits hier kann es Minuspunkte geben. Aber Inderkummens Klasse hat sich gut vorbereitet: Lediglich zwei Schüler kriegen je einen Minuspunkt für fehlende Rückstrahler. Danach werden die Kinder im Minutentakt auf die Strecke geschickt, die sie von der alten Turnhalle beim Nordbahnhof vorbei ins Lingerizquartier und zurück führt. Einige Knackpunkte müssen dabei bewältigt werden: Kreisel, Linksabbiegen, Ausweichen bei Hindernissen.

«Nervös? Nein gar nicht»

Denis ist der Erste, der die Strasse unter die Räder nimmt. «Nervös? Nein gar nicht. Ich habe mich gut vorbereitet und viel geübt.» Dass viele Kinder noch am Vortag mit ihren Eltern oder älteren Geschwistern geübt haben, bestätigt auch Stefan Zybach. Er war am Sonntag zusammen mit Marco König den ganzen Tag unterwegs auf Patrouille. «Uns sind mehrere Kinder begegnet, die die Strecke abgefahren sind. Einige von ihnen waren in Begleitung ihrer Väter oder Brüder, ein paar davon mit eher mürrischem Ausdruck auf den Gesichtern. Wir mussten öfters lachen.» Aber, so Zybach, das Üben der Eltern mit ihren Kindern sei für ihn auch ein Zeichen, dass viele Familien diese Fahrradprüfung ernst nehmen. «Letztendlich ist eine bestandene Prüfung auch ein Signal für die Eltern, dass sie ihr Kind ab jetzt auch mal alleine mit dem Velo in die Badi fahren lassen dürfen.»

Im ganzen Kanton gleiche Prüfung

«Wir planen die Fahrradprüfungen gemeinsam mit allen Polizeiorganen, sodass im ganzen Kanton mehr oder weniger dieselben Anforderungen gelten. Mancherorts ist es dann halt etwas schwieriger, den Kreisverkehr zu üben, weil es im Bucheggberg zum Beispiel nur wenige Kreisel gibt», so König. Aber dennoch können Änderungen im Strassenverkehrsgesetz so gemeinsam an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden. Die Polizei setzt strenge Massstäbe bei der Fahrradprüfung. «Es bringt nichts, einem Kind einen Fehler durchgehen zu lassen. Wir würden damit eben ein falsches Signal senden, mit vielleicht verheerenden Folgen», erklärt König.

Gehöriger Respekt

Die zehnjährige Lara ist «ganz fest nervös», wie sie sagt. «Eigentlich wollte ich gestern noch auf der Strecke üben, aber dafür hatte ich keine Zeit. Und jetzt habe ich Angst davor, dass ich, wenn ich einen Fehler mache, gleich alles falsch mache.» Sie wartet mit ihren Klassenkameradinnen darauf, an die Reihe zu kommen. Vor der technischen Prüfung ihres Fahrrads hat sie keine Angst. «Das war eine Hausaufgabe, die Velos vorzubereiten. Aber das Fahren auf der Prüfungsstrecke unter dem gestrengen Auge der Polizei, davor hat sie noch gehörigen Respekt. «Wann muss man eigentlich den Blick zurück machen?», fragt eine Mitschülerin und erntet dafür mitleidige Kommentare. So etwas Einfaches weiss man doch.

Etwa eine halbe Stunde später hat auch Lara die praktische Prüfung überstanden und ist erleichtert. Nun müssen sie und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler nur noch den theoretischen Teil absolvieren. Der steht heute und morgen auf dem Programm.