Ein richtiges Velo, eines mit Pedalen zum richtig «trampen», das war der Wunsch der kleinen Lena, und am Samstag wurde er erfüllt. Auf dem Grenchner Marktplatz fand sie ihren feuerroten «Feuerstuhl», die Mutter konnte nicht widerstehen und machte Lena das Geschenk. Überhaupt waren die Kindervelos sehr gefragt. Die Kleinen wachsen so schnell, dass es einfach keinen Sinn macht, jedes Jahr ein neues Velo zu kaufen. So bringen viele Eltern das zu klein gewordene Velo an die alljährliche Velobörse und tauschen es gegen ein grösseres, fast neuwertiges Modell ein.

So fand wie jedes Jahr zum Ende der Frühjahrs-Schulferien die traditionelle Velobörse des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS) und der IG Velo statt - auch wenn das Wetter diesmal eher nach einem Skimarkt aussah. Der VCS und die IG Velo verfolgen mit der Börse das Ziel, den Veloverkehr als umweltschonende und erst noch gesunde Art des Personenverkehrs zu fördern und gleichzeitig den Abfallberg zu verkleinern, indem noch bestens brauchbare Fahrräder wieder einen Nutzer finden.

Viele leere Veloständer

Der eisige Bergwind, der von der Wandfluh hinunter über den Marktplatz fegte, sorgte zwar dafür, dass etwa ein Viertel der bereitstehenden Veloständer leer blieb. Da die Kälte etwa gleichviele Käufer wie Verkäufer vom Verlassen des geheizten Heims abhielt, stimmte die Mischung von Angebot und Nachfrage.

Kaum hatte jedenfalls Silvano Lombardo das weisse, etwas in die Jahre gekommene Mountainbike für 60 Franken angeschrieben und zum Verkauf aufgestellt, wurde es auch schon von den ersten Interessenten geprüft. «Es geht mir weniger um das Geld als darum, dass das Velo aus dem Keller kommt und es wieder jemandem dient», sagte Lombardo. Doch als die Interessenten es wieder in den Ständer stellten, war aus dem kleinen Erfolgserlebnis doch eine lesie Enttäuschung geworden.

Mit noch weniger Leuten gerechnet

«Immerhin», zog Heinz Aebi eine erste Bilanz, «bei diesem schlechten Wetter hätte ich mit noch weniger Leuten gerechnet.» Als Organisator der alljährlichen Velobörse kennt er das Potenzial des Marktes in Grenchen bestens. Er rechnet mit etwa 120 Velos, die einen neuen Besitzer gefunden haben. Die Preise beginnen bei 5 Franken und gehen bis etwa 700 Franken. Die rund 10 Helfer waren leicht an den gelben Vesten zu erkennen. «Wir beraten die Leute bei der Gestaltung des Preises, denn wir wissen etwa, was möglich ist. Wichtig ist vor allem, ob jemand das Velo unbedingt loswerden will, oder ob zum Beispiel mindestens die Hälfte des Kaufpreises herausschauen muss.»

Auch Händler dürfen an der Velobörse teilnehmen. «Wir beschränken die Zahl aber auf acht Velos pro Anbieter, damit eine gute Mischung entsteht», erklärt Heinz Aebi. «Am meisten gesucht sind die sogenannten Bahnhofvelos. Die müssen günstig und praktisch sein, denn ein wertvolles Velo stellt kein Pendler gerne den ganzen Arbeitstag beim Bahnhof ab.»