Da staunten die Grenchnerinnen und Grenchner einmal mehr nicht schlecht: Am Dienstag wurden in den Briefkästen auf dem gesamten Stadtgebiet Flyer verteilt, die sich gegen den amtierenden Stadtpräsidenten Boris Banga (SP) richten und überdeutlich fordern: «Zeit für den Wechsel. François Scheidegger als Stadtpräsident.» Hinter diesem Flugblatt steckt das überparteiliche Wahlkampfkomitee für François Scheidegger, das 10 000 Exemplare drucken liess. Etliche Freiwillige haben die A3-grossen Papiere verteilt.

Aufgedruckt auf dem zweiseitigen Flyer sind zwei Artikel aus den Medien: ein Artikel der Neuen Zürcher Zeitung NZZ mit Titel «König Banga in Bedrängnis - dem Stadtpräsidenten von Grenchen droht wegen seines umstrittenen Führungsstils die Abwahl» und ein zweiter der «Weltwoche», der den «langen Arm» des Ehepaars Banga und die gefürchteten Attacken des Stadtpräsidenten offenlegen will.

Die Stimmbürger mobilisieren?

Die FDP- und SVP-geprägten Medien sparen erwartungsgemäss nicht an Kritik, alte Geschichten wie die Internet-Affäre oder die Mobbing-Vorwürfe werden wieder aufs Tapet gebracht, sogar Auszüge aus dem geheimen Expertenbericht von 2010 genannt. Es heisse unter anderem, die Worte des Stadtpräsidenten seien herabsetzend und beleidigend.

Alexander Kohli vom überparteilichen Unterstützungskomitee François Scheidegger erklärt: «Unsere Idee war es, den Leuten diese Artikel zu zeigen, damit sie informiert sind.» Obwohl einigen Empfängern des Flyers dessen Inhalt als Teil eines unsauberen Wahlkampfverhaltens sauer aufstösst, beteuert Kohli, gehe es nicht um Polemik. «Wir zeigen ja nur, was die Medien schreiben.» Dass die aber nichts Neues mehr schreiben, weiss auch Kohli.

Einige Wähler von François Scheidegger sind überzeugt, dass eine höhere Stimmbeteiligung ihrem Kandidaten nützen würde. Ist der Flyer also eine Verzweiflungstat? Kohli winkt ab: «Ich weiss es nicht. Wir wollten die Artikel einfach verbreiten. Das kam eher spontan.» 10 000 spontan gedruckte Exemplare, spontan verteilt in einen Grossteil der rund 7500 Grenchner Haushalte: Bei einem nicht über alle Zweifel erhabenen Stadtpräsidenten darf man auch einen nicht über alle Zweifel erhaltenen Wahlkampf führen.