Dieser fünfteilige Konzertabend gewann ausserordentlich durch seine Durchführung – statt wie üblich im Konzertsaal – in der Jesuitenkirche, die in ihrer architektonischen Pracht und in ihrer Akustik einen beglückenden Rahmen setzte. In Matthias Steiner, dem regional, schweizweit und auf europäischer Ebene bekannten, einheimischen Vollblutmusiker hatte Orchesterleiter Urs Joseph Flury einen Violin-Solisten gewählt, der über ein bewundertes Rüstzeug in Technik und Interpretation verfügt. Zudem beherrscht Steiner im Spiel alle dramaturgischen und virtuosen Kunstgriffe, die das Zuhören so genussvoll machen.

In seiner langen und erfolgreichen Musikerlaufbahn wird Steiner geschätzt für seine Liebe zu vielen Musikgattungen und für seine Lust, ausgesprochen schwierige Stücke der Musikliteratur zu erarbeiten und aufzuführen. Weil er seit Jahren immer wieder bei den Aufführungen des Solothurner Kammerorchesters SKO mitwirkt, kennt er den «Puls» des Orchesters gut. Und noch etwas gefiel dem Publikum an diesem Konzertabend: Steiner lebt die Musik in seiner gesamten Körperhaltung und unterstreicht mit Lächeln das musikalische Geschehen.

Feurig und beseelt

Als Erstes ist das im Programm abschliessend gespielte Werk erwähnt, dem geradezu betörenden Violinkonzert A-Dur KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-91), das der Komponist als 19-Jähriger für Solovioline, Streicher, Oboen und Hörner schrieb. Feurig beginnt der erste Satz «Allegro aperto», in den sich der Solist mit dem klangvoll ausmusizierten festlichen Thema einbringt.

Ganz innig und beseelt folgt das «Adagio», dem ein prächtig kontrastreiches Finale «Tempo di Menuetto» folgt. Lieblich, mit vielen Auszierungen gestaltet die Solo-Violine hier die Melodie, der das Orchester mit derb stampfendem Moll-Teil in die Quere fährt. Man erinnert sich an die zu Mozarts Zeit beliebte türkische Janitscharen-Musik, die der Komponist witzig blinzelnd anklingen lies. Und Steiner geizte in allen drei Sätzen nicht mit seinen mitreissend-kunstvollen Solo-Passagen.

Inspirierter Violinpart

Das «Konzert für Violine und Orchester a-Moll BWV 1041» für Solovioline, Streicher und Continuo von Johann Sebastian Bach (1685-1750) wirkt in seiner Anlage streng und energiereich. Doch gemeinsam mit dem Ensemble verlieh Steiner ihm eine akzentuierte, rhythmische Leichtigkeit, die jeden Zuhörenden geradezu beglückte. Ausdrucksstark leitet der zweite Satz «Andante» zum tänzerisch angelegten «Allegro assai» mit schnell wechselnden Tutti und Solopassagen über. Das reiche Figurenwerk liess in dieser Darbietung ein wunderbar inspiriertes Bach-Werk entstehen.

Federleicht gelang auch die «Polonaise für Violine und Orchester B-Dur D 580» von Franz Schubert (1791-1828). Der viel zu früh verstorbene Komponist hinterliess ein riesiges Werk an Liedern, Opern, geistlichen Werken und Instrumentalkompositionen. Diese Polonaise, die Wiener Charme und eine Prise italienische Einfachheit atmet, wäre gut als Ballettmusik denkbar.

Von Händel bis Bartok

Gratulieren darf man dem SKO zur Aufführung der siebenteiligen orchestralen Suite «Rumänische Volkstänze aus Ungarn» von Bela Bartok (1881-1945). Mit der Erkundung der Volksmusik der unterschiedlichen Ethnien in Ungarn schuf der Komponist elementreiche Werke in Rhythmik, Melodik und Form. Gut zum Ausdruck kamen im Vortrag des SKO die besondere Klanglichkeit und balkanisches Kolorit.

Entführend in einen heiteren Frühlingsgarten mit zwitschernden Vögeln bestach das zur Konzert-Eröffnung aufgeführte «Concerto grosso D-Dur op.6 Nr. 5» mit sechs Sätzen von Georg Friedrich Händel (1685-1759) durch seine Volkstümlichkeit. Besonders schön das Largo, das solistisch im Zwiegespräch von Franziska Grütter, Michael Keller und Stefan Thut mit den Tutti geführt wurde. Mit reichem Beifall dankte das Publikum allen Mitwirkenden zu diesem musikalischen Freudenfest.