Immaterielles Kulturgut

Diese Kulturgüter aus dem Kanton Solothurn sind Unesco-würdig

Die Liste der immateriellen Kulturgüter des Kantons Solothurn bringt Erwartetes, wartet aber auch mit Überraschungen auf: So hat es der Grenchner Uhrencup geschafft, nicht aber die Solothurner Literatur- und Filmtage.

Karin Janz, die Verantwortliche für die Liste der immateriellen Kulturgüter aus den Kantonen Solothurn und Aargau, ist zufrieden. Aus Hunderten von Vorschlägen aus der Bevölkerung wurden schliessen für den Kanton Solothurn 30 Traditionen und Ereignisse zuhanden der immateriellen Kulturgüterliste für die Schweiz eingereicht.

Elf von ihnen wurden von einer Projektsteuerungsgruppe, welche sich aus Mitgliedern des Bundesamtes für Kultur, aber auch aus Fachleuten aus allen Regionen der Schweiz zusammensetzte, für den Kanton Solothurn auf die finalisierte Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz gesetzt.

Die Solothurner Traditionen

Auf die Liste geschafft haben es aus dem Kanton Solothurn: der Eierleset, die Uhrmacherkunst, das Hornussen, die Jugendfeste (z.B. Schulfest Olten), die Seidenbandindustrie, Solothurn, und die Zahl 11, die Solothurner Fasnacht, die Stäcklibuebe, der Töfftreff Hauenstein, der Uhrencup Grenchen, und die Wallfahrt nach Mariastein.

Genannt, aber nicht geschafft haben es: die Gedenkfeier der Schlacht Dornach, die Oltner Kabarett-Tage, die Sebastiansfeier Olten, das Schuhmacherhandwerk, die Solothurner Film- und Literaturtage, die Sonnwendfeier Oensingen, die Verleihung des Roth’schen Ehrenkleides und die Weisse Frau im Belchentunnel. Erstaunt bemerkt man, dass mit dem Grenchner Uhrencup es ein relativ junger Anlass schaffte, hingegen die Solothurner Literatur- und Filmtage nicht mit mindest ebensolcher Ausstrahlung.

«Das mag tatsächlich auf den ersten Blick erstaunen», erklärt Janz. «Doch setzte man die Film- und Literaturtage gleich wie das Paléo-Festival Nyon oder das Montreux-Jazz-Festival, und diese Anlässe haben es ebenfalls nicht geschafft. Man sagte sich auch, diese Veranstaltungen sind auch sehr personenabhängig. Beim Grenchner Uhrencup hingegen handelt es sich um den ältesten, in Europa noch laufenden Fussballcup, der auch von seiner Entstehung her eng mit der Grenchner Uhrenindustrie verbunden ist. Die Initianten waren Uhrenindustrielle.

Auch Unbekanntes entdeckt

Karin Janz ist mit dem Prozedere sowie mit dem Ergebnis der Liste sehr zufrieden. «Erfreulich war, dass die Gemeinden sehr aktiv mitgemacht haben und uns Zugang insbesondere zu wichtigen Vereinen ermöglichten. Vielfach sind es die Vereine, welche solche immateriellen Kulturgüter pflegen.» Aus der gesamten Liste aller genannten Kulturgüter des Kantons soll noch in diesem Jahr eine Publikation entstehen, verrät Janz weiter.

Erstaunlich sei auch gewesen, dass Anlässe genannt wurden, die auch unter den Experten zum Teil unbekannt waren. «So wusste beispielsweise aus dem Aargau niemand, was «Meggelen» ist», schmunzelt sie. Überraschend war auch das Engagement der Kirchen, was beweist, dass viele Traditionen in ihrem Umfeld gepflegt werden, und vielleicht auch dort entstanden sind. Altes Handwerk oder Heilwissen wurde hingegen kaum erwähnt. «Vielleicht ist der Grund darin zu suchen, dass solche Themen in der Regel von Einzelpersonen gepflegt werden, während Fest-Traditionen von vielen Leuten besucht und organisiert werden und daher viel mehr im Bewusstsein sind», sagt Janz.

Wie die einzelnen Kantone nun mit den auf der Liste stehenden Traditionen umgehen, sei nicht definiert, so Janz. «Kultur unterliegt der Souveränität der Kantone. Primäres Ziel dieser Liste ist auf jeden Fall die Bewusstseinsschaffung für die gelebten Traditionen der Schweiz.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1