biberist
Biberister Jungbürgerfeier erstmals mit ausländischen Einwohnerinnen und Einwohnern: «Die Gemeinde braucht kritische junge Menschen»

Die jungen Bürgerinnen und Bürger feierten in Biberist mit den gleichaltrigen Ausländerinnen und Ausländern.

Rahel Meier
Drucken
Teilen
Die Biberister Jungbürgerinnen und Neubürger beim gemeinsamen Abendessen.

Die Biberister Jungbürgerinnen und Neubürger beim gemeinsamen Abendessen.

zvg

Doppelte Premiere an der Feier der Jung- und Neubürgerinnen und -bürger in Biberist. Coronabedingt wurden ausnahmsweise zwei Jahrgänge (2002 und 2003) eingeladen, weil letztes Jahr die Feier nicht durchgeführt werden konnte. Zudem wurden erstmals auch die ausländischen Einwohnerinnen und Einwohner der beiden Jahrgänge eingeladen. Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann:

«Ich finde es wichtig und richtig, dass auch Menschen ohne Schweizer Pass mit uns zusammen feiern können. Sie sind genauso ein Teil unserer Gemeinde. Sie leben mit uns und tragen genauso wie diejenigen mit dem roten Pass zur Entwicklung unserer Gemeinde bei.»

190 Jugendliche wurden eingeladen, 32 sind der Einladung gefolgt.

Nicht jede Demokratie ist demokratisch

In Biberist ist es Tradition, dass nicht nur die Jungbürgerinnen und -bürger, sondern auch die Personen eingeladen werden, welche neu das Schweizer Bürgerrecht erlangt haben. Insgesamt 16 Personen haben in den Jahren 2020 oder 2021 in Biberist das Schweizer Bürgerrecht erhalten, sechs davon haben sich für die Feier angemeldet.

Der Gemeindepräsident machte die Jugendlichen vor der Abnahme des Gelöbnisses auf ihre Rechte und Pflichten aufmerksam. Die Volljährigkeit bringe Rechte mit sich wie etwa die Möglichkeit, einen Vertrag zu unterschreiben oder Auto zu fahren. Das Ausfüllen der Steuererklärung sei aber ebenso eine Pflicht, die nun folge.

Nicht nur die Jungbürger, auch die Neubürgerinnen könnten ab sofort politisch mitbestimmen. «Es gibt kaum ein anderes Land auf der Erde, wo die Einwohnerinnen und Einwohner so viel mitbestimmen können, wie bei uns.» Jede und ­jeder könne sich persönlich einbringen und mitgestalten. In vielen Ländern ist das nicht möglich. Nordkorea beispielsweise sei auch eine Demokratie.

«Im Unterschied zu unserer ­Demokratie in der Schweiz kommen Sie in Nordkorea aber ins Gefängnis, wenn Sie sich negativ gegenüber dem Machthaber äussern.»

In der Schweiz bestimme das Volk, von wem es ­regiert werde. Es gebe keine Männer in dunklen Anzügen, oder eine Miliz, die einen verhaftet und ohne Gerichtsurteil ins Gefängnis wirft.

Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann machte die Jungbürger und Neubürgerinnen auf ihre Rechte und Pflichten aufmerksam.

Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann machte die Jungbürger und Neubürgerinnen auf ihre Rechte und Pflichten aufmerksam.

zvg

«Bleiben Sie offen gegenüber Andersdenkenden»

«Ich lade Sie ein, nehmen Sie Ihre Möglichkeiten zur Mitbestimmung wahr, wählen Sie, stimmen Sie ab, gehen Sie an die Gemeindeversammlung. Bleiben Sie dabei aber auch immer kritisch», so Hug-Portmann weiter. Volljährig und erwachsen zu sein, heisse auch selbstständig zu denken und eine eigene Meinung zu haben und dazu zu stehen, sich aber auch kritisch mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen.

«Bleiben Sie dabei aber immer offen und tolerant gegenüber Andersdenkenden.»

Die Gemeinde und die Schweiz brauche kritische, ­verantwortungsvolle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, junge Menschen, die sich engagieren, die an Abstimmungen und Wahlen teilnehmen, die die Schweiz weiterentwickeln.

Stefan Hug-Portmann freute sich im zweiten geselligen Teil der Feier darüber, dass viele der Anwesenden sich der Rechte und Pflichten bewusst seien und sich bereits an Wahlen und Abstimmungen beteiligt hätten. «Die Diskussionen waren sehr spannend.» (rm/mgt)

Aktuelle Nachrichten