Benediktinerkloster
«Tag der Politik» im Konzertsaal: Das Kloster Mariastein als Denkanstoss

Vor 50 Jahren wurde das Benediktinerkloster staatsrechtlich wiederhergestellt. Grund genug für eine Standortbestimmung.

Susanna Hofer
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Kloster Mariastein: Seit 50 Jahren wieder unter der Obhut der Benediktinermönche.

Kloster Mariastein: Seit 50 Jahren wieder unter der Obhut der Benediktinermönche.

Nicole Nars

Im Konzertsaal Solothurn fand aus diesem Anlass ein «Tag der Politik» als Begegnungstag statt. Anwesend waren Persönlichkeiten aus Kirche und Politik, so der Abt und der Konvent von Mariastein, Bischof Felix Gmür, Vertreter der drei Landeskirchen, der Regierungsrat und Vertreter von Behörden und Vereinen.

1874 hatten Regierung, Parlament und das Volk des Kantons Solothurn dem Kloster ­Mariastein seine Souveränität entzogen. Es wurde ohne Entschädigung enteignet, die Patres und der Abt mussten das Kloster verlassen. Der Graben zwischen Kirche und Staat, auch im Kanton Solothurn entstanden durch den Kulturkampf nach dem Ersten Vatikanischen Konzil, wurde durch die Wiederherstellung zugeschüttet. Heute, so sagte Frau Landammann Susanne Schaffner in ihrer Ansprache, gehe es um Kooperation statt um Konfrontation.

Peter von Sury, Abt Kloster Mariastein

Peter von Sury, Abt Kloster Mariastein

Abt Peter von Sury, der seit 47 Jahren im Kloster Mariastein lebt und seit 2008 dort Abt ist, bekannte sich zur Verantwortung der Kirche für die Gesellschaft: «Unsere Kirche ist offen, alle sind willkommen.» Für die vielen Menschen aus verschiedenen Religionen und Konfessionen, die jährlich das Kloster besuchten, sei Mariastein ein niederschwelliger Ort der Begegnung.

«Religion kann Menschen Ängste nehmen»

Der feierliche Anlass wurde von Schülerinnen und Schülern der Musikschule Dornach eröffnet. Historiker Urs Altermatt erläuterte in seinem Referat die Bedeutung der Ereignisse rund um den Kulturkampf und das Kloster Mariastein. Seine Grossmutter habe ihm als Kind vom Fallwunder erzählt, dass der Legende nach am Ursprung der Klostergründung steht. Altermatt forderte religiöse Toleranz als Grundlage eines freiheitlichen Staates. Frau Landammann Susanne Schaffner betonte in ihrer Rede, nach wie vor habe das Kloster Mariastein einen besonderen Stellenwert für den Kanton.

Nach dem Ende des Kulturkampfes habe sich zwischen Kirche und Staat ein neues Verhältnis gebildet: Kooperation statt Konfrontation. Trotz der vielen Kirchenaustritte müssten die Kirchen unterhalten werden. Und: «Die Religion kann den Menschen auch Ängste nehmen.» Soziale Aufgaben, die sonst der Staat übernehmen müsste, würden durch die Kirchen und Klöster wie Mariastein erfüllt. Die Erhaltung des Religionsfriedens sei eines der wichtigsten Güter der Gesellschaft, so Schaffner. Im abschliessenden Podium mit Abt von Sury, Regierungsrätin Schaffner und Historiker Altermatt lenkte Moderator und Projektleiter «Mariastein 2025», Mariano Tschuor, das Gespräch in Richtung Zukunft.

Susanne Schaffner legte den Fokus auf die Anerkennung von anderen Religionsgemeinschaften. Es gelte, eine Radikalisierung von religiösen Gruppen zu verhindern, indem man die Integration vorantreibe. Gerade auch in Gefängnissen sei Seelsorge eine wichtige Sache, wofür geeignete Seelsorger zur Verfügung stehen müssten.

Das Bekannte mit den Augen des Fremden sehen

Urs Altermatt gab zu bedenken, dass in gewissem Sinne noch Reste des Kulturkampfes zu spüren seien; etwa, wenn man bedenke, dass das Jesuitenverbot erst 1973 aufgehoben worden war. Die Landeskirchen würden Mitglieder verlieren. Die Hauptfrage sei für ihn, wie man mit dem Islam umgehen solle. Schaffner meinte dazu, man müsse versuchen, den Befindlichkeiten aller Religionen gerecht zu werden.

Abt von Sury ergänzte, man müsse Solothurn mit den Augen von Menschen sehen, die ursprünglich nicht von hier seien. Er erwähnte die Lektüre von Franco Supinos Buch «Solothurn liegt am Meer», nach deren Genuss er Solothurn mit anderen Augen gesehen habe. Er erwähnte im Hinblick auf die Zukunft die Neugestaltung des Klosterplatzes von Mariastein, der im Moment vor allem ein Parkplatz sei und den Bedürfnissen der Pilgernden nicht entspreche. Er dankte dann auch im Namen des Leimentals für die Gastfreundschaft in der Kantonshauptstadt.

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