Der Windsack flattert horizontal im Westwind, der schwarze Wolken und immer wieder kurze Regenschauer durchs Limpachtal treibt. Doch ein passionierter Schütze lässt sich nicht einmal durch solches Wetter davon abhalten, ans Balmeggschiessen zu kommen. 931 waren es, die an der 37. Auflage des traditionsreichen Wettkampfs mitmachen wollten – das sind neun Mal mehr Schützen, als das idyllische Bauerndorf, das seit 2010 zur Gemeinde Messen gehört, selber Einwohner hat.

Das Szenario, das sich alle zwei Jahre wiederholt, erinnert an vergangene Zeiten. Geschossen wird von einem improvisierten Stand in einem Feld im Limpachtal aus über die gesperrte Hauptstrasse hinweg auf die Zielscheiben am Südfuss des Bucheggbergs. «Es werden keine Magazine eingesetzt», ruft der Schützenmeister durch das Zelt, «die Gewehre bleiben unten, und es werden keine Zielübungen gemacht, solange die Zeiger oben bei den Scheiben sind.» Und 300 Meter weiter vorne kommt die kleine, weisse Kelle mit dem roten Wimpel zum Vorschein: Jede Mouche lässt das Schützenherz höher schlagen.

Geduld und Disziplin

Es dauert seine Zeit, bis die Zeiger wieder im Loch verschwunden sind. Ein nach alten Traditionen durchgeführter Schiesswettbewerb fordert von den Schützen viel Geduld und Disziplin. Jeweils fünf lizenzierte Schützen des gleichen Vereins bilden eine Gruppe und schiessen gleichzeitig auf Kommando. Die Gelbwesten des Schützenvereins Balm bei Messen beobachten konstant, dass sich alle an die Regeln halten. Jegliches Risiko eines zur Unzeit abgegebenen Schusses muss ausgeschlossen werden können, damit das Leben der Zeiger nicht in Gefahr gerät.

Warum ist das Balmeggschiessen so beliebt? 800 Schützen hatten sich angemeldet, 931 sind schliesslich gekommen. Der Teilnehmerrekord liegt bei 1200 Schützen. «Wir sind zufrieden. Der eine oder andere, der von den vielen schönen Schützenhäusern verwöhnt ist, wird aber wegen des Wetters lieber auf dem Sofa sitzen geblieben sein», sagt Thomas Kocher, der Präsident des Schützenvereins Balm bei Messen. «Es ist halt schon etwas anderes bei uns auf dem Feldstand», meint Kocher. «Viele kennen nur noch die elektronischen Scheiben mit der automatischen Anzeige. Bei uns kommen noch die Zeiger aus dem Loch und zeigen mit den Kellen, die Warner sagen die Punkte laut an und schreiben sie von Hand auf. Das bringt bei vielen Schützen die nostalgischen Gefühle zurück. Und das ist unser Erfolgsrezept.»

Fünf Schiessen an einem Tag

Eine Schweinswurst oder eine Cervelat gibt es bei vielen Schützenfesten gratis dazu. Aber nur beim Balmeggschiessen gibts ein richtiges Schützensteak. Man könnte also nach Balm kommen, um zu essen, und dann noch so nebenbei gratis am Schützenfest mitmachen. «Es ist natürlich gerade umgekehrt. Wir kommen ans Balmeggschiessen und freuen uns, dass wir dann noch gratis essen dürfen», sagt Heinrich Guldimann, Präsident der Schützengesellschaft Oekingen. «Wir gehen an viele Schützenfeste, aber hier ist es besonders schön.» Muttenz, Hecknau, Wenslingen, das Limpachtalschiessen und das Balmeggschiessen absolvierten die fünf Oekinger am Samstag. «Wir sind ehrgeizig und wollen immer in die prämierten Ränge kommen. Im Baselbiet ist uns das gelungen.» Beim Balmeggschiessen sei es durchzogen gelaufen. «Wir schiessen mit dem Standardgewehr. Das ist präziser als das Sturmgewehr, aber bei schwierigen Verhältnissen auch anspruchsvoller, weil es keine Zweibeinstütze hat.» Gleichzeitig bleibe beim Zielen weniger Zeit, weil jeder Schuss einzeln geladen werden muss.

Der Wind hat also den Oekingern in Balm bei Messen einen Strich durch die Rechnung gemacht. «Halb so schlimm», meint Heinrich Guldimann, «dafür geniessen wir jetzt das Schützensteak und das Feierabendbier.» Schützenkönig wurde Martin Tremp vom Schützenverein Lyss-Grossaffoltern mit dem Maximum von 50 Punkten und einem 100er Tiefschuss.