Sexismus-Debatte

Yvonne Feri: «Ich werde als frigide und Emanze beschimpft, die schlecht aussieht»

Yvonne Feri spricht über Sexismus aus der Bevölkerung, vonseiten Politikern und Journalisten.

Yvonne Feri spricht über Sexismus aus der Bevölkerung, vonseiten Politikern und Journalisten.

Als ob es die Gleichstellung nie gegeben hätte – Sexismus im Bundeshaus ist keine Seltenheit. Durch Sexist Donald Trump aus der Deckung gelockt, brechen Politikerinnen ihr Schweigen. Allen voran Nationalrätin Yvonne Feri (SP/AG).

Der Wahlkampf in den USA wirkt als Katalysator in der Schweiz. Politikerinnen brechen ihr schweigen – und reden über Sexismus, der ihnen widerfährt.

Besonders ausführlich wird die Aargauer SP-Nationalrätin Yvonne Feri aus Wettingen im SonntagsBlick zitiert. Über den Wahlkampf für den Regierungsrat sagt sie: "Ich werde als frigide und Emanze beschimpft, die schlecht aussieht." Es sind Sätze, welche die Geschäftsleiterin der Stiftung für Freiheit und Menschenrechte wüten machen. Doch was soll man angesicht von Sätzen wie "Bitte tragen Sie auch eine Burka, dann können wir uns Ihr Antlitz ersparen" antworten?

Doch nicht nur aus der Bevölkerung ist Anmache keine Seltenheit. Feri erzählt die Geschichte, wie sie vor Jahren bei einem Essen unter Politikern zweier Aargauer Nachbargemeinden von einem Kollegen plötzlich und ungefragt geküsst worden sei.

Journalist: "Ich will mit dir ins Bett"

Im Bundeshaus, so Feri weiter, werde sie zuweilen sogar von Politik-Journalisten angemacht: Ohnehin kämen «ab und zu» von Journalisten anzügliche Bemerkungen, sagt Nationalrätin Feri. «Einer sagte aus heiterem Himmel: ‹Ich will mit dir ins Bett, willst du nicht auch?›.» In fünf Jahren habe sie drei solcher Angebote von Medienleuten erhalten. Sogar in der Wandelhalle, sagt sie zu SonntagsBlick.

Was Gleichstellung und Feminismus betreffe, sei die Schweiz «ein Entwicklungsland», so die Zürcher SP-Nationalrätin Min Li Marti (42). Seit Dezember 2015 sitzt sie im Nationalrat. «Als Politikerin kannst du es nie recht machen», sagt Marti im SonntagsBlick. «Du bist zu laut, zu leise, zu kühl, zu emotional.» Rasch heisse es, einer Frau fehle das Selbstbewusstsein. «Ist sie aber ehrgeizig, gilt sie als blöde Kuh, als ‹bitch›.»

Markwalder: "Die Hemmschwelle ist tief"

Die derzeit höchste Schweizerin erlebt «sexistische Aussagen auf tiefstem Niveau», sagt Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (FDP/41). «Die Hemmschwelle, Frauen zu beschimpfen ist tief.» 

Christa Markwalder: "Die Hemmschwelle ist tief"

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Claudine Esseiva (FDP/38): "Mühsamer ist unterschwelliger Sexismus." Auf Ausflügen und Apéros habe sie Anvancen von angetrunkenen National- und Ständeräten über sich ergehen lassen müssen. Sie sei mit 27 Jahren in die Politik gekommen. Um das alles auszuhalten, habe es Selbstbewusstsein gebraucht. Geholfen hätten ihr aber auch Männer. Esseiva: "Es gibt viele Männer, die das nicht okay finden."

Dummheit aber, so drückt sich Natali Rickli (39/SVP) aus, sei nicht strafbar.

Natali Rickli: "Dumme Sprüche soll man kontern"

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