Fehlendes Engagement müssen sich die Zuger Politikerinnen wirklich nicht vorwerfen lassen: Bei den Nationalratswahlen 2015 betrug der Anteil der Frauenkandidaturen im Kanton Zug stolze 40 Prozent, ein schweizweiter Spitzenwert. Und auch bei den beiden vorangegangenen Wahlen bewarben sich jeweils mehr Frauen für einen Sitz in der grossen Kammer als in den meisten anderen Kantonen. Reüssiert hat jedoch keine einzige der Kandidatinnen.

Seit bald 50 Jahren können Frauen in der Schweiz wählen, abstimmen und für politische Ämter kandidieren. Auch im Kanton Zug. Doch der Zentralschweizer Stand hat noch nie eine Frau nach Bern entsandt. Seine fünfköpfige Bundeshaus-Deputation war und ist rein männlich. Zwei Ständeräte und drei Nationalräte vertreten die Zugerinnen und Zuger – das scheint unverrückbar.

Zug hält damit einen Negativrekord: Der Kanton ist der grösste und der einzige mit Proporzwahl, für den bis heute keine Politikerin im Bundesparlament politisiert hat. Das zeigt eine Auswertung dieser Zeitung, basierend auf Daten des Bundesamts für Statistik und der Kantone. Ebenfalls bei null liegt der Frauenanteil in den Halbkantonen Appenzell Innerrhoden und Obwalden mit jeweils einem Sitz in beiden Kammern sowie in Glarus mit zwei Sitzen im Ständerat und einem im Nationalrat. Wobei die Bevölkerung dieser drei Kantone zusammengerechnet noch immer kleiner ist als jene von Zug.

Temporär ohne Politikerinnen

Die restlichen 22 Kantone waren seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahr 1971 zumindest vorübergehend mit Politikerinnen in Bern vertreten. Derzeit gesellen sich zu den vier Kantonen mit dauerhafter Männervertretung vier weitere Kantone, deren Bundeshausabordnung temporär keine Frauen angehören: Appenzell Ausserrhoden, Neuenburg, Nidwalden und Uri.

Der Frauenanteil im Nationalrat beträgt aktuell 33 Prozent, im Jahr 2015 markierte die Wahl von 64 Politikerinnen einen neuen Höchstwert. Nur ein Kanton stellt in der grossen Kammer eine Frauenmehrheit: Fünf von sieben der Baselbieter Sitze sind in weiblicher Hand. Im Ständerat gibt es – vom Halbkanton Basel-Stadt mit seiner Ständerätin Anita Fetz (SP) abgesehen – keine Kantone mit reiner Frauendelegation. Der Ständerätinnen-Anteil ist mit 15,2 Prozent fast schon vernachlässigbar tief. Nebst den vier Kantonen, die bislang gar keine Parlamentarierin gestellt haben, gab es in acht weiteren noch nie eine Vertreterin in der kleinen Kammer. Und Nidwalden verfügte mit Marianne Slongo (CVP) zwar über eine Ständerätin, aber bis zur jetzigen Stunde über keine Nationalrätin.

Drei Kantone in der Spitzenposition

Am 20. Oktober bestimmen die Stimmbürger, wer in der Schweiz künftig das Sagen hat. Die ausgewogene Vertretung der Geschlechter wird im Wahlkampf eines der dominierenden Themen sein. Die überparteiliche Bewegung «Helvetia ruft» verlangt, dass mehr Kandidatinnen aufgestellt werden. Und sogar der Bundesrat konstatiert besorgt: «Bei den Wahlen besteht ein offensichtlicher Nachholbedarf.» Dieser Ansicht ist auch der Politologe Werner Seitz. Beim Bundesamt für Statistik analysierte er jahrzehntelang die Repräsentation der Frauen in der Politik. Abgeflaut sei der Schwung, «mit dem die Frauen vor allem in den Neunzigerjahren Einsitz in den politischen Institutionen nahmen», resümiert Seitz in einer Studie zu den Wahlen 2015. Darin verweist er darauf, dass die Frauenvertretung in der Westschweiz und im Tessin seit Jahrzehnten tiefer ist als in der Deutschschweiz.

Tatsächlich liegen hier nicht nur die Kantone ohne Parlamentarierinnen, sondern auch ihre Antipoden: Luzern, St. Gallen und Zürich schickten seit 1971 stets mindestens eine Frau nach Bern. Sie zählen überdies zu den Kantonen, in denen über den ganzen Zeitraum gesehen prozentual am meisten Politikerinnen gewählt worden sind. Betrachtet man nur den Ständerat, sind Genf und Zürich führend. Die Kantone schickten seit 1971 je fünf Frauen in die prestigeträchtige Kammer, in beiden waren sogar zeitweise beide Sitze weiblich besetzt. Eine solche Konstellation gab es bloss noch im Aargau: Zwischen 2011 und 2015 vertraten ihn Christine Egerszegi (FDP) und Pascale Bruderer (SP) gemeinsam im Stöckli.

Und im Kanton Zug? Die Chancen sind intakt, dass im Herbst erstmals eine Zugerin ins Bundeshaus einzieht. FDP-Nationalrat Bruno Pezzatti tritt nicht mehr an. Dass der Freisinn seinen Sitz verteidigt, ist ebenso denkbar wie ein Zugewinn der Grün-Alternativen. In beiden Parteien zählen Politikerinnen zum engeren Kandidatenfeld.