Der Bundesrat hat am Freitag die Vernehmlassung zu einer Änderung des Transplantationsgesetzes eröffnet. Heute gilt in der Schweiz die Zustimmungslösung: Eine Organspende kommt nur dann infrage, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Spende zugestimmt hat. Liegt keine Willensäusserung vor, müssen die Angehörigen entscheiden.

Die Folge davon ist, dass es in der Schweiz zu wenige Spenderorgane gibt. Vergangenes Jahr sind 68 Personen auf der Warteliste für ein Spenderorgan gestorben, ohne ein Organ erhalten zu haben. Die Initiative "Organspende fördern - Leben retten" verlangt, dass jede Person Organspender wird, die sich nicht zu Lebzeiten dagegen ausgesprochen hat. Die Zustimmung zur Organentnahme wird vermutet.

Der Bundesrat schlägt stattdessen eine erweiterte Widerspruchslösung vor. Wer nach seinem Tod seine Organe nicht spenden will, soll dies explizit festhalten müssen. Dazu wird ein Register geschaffen, in dem ein Widerspruch einfach eingetragen werden kann.

Der Bundesrat will aber auch die Angehörigen einbeziehen. Findet sich kein dokumentierter Wille, werden wie bisher die Angehörigen befragt. Sie könnten einer Entnahme von Organen widersprechen, wenn dies dem mutmasslichen Willen der verstorbenen Person entspricht. Diese Lösung habe in vielen europäischen Ländern dazu beigetragen, die Versorgung mit Spendeorganen zu verbessern, schreibt der Bundesrat in einer Mitteilung.

Die Voraussetzungen für eine Spende würden auch mit einem Systemwechsel gleich bleiben wie heute: Organe spenden können nur Personen, die im Spital einen Hirntod infolge Hirnschädigung oder Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden. Verstirbt jemand ausserhalb des Spitals, ist eine Organspende nicht möglich.

Hinter der Organspende-Initiative steht die Jeune Chambre Internationale (JCI), eine weltweite Vereinigung von Menschen im Alter von 18 bis 40 Jahren mit über 200'000 Mitgliedern. Die Initiative wurde 2017 lanciert. Sie wird unter anderen von der Nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation Swisstransplant unterstützt.