Neue Regel

Wer nicht genug Deutsch spricht, muss in Chur ein Jahr früher in den Unterricht

In Chur muss neu zur Frühförderung, wer vor dem Start des Kindergartens nicht gut genug Deutsch kann.

In Chur muss neu zur Frühförderung, wer vor dem Start des Kindergartens nicht gut genug Deutsch kann.

Die Hauptstadt des Kantons Graubünden macht sprachliche Frühförderung vor dem Kindergarten obligatorisch. Anders die Stadt Bern: Hier bleibt die Förderung von Kleinkindern freiwillig.

Können Kleinkinder nicht genug Deutsch, um künftig im Kindergarten mithalten zu können, müssen sie in Chur neu im Jahr vor dem Kindergarten bereits in den obligatorischen Deutschunterricht.

Diesen letztes Jahr vom Stadtparlament gefällte Entscheid setzt Churs Stadtregierung nun um, wie sie am Donnerstag mitteilt. Zugleich soll laut Mitteilung auch den Eltern ein «Bildungsangebot» gemacht werden.

15 Prozent der Betroffenen lehnen Angebot ab

Familien mit «mutmasslichem fremdsprachlichem Hintergrund» erhalten laut der Stadt Chur künftig ein in 13 Sprachen übersetztes Formular, mit welchem die Behörden abklären, ob das Kind ausreichend Deutsch kann. Wer durchfällt, muss seine Kinder ab diesem Jahr neu in das Programm «Deutsch für die Schule» schicken.

Dort bestünden Kontakte mit deutschsprachigen Kindern, ausserdem gebe es eine professionelle Betreuung, so die Behörden in ihrer Mitteilung weiter. Schon heute nähmen 85 Prozent der Familien, denen eine Teilnahme empfohlen wurde, auch tatsächlich teil. Die restlichen 15 Prozent haben ab diesem Jahr nun keine Wahl mehr. Die Stadt Chur beteiligt sich an den Kosten der Sprachförderung.

Die Stadt Bern sieht von Förderzwang ab

Auch in der Stadt Bern soll es ab diesem Jahr ein ähnliches Programm geben. Allerdings ist dieses freiwillig, teilt die Bildungsdirektion am Donnerstag mit. Wie in Chur können die Eltern die Fähigkeiten ihres Kindes auch in Bern neu mit einem mehrsprachigen Fragebogen selbst einschätzen. Daraufhin könnten sie sich in den Quartiertreffs für das Frühförderprogramm selber anmelden.

Ähnliche Angebote gibt es auch bereits in Zürich, wo ein Obligatorium diskutiert wird. Für die Zwangslösung wie Chur entschieden hat sich bereits Basel-Stadt: Kinder, die kaum oder kein Deutsch sprechen, müssen am Rheinknie ebenfalls bereits im Jahr vor dem Kindergarten eine Spielgruppe oder eine andere deutschsprachige Institution besuchen. (wap)

Meistgesehen

Artboard 1