Schnee
Weisse Weihnacht in den Bergen – die Wintersportler freuts

Frau Holle sei Dank: Sie lässt Herzen der Wintersportler höher schlagen, verursacht aber eine hohe Lawinengefahr.

Daniel Fuchs
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Winterimpressionen vom Gemsstock
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Winterimpressionen vom Gemsstock

Winterimpressionen vom Gemsstock

Carlo Danioth

Etwas atemlos klingt Carlo Danioths Stimme, als er auf dem Gemsstock den Anruf entgegennimmt. «Da liegt eine Menge Schnee», sagt der Pisten- und Rettungschef über das Bild, das ihm die Berghänge rund um Andermatt bieten.

Während das Flachland wohl auf weisse Weihnachten verzichten muss, versinken die höheren Lagen am nördlichen Alpenkamm förmlich im Schnee. Vielerorts liegt überdurchschnittlich viel davon (vgl. Grafik unten links). Die Lawinengefahr erreichte gestern in weiten Gebieten denn auch die zweithöchste Gefahrenstufe, und so hatten am gestrigen Morgen viele der Pistenchefs alle Hände voll zu tun. Auch Danioth und sein Team. Die Pisten am Gemsstock mussten vor Lawinen gesichert werden. «Zum Teil waren es recht grosse Schneebretter, die wir auslösten», beschreibt der Andermatter seinen gestrigen Vormittag. Mehr als die Hälfte der Sprengungen hätten gefruchtet und Lawinenniedergänge ausgelöst.

Viel, aber nicht rekordmässig

Sind die starken Schneefälle der vergangenen Woche aussergewöhnlich? Kurt Winkler vom Schweizerischen Lawinenforschungsinstitut (SLF) bleibt unbeeindruckt: «Es war viel Schnee, der im Westen und dann im Norden gefallen ist. Rekordmässig ist das aber nicht.» Aussergewöhnlich an diesem Winter sei einzig, dass der Schnee erst spät kam. Es habe sich ein schneller Wechsel «von gar keinem Winter zu einem zünftigen Winter» vollzogen, fasst Winkler zusammen.

Auffällig sind derzeit die vielen Gleitschneelawinen - Lawinen also, bei denen die gesamte Schneedecke auf dem steilen Gras abrutscht. Insbesondere Südhänge unterhalb 2200 Meter sind davon betroffen. So auch die Hänge im Obergoms, das gestern noch vom Rest des Wallis abgeschnitten war und erst ab heute wieder erreichbar sein dürfte. Das verwundert nicht, liegt doch dort besonders viel Schnee.

Der Zeitpunkt, zu dem eine Gleitschneelawine abgeht, ist gemäss Lawinenforscher Winkler zufällig. Man könne sie nicht mit Schneebrettern vergleichen, die oft durch einen äusseren Einfluss - etwa einen Variantenfahrer - ausgelöst werden.

Es lauert der weisse Tod

Trotz der Gefahr, die gestern in weiten Teilen der Berge bestand, passierte wenig: In Crans-Montana hat ein Schneebrett eine Piste überspült - ohne jemanden mitgerissen zu haben. Kurt Winkler weiss zudem von einer Person, die im Engadin verschüttet worden sei. Ihr Begleiter habe sie leicht verletzt bergen können.

Warum ausgerechnet im Engadin, wo es doch gar nicht so stark geschneit hat? Wenig Schnee bedeute nicht minder Gefahr, antwortet Winkler. Im Engadin herrsche derzeit eine erhebliche Lawinengefahr. Wintersportler könnten dort leicht Lawinen auslösen.

Allgemein verheissen die grossen Schneefälle aber Gutes für die Wintersportorte, Skitourengänger und Variantenfahrer. «Dort, wo sehr viel Schnee gefallen ist, besteht zwar auch an Heiligabend noch eine erhebliche Gefahr, aber sie wird danach schneller abnehmen als in den anderen Gebieten», erklärt Winkler. Trotzdem: Die Beachtung des Lawinenbulletins bleibt ein Muss. Die Lawinenforscher prognostizieren für heute: «Verbreitet erhebliche Lawinengefahr».

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