Bergrettung

Wegen vermisstem Speedflyer: Schweizer wollen private «Drohnen-Rega» gründen

Auf der Suche nach dem vermissten Speedflyer im Lauterbrunnental, lässt ein Freiwilliger eine Drohne steigen (Aufnahme von vergangener Woche).

Auf der Suche nach dem vermissten Speedflyer im Lauterbrunnental, lässt ein Freiwilliger eine Drohne steigen (Aufnahme von vergangener Woche).

Die Suche nach einem vermissten Speedflyer im Berner Lauterbrunnental schweisste sie zusammen, nun wollen ein paar Freiwillige einen privaten Rettungstrupp auf die Beine stellen. Und mit ihren Drohnen das Schweizer Rettungswesen revolutionieren.

Ein Notruf hat sie zusammengebracht. Vor zwei Wochen verschwand im Berner Lauterbrunnental ein amerikanischer Extremsportler beim sogenannten Speedflying. Die Suche durch die Rettungskräfte blieb erfolglos.

Verzweifelt wandte sich die Familie des verschwundenen Mannes an freiwillige Helfer, um die Suche wiederzubeleben. Mehr als ein Dutzend Drohnenpiloten fanden daraufhin in Lauterbrunnen zusammen. Mit ihren Fluggeräten sammelten sie Bild- und Videomaterial, auf dem sie hofften, Spuren des Vermissten zu finden.

Bazl hat wenige Einwände

Auch die privat organisierte Suche blieb erfolglos. Den Helfern aber kam eine Idee: 15 von ihnen entschieden, einen Freiwilligentrupp zu gründen und Drohnenflüge zu Such- und Rettungszwecken anzubieten. Ein Angebot, das es in der Schweiz noch nicht gibt und das auch im Ausland erst im Entstehen begriffen ist.

Teuer: Der Helikopterflug über das Gebiet, in dem die Familie Harrison Fast zu hofft.

Teuer: Der Helikopterflug über das Gebiet, in dem die Familie Harrison Fast zu hofft. (31. März 2016)

Wie der Sprecher der Gruppe, Mathias Häcki der «Nordwestschweiz» sagt, will die Gruppe in einem Monat mit einer Website und dem Angebot online gehen. Häcki, der professionell Drohnen für Filmaufnahmen steigen lässt, sieht nur Vorteile: «Mit Drohnen kann man ein Gebiet aus der Luft fotografisch dokumentieren und so, nebst der Live-Sichtung, weiteren Helfern das Material zur Analyse übergeben. Ein Gebiet kann so genau, aber günstiger als mit einem Helikopter abgesucht werden.»

Grundsätzlich mit solchen Einsätzen einverstanden ist man bei der zivilen Luftfahrtbehörde des Bundes, dem Bazl. Der Sprecher, Urs Holderegger, nennt trotzdem Einschränkungen: «Solche Such- und Rettungsaktionen müssten unbedingt mit den Rettungskräften koordiniert sein. Ein Rega-Pilot muss zum Beispiel wissen, wenn eine Drohne im Einsatz steht.»

Drohnenpiloten benötigen ausserdem eine spezielle Bewilligung, wenn sie ihr Fluggerät ausser Sichtweite fliegen. Das ist etwa dann der Fall, wenn sie eine Drohne tief in eine Schlucht absteigen lassen wollen und den direkten Sichtkontakt zur Drohne verlieren. Voraussetzung für die Bewilligung ist, dass weder Menschen am Boden noch die Luftfahrt gefährdet werden. Holderegger empfiehlt den freiwilligen Rettern, sich frühzeitig mit einem Konzept ans Bazl zu wenden. «Dies, damit Gesuche um Sonderbewilligungen, die zum Beispiel fürs Fliegen ohne direkten Sichtkontakt notwendig sind, frühzeitig geprüft werden können.»

Drohnenpilot Häcki gibt sich zurückhaltend. «Das Bazl haben wir noch nicht kontaktiert und solange wir unsere Flüge im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben durchführen, ist das auch nicht notwendig», sagt er.

Noch keine Drohnen bei der Rega

Häcki sieht seine Organisation nicht als Konkurrenz zur Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega. Seinen Freiwilligentrupp sieht er als Ergänzung zu den offiziellen Rettungsorganen.

Bei der Rega sieht man das gleich. Zwar stehen bei ihr aktuell keine Drohnen im Einsatz. Kurzfristig sind sie auch kein Thema. Der Rega-Sprecher Adrian Schindler aber sagt: «Wir sind überzeugt, dass Drohnen künftig bei der Suche und Rettung zum Einsatz kommen.» Schindler nennt dieses Beispiel eines Einsatzes: Mit einem Lawinenverschüttetensuchgerät ausgerüstet, könnten Drohnen im Gegensatz zu einem bemannten Helikopter auch bei Nebel über einen Lawinenkegel fliegen und diesen nach Verschütteten absuchen.

Meistgesehen

Artboard 1