Corona-Massnahmen
Was ist jetzt noch erlaubt und was verboten? 13 Fragen und Antworten zum sanften Lockdown des Bundesrates

Restaurants müssen schliessen, auf Kino- und Museumsbesuche müssen wir verzichten, dafür dürfen Bäckereien am Sonntag wieder Gipfeli verkaufen: Eine Übersicht über die neuen Regeln, die ab Dienstag gelten.

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Es ist ausgetafelt: Restaurants müssen für mindestens einen Monat schliessen.

Es ist ausgetafelt: Restaurants müssen für mindestens einen Monat schliessen.

Keystone

Es war ein eindringlicher Appell wie im Frühjahr: «Jetzt brauchen wir die ganze Schweiz», schwor Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga das Land auf neue Coronaregeln ein. Nach langem Zögern hat der Bundesrat den Steuerknüppel wieder definitiv an sich gerissen. Und auch der Haussegen zwischen Bund und Kantonen scheint nach einem Kompetenzgerangel wiederhergestellt. Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren begrüsste die Verschärfung der nationalen Massnahmen als «unumgänglich». Die Regeln treten am Dienstag in Kraft und gelten mindestens bis am 22. Januar.

Die Frage, die in den letzten Tagen das ganze Land beschäftigte, hat der Bundesrat mit «Ja» beantwortet: Die Restaurants werden vorläufig geschlossen. Bis anhin durften sie zumindest noch bis 19 Uhr Gäste bewirten. 13 Fragen und Antworten zu den neuen Coronaregeln:

1. Welche Betriebe müssen neben den Restaurants auch noch schliessen?

Sport- und Wellnessbetriebe. Damit bleiben etwa Fitnesszentren, Kunsteisbahnen oder Schwimmbäder geschlossen. Alle Einzel- und Gruppentrainings in den entsprechenden Innenräumen sind nicht gestattet. Ausnahmen gibt es für den Reitsport und Skigebiete. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre dürfen Sportanlagen wie Eis- oder Skaterhallen nutzen. Dicht machen müssen auch Kultur-, Freizeit- und Unterhaltungsbetriebe. Der Besuch von Museen, Galerien, Zoos, Bibliotheken, Casinos und ähnlichem fällt damit der eidgenössischen Virenbekämpfung zum Opfer.

2. Stimmt es, dass die Läden über Weihnachten drei Tage zu sind?

Ja. Der 25. und 26. Dezember sind Feiertage, der 27. ein Sonntag. Gemäss der Verordnung müssen alle Läden geschlossen bleiben. Offen bleiben Apotheken und natürlich Gesundheitseinrichtungen. Auch die Autovermietung bleibt möglich.

3. Gibt das nicht ein Gedränge in den Läden?

Die Läden selber werden nicht übervoll sein: Der Bundesrat hat die Kapazitätsbegrenzungen verschärft, es dürfen also weniger Personen gleichzeitig in den Geschäften sein. Anders könnte es vor den Läden aussehen: Michael Gerber vom Bundesamt für Gesundheit sagte, Warteschlangen liessen sich nicht vermeiden. Der Detailhändler Coop teilt auf Anfrage mit, er öffne ab Montag wo immer möglich seine Supermärkte ab 7 Uhr, damit sich die Kunden besser über den Tag verteilen. Coop und Migros raten dazu, schwach frequentierte Zeiten für die Einkäufe zu nutzen und in der Weihnachtswoche zu Wochenbeginn einzukaufen.

4. Haben die Bäckereien an Sonn- und Feiertagen offen?

Ja. Es wird möglich sein, sich über die Festtage mit frischen Gipfeli zu versorgen. Die Bäckereien dürfen offen halten, sofern sie zwei Drittel ihres Umsatzes mit Backwaren und Confiserie erwirtschaften. Dazugehörige Cafés und Tearooms bleiben zu. Aber Achtung: Die Regel tritt erst am 22. Dezember in Kraft – sie gilt diesen Sonntag also noch nicht. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» könnte man die Regel für Bäckereien «Lex Köppel» nennen. Der Zürcher SVP-Nationalrat hatte sich in einem Tweet beklagt, dass der Bundesrat Bäckereien noch letzte Woche den Sonntagsverkauf verbot: «Nicht mal ein schönes Familienfrühstück mit frischem Brot gönnen sie uns.»

5. Was ist mit Kiosks, Hofläden und Tankstellenshops?

Sie bleiben am 25./26. Dezember, 1. Januar sowie an Sonntagen geschlossen. Wer beim Bauernladen Eier, Fleisch und Gemüse kaufen will, muss dies unter der Woche tun – auch bei Selbstbedienung. Sonntags bleiben auch Läden an Flughafen und Bahnhöfen geschlossen. Tankstellen dürfen an Sonn- und Feiertagen und zwischen 19 und 6 Uhr nur Treibstoff verkaufen. Am Sonntag rasch das Nötigste im Tankstellenshop besorgen, ist nicht möglich.

6. Welchen Sport darf man noch betreiben?

Skifahren, sofern die Kantone die Anlagen nicht schliessen. Einzelsportarten in der freien Natur wie Joggen, Langlaufen oder Velofahren bleiben zulässig. Auch Gruppentrainings mit Sportarten ohne Körperkontakt mit maximal fünf Personen sind im Freien erlaubt. Kann der erforderliche Abstand nicht eingehalten werden, muss eine Maske getragen werden. Benutzt werden dürfen Fitnessräume in Hotels, sofern sie nur für Hotelgäste zugänglich sind.

7. Müssen auch Hotelrestaurants und Takeaways schliessen?

Nein. Restaurant- und Barbetriebe, die nur ihre Hotelgäste bewirten, dürfen dies unter strikten Regeln weiterhin tun. So dürfen an einem Tisch nur vier Personen sitzen. Für Eltern mit Kindern gilt diese Regel nicht. Takeaway-Stände und Lieferdienste dürfen weiterhin Mahlzeiten anbieten. Auch in Betriebskantinen darf sich das Personal verköstigen. Mensen an obligatorischen Schulen bleiben offen für Lehrer, Schüler und Angestellte der Schule.

8. Der Bundesrat empfiehlt wieder: «Bleiben Sie zuhause». Was heisst das für Weihnachten?

Die «dringliche Empfehlung», zuhause zu bleiben, relativierte der Bundesrat vor den Medien ein Stück weit. Die Devise sei ziemlich einfach, sagte Bundesrat Alain Berset: «Die Kontakte wo möglich reduzieren, aber nicht ganz stoppen.» Der Bundesrat rät also nicht von Weihnachtsfeiern im erweiterten familiären Kreis ab. Weiterhin gilt aber, dass sich privat maximal zehn Personen treffen dürfen. Der Bund empfiehlt zudem, Treffen und Feste auf zwei Haushalte zu beschränken.

Das Weihnachtsessen muss dieses Jahr in kleinem Rahmen stattfinden.

Das Weihnachtsessen muss dieses Jahr in kleinem Rahmen stattfinden.

Getty Images

9. Wie darf man in der Kirche Weihnachten feiern?

Seit Ende Oktober dürfen gemäss Vorgabe des Bundes höchstens 50 Personen an einem Gottesdienst teilnehmen. Das gilt auch für grosse Kirchen. Für Weihnachten gibt es keine Ausnahme von dieser Regel. Gemeinsames Singen ist in der Kirche verboten. Im Familienkreis darf «Stille Nacht» aber angestimmt werden.

10. Warum ergreift der Bundesrat diese Massnahmen?

Seit Anfang Dezember sinken die Infektionszahlen nicht mehr, sondern steigen an – und das auf einem bereits hohen Niveau, wie Bundesrat Alain Berset betonte. Die Schweiz habe auf 100'000 Personen heruntergerechnet drei Mal mehr Fälle als Spanien. «Die Spitäler sind seit Wochen praktisch ausgelastet, das Personal ist seit Monaten stark belastet», sagte Berset. Dass Läden offen bleiben, Restaurants aber schliessen, erklärt der Bundesrat mit den Erfahrungen der Westschweiz: Diese konnte mit Restaurantschliessungen die Fallzahlen deutlich reduzieren. Genf machte zusätzlich die Läden dicht – was laut Berset aber keinen grossen Unterschied machte.

11. Blühen uns weitere Verschärfungen?

Das hängt von der weiteren Entwicklung ab. Sollte sich die Lage nicht spürbar verbessern, werde es Anfang Jahr neue Massnahmen geben, kündigte Sommaruga an. Der Bundesrat hat zwei zusätzliche Sitzungen angesetzt: Am 30. Dezember will er eine Zwischenbeurteilung vornehmen, Anfang Jahr Bilanz ziehen. Er verzichtet aber auf ein Ampelsystem mit Eskalationsstufen, das definieren würde, wann welche Verschärfungen in Kraft treten. Absehbar ist, welche zusätzlichen Massnahmen der Bundesrat ergreifen könnte: Insbesondere könnten Geschäfte, die keine Lebensmittel verkaufen, wie beim Lockdown im Frühling geschlossen werden.

12. Gibt es für manche Kantone Ausnahmen?

Ja, allerdings wohl nicht mehr lange. Kantone mit guter epidemiologischer Lage dürfen Restaurants, Museen, Fitnesszentren und weitere Betriebe öffnen. Restaurants dürfen bis um 23 Uhr offenbleiben, an Silvester sogar bis 1 Uhr. Voraussetzung ist, dass die Fallzahlen tiefer sind als im Schweizer Durchschnitt und die Ansteckungen zurückgehen, die Reproduktionszahl also unter 1 ist. Ab 5. Januar werden diese Kriterien nochmals verschärft. Bisher erfüllen die Westschweiz sowie Obwalden diese Bedingungen. Berset liess allerdings durchblicken, dass dies nicht mehr lange der Fall sein dürfte.

13. Erhalten Restaurants und andere betroffene Betriebe eine Entschädigung?

Der Bundesrat hat gestern kein neues Hilfspaket vorgestellt, sondern nur einige Retuschen an den bestehenden Instrumenten vorgenommen. Das Härtefallprogramm hat er bereits letzte Woche auf 2,5 Milliarden Franken aufgestockt. Weitere finanzielle Unterstützung ist möglich: Der Bundesrat wolle ein weiteres Hilfspaket zusammen mit den Kantonen prüfen, kündigte Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an. Eckwerte seien im Januar zu erwarten. Der Branchenverband Gastrosuisse kritisierte den Entscheid: «Für viele wird die Hilfe zu spät kommen.»