Landammann

Wandern ist des Fischers Lust

Aus nationaler Sicht macht der Kanton Solothurn drei Prozent der Schweiz aus. Bei der Anzahl Grenzkilometer führt der Kanton der Regionen jedoch die Rangliste an. Diese Grenzen soll die Bevölkerung nun erkunden und überwinden, meint Landammann Klaus Fischer.

Bea Asper

«Wenn ich morgens mein Haus in Hofstetten verlasse und nach Solothurn fahre, reise ich in eine andere Welt», so Regierungsrat Klaus Fischer. Die Kulturunterschiede im Kanton seien nicht von der Hand zu weisen. «Doch diese Vielfalt ist eine Chance und wir sollten sie nutzen», sagte sich Fischer und beschloss, zusammen mit der Bevölkerung auf Grenzwanderschaft zu gehen.

Die erste Etappe der Tour führt durch Fischers Wohnregion - das hintere Leimental. Dass die Solothurner ihren Kanton zu wenig kennen, macht sich beim Treffpunkt bemerkbar. Per Handy vermelden Teilnehmer der Wanderung, sie würden nicht aus dem Baselbiet heraus nach Hofstetten finden. Beim nächsten Mal werden die Schwarzbuben auf die Probe gestellt werden, dann lädt Fischer ein, den Bucheggberg zu erkunden. Reiseleiterin Maja Schneiter schaut unruhig auf die Uhr. Einen verspäteten Abmarsch kann sich die bunt gemischte Wanderschar nicht leisten, der Zeitplan ist gedrängt, in wenigen Stunden sollen fünf Gemeinden (sieben Dörfer) durchquert werden.

Ohne Traktandenlsite, aber Politik

Im Vordergrund steht die Begegnung und das Gespräch - frei von einer Traktandenliste. «Auf diesen Wanderungen erhält die Bevölkerung nicht nur Gelegenheit zum Gespräch mit Landammann Klaus Fischer, sondern auch die Möglichkeit, in «angewandten Geografie- und Geschichtsstunden» die kulturelle und geografische Vielfalt und Schönheit der jeweiligen Region kennen zu lernen», schwärmt Generalsekretär Adriano Vella, der einräumt, dass auch er viel Neues entdecken werde. Das Bildungsdepartement erscheint zahlreich, dabei erweist sich Volksschulchef Andreas Walter als guter Kenner des Schwarzbubenlandes - nicht nur von seinen Arbeitsbesuchen bei Gemeinden, die sich gegen Strukturänderungen wehren, sondern aus seiner Kindheit - als Pfadfinder

...bleibt nicht ganz auf der Strecke

An diesem Sonntag wird zwar kaum politisiert. Doch scheut das Solothurner Bildungsdepartement das Thema Harmos (Harmonisierung der obligatorischen Schule) nicht. Während es dafür im Kanton Aargau demnächst an der Urne einen Dämpfer geben könnte und im Baselbiet manche Lehrkräfte gegen die Verkürzung der Oberstufe von vier auf drei Jahre Sturm laufen, zeigt sich Fischer mit der Entwicklung im eigenen Kanton zufrieden. Hier werde lediglich um ein paar Details gerungen, etwa darum, ob die Einführung von Frühfranzösisch um zwei Jahre aufgeschoben wird. Was die Basisstufe anbelangt, so kann diese im Kanton Solothurn offenbar nicht früh genug kommen. «Rund 20 Gemeinden bitten darum, auf das kommende Schuljahr die Basisstufe einführen zu dürfen», hält Fischer fest. Vor allem kleinere Gemeinden wollen mit der Basisstufe ihre Dorfschule retten. Weil jedoch noch die Rechtsgrundlage fehlt, hat der Regierungsrat die Gesuche bisher nicht bewilligt. Wie Fischer durchblicken lässt, sucht man aber eine Übergangslösung.

Getreue Untertanen von Solothurn

Die Wanderschar erreicht einer der höchsten Punkte des Leimentals und blickt Richtung Elsass, Basel und Deutschland. Fischer erzählt, dass Hofstetten in Solothurn ein guter Steuerzahler ist und dieses Geld mehrheitlich ausserhalb des Kantons - auf dem Basler Chemie- und Finanzplatz - erwirtschaftet wird.

Historisch betrachtet, so ergänzt der Hofstetter Geschichtskenner Johann Brunner, hatten die Solothurner im 15. und 16. Jahrhundert den Weitblick, dass aus den Äckern später Perlen werden. Jedenfalls besetzten sie die französische Burg Landskrone und wollten das Leimental erobern. Später kauften sie für viel Geld dem Basler Adel Besitztümer ab, zum Beispiel die Burg Rotberg, die heute die erfolgreichste Jugendherberge der Schweiz ist und es im Jahr auf 11 000 Übernachtungen bringt. Lehrer und Kulturkenner Andreas Obrecht hat dabei in Erfahrung gebracht, dass die Dorfleute des hinteren Leimental nicht unglücklich waren über ihre neue Herren. «In der Reformation bezeugten sie die Absicht, künftig getreue Untertanen der Solothurner zu sein, was sie meist heute noch sind.»

Meistgesehen

Artboard 1