Solidar Suisse
Vorwurf der sexuellen Belästigung in Barbie-Fabriken: Unternehmen tut nichts, um Übergriffe zu verhindern

Eine Untersuchung von Solidar Suisse in einer Mattel-Spielzeugfabrik in China zeigt, dass sexuelle Belästigung für die Arbeiterinnen dort ein gravierendes Problem ist.

Sandra Havenith
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Eine Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten.

Eine Erfolgsgeschichte mit Schattenseiten.

Foto: Keystone

Laut der Untersuchung in der Mattel-Spielzeugfabrik in China herrscht dort eine Unternehmenskultur, in der Übergriffe und sexuelle Belästigung an der Tagesordnung sind.

Die Fabrik Dongguan Changan hat insgesamt 2300 Beschäftigte, die unter anderem die berühmte Barbie-Puppe herstellen. Üble Sprüche über das Aussehen, erniedrigende Bemerkungen, unerwünschte Berührungen oder die Verbreitung von Sexbildern: All diese Formen der sexuellen Belästigung wurden dokumentiert.

Diese Übergriffe spielten sich teilweise vor den Augen der Teamleiter ab. Doch oft griff das Management nicht ein, sondern machte selbst abschätzige Bemerkungen und sexistische Witze.

Sexuelle Belästigung bei Mattel: ein verdrängtes Problem

Bereits 2019 zeigte eine Untersuchung von Solidar Suisse, in einer anderen Mattel-Fabrik in China (Foshan Nanhai), dass sexuelle Belästigung eine grosse Belastung für die Arbeiterinnen ist. Das Management von Mattel kennt die Probleme. Auch bei einer Inspektion von zwei Produktionsstätten in Mexiko im Jahr 2004 wurde festgestellt, dass Arbeitnehmerinnen von ihren Kollegen sexuell belästigt wurden. In einer der beiden Fabriken gaben 30 Prozent der Befragten an, von Übergriffen betroffen zu sein.

«Me Too» gilt auch für Fabrikarbeiter*innen

Mattel verweist bei dem Problem gerne auf seinen Verhaltenskodex. Doch die Konzepte der Firma bleiben bisher wirkungslos, da nicht in eine ernsthaften Problemanalyse investiert wird und es für die Mitarbeiterinnen keine funktionierenden Beschwerdemechanismen gibt. (has)