Glosse

Von Donald John Trump und Johnny Infantino (und Mike Lauber)

Begnadete Sportler unter sich: Donald John Trump und Gianni «Johnny» Infantino am WEF - und erst noch sauber protokolliert.

Begnadete Sportler unter sich: Donald John Trump und Gianni «Johnny» Infantino am WEF - und erst noch sauber protokolliert.

Ein Protokoll des Weissen Hauses bringt den protokollscheuen Fifa-Chef Infantino in Erklärungsnot.

Fifa-Chef Gianni Infantino wird sich mit Wehmut an die unprotokollierten Begegnungen mit Bundesanwalt Michael Lauber erinnern. Protokolle sind bisweilen ziemlich peinlich und ziemlich entlarvend.

Wie das vom Weissen Haus dieser Tage veröffentliche Wortprotokoll, das den Auftritt des Fifa-Chefs zusammen mit Donald John Trumpf am WEF im Davos wiedergibt. Es ist zu allem Übel ein vollständiges Protokoll. Nicht eines mit Weglassungen wie jenes vom Telefongespräch, das Trump im Sommer 2019 mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski führte. Und das ihm ein Impeachment eintragen hat.

Das Trump-Infantino-Protokoll von einem Zwiegespräch vor Wirtschaftsführern beginnt mit einer Pläsanterie des Präsidenten. Er hebt an: «Vielen Dank an alle. Ein hoch geachteter Mann, und grossartiger - ehemals grossartiger Athlet, zumindest - (Gelächter) - meiner Meinung nach ist er ein grossartiger Athlet. Johnny, bitte. Leg los.»

Alle Welt weiss, dass «Johnny» Infantino ein bestenfalls drittklassiger Fussballer war.

Der kleine John legt los. Johnny sagt: «Thanks. Soll ich stehen oder sitzen?» Donald röhrt. Im Protokoll steht: «Mr. President: Woah, ich mag das. (Gelächter). (Ein Fussball wird präsentiert).»

Gianni aka Giovanni aka Johnny hat entschieden: «Ich stehe. Ich stehe. Ich stehe».

Er steht. Es folgt ein Monolog des Fifa-Chefs über das segensreiche Wirken des Fussballsports. Er kündigt an, dass mit der Fussball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko mindestens eine Million Jobs für Amerikaner geschaffen werden müssen. Dass sich Trump, der «definitiv ein Sportler» sei, von Anfang für die WM stark gemacht habe.

Als Donald John T. nach weiteren Schmeicheleinheiten gebauchpinselt wieder übernimmt, gibt’s kein Halten mehr. Er lobt den «standhaften Einsatz» von «Johnny» für den Zuschlag zugunsten der USA. «Du hast einfach nicht aufgehört. Du wolltest die WM dort, und ich wollte sie dort. Bevor ich ins Amt kam, haben wir das Ding durchgezogen.»

Hier spätestens wird sich Johnny wehmütig an die geheimen «Schweizerhof»-Treffen mit dem diskreten Bundesanwalt Mike Lauber erinnert haben. Denn Trump sagte nichts anderes, als dass der Fifa-Boss 2018 Einfluss auf die Wahl des Austragungsorts der WM 2026 nahm. Was Infantino, selbstverständlich, nicht erlaubt war und ihn, wenn’s stimmt, den Job kosten könnte.

Stimmt’s, was Donald erzählte? War der WM-Vergabeprozess von 2018 nur eine Farce?

Die Fifa, angefragt, wehrt wortreich und mit Links zu Entlastungsmaterial ab. Der Austragungsort sei von allen 211 Mitgliederverbänden der Fifa in einer «offenen und völlig transparenten öffentlichen Abstimmung» gewählt worden. Ein unabhängiger Revisor habe den Prozess verfolgt und keinerlei Unregelmässigkeiten festgestellt.

Nachfrage an die Fifa: Verbreitet Trump also «Fake News»?

Das mag die Fifa nicht dementieren. Ein Johnny-Sprecher sagt: «Fragen zu den Kommentaren des Präsidenten der Vereinigten Staaten müssen Sie an die Pressestelle des Weissen Hauses richten».

Gemacht. Die Antwort aus den USA steht allerdings aus.

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