Kirchenrat

Von der Uni auf die Kanzel

Lukas Kundert heisst der neue Pfarrer am Münster. Er wird künftig zu 50 Prozent den Gemeindedienst verrichten.

Franz Osswald

«Die grosse Zahl der Anwesenden zeigt, dass es um etwas Wichtiges geht», sagte Kirchenvorstandspräsident Rudolf Kämpfer zu Beginn der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung von gestern. Zur Wahl stand Kirchenratspräsident Lukas Kundert, der vom Kirchenvorstand als Pfarrer im Gemeindedienst (nicht als Gemeindepfarrer) zur Berufung vorgeschlagen wurde. Gegen eine Berufung anstelle einer Leistungsvereinbarung auf kantonalkirchlicher Ebene machte sich eine Gruppe von drei Kirchgemeindegliedern stark.

Bernhard Rothen ist am Münster zu 100 Prozent als Hauptpfarrer angestellt - zu 50 Prozent sollte Lukas Kundert arbeiten, bezahlt aus Schwerpunktmitteln, die der Münstergemeinde für stadtkirchliche Arbeit zur Verfügung stehen. Deshalb, erklärte Kirchenrat Bernhard Christ, sei es richtig, wenn Lukas Kundert seinen Dienst innerhalb der Münstergemeinde versehe.

Lukus Kundert selber bekräftigte, er stehe voll und ganz hinter diesem Modell. «Ich werde als ganzer Pfarrer sein», meinte er, der noch zu 50 Prozent als Kirchenratspräsident tätig sein wird. Es sei früher üblich gewesen, dass Pfarrer sowohl Führungsaufgaben und den Gemeindedienst versahen. «Das Amt des Kirchenratspräsidenten ist ein Verkündigungsamt, weshalb ich einer festen Gemeinde bedürfte. Ansonsten bin ich wie ein Helikopter, der überall hingelangt, aber nur Staub aufwirbeln kann. Ich möchte aber etwas festes bauen können.»

Die Arbeitsteilung zwischen den einzelnen Aufgaben ist laut Kundert möglich. Für Repräsentationsaufgaben sei die Anbindung ans Münster ideal. Im Kirchenrat könne er Dossiers abgeben und an der Universität werde er die Anzahl der Vorlesungen reduzieren.

In der anschliessenden Diskussion stellte Bernhard Christ den Vorschlag des Kirchenvorstandes als ausgegorene Vereinbarung vor. Die Berufung Kunderts sei deshalb sinnvoll, weil damit die Person gemeint sei, nicht sein Amt, «denn in Zukunft soll nicht jeder Kirchenratspräsident automatisch Pfarrer am Münster sein», so Christ. Interessenskonflikte sehe er keine, da umgekehrt auch Gemeindepfarrer im Kirchenrat vertreten seien.

Interessenskonflikt zu gross

Als Sprecher der «Opponenten» sprach Christian Brückner: «Wir wollen nicht etwas Gegenteiliges, sondern nur in gewissen Punkten etwas anderes, nämlich: Lukas Kundert soll seinen Dienst im kantonalkirchlichen Auftrag erledigen, nicht in der Münstergemeinde. Den Interessenskonflikt verglich Brückner mit dem Mittun einer Schwiegermutter in der Familie der eigenen Kinder - möglich, aber nicht konfliktfrei. Mit 50 Prozent sei man ausserdem nur ein halber Pfarrer.

Dann kam es zur mit Spannung erwarteten Abstimmung: Der Antrag Brückner wurde mit 189 Nein zu 65 Ja bei 11 Enthaltungen verworfen, und der Antrag des Kirchenvorstandes mit 209 Ja bei 56 Nein und 16 Enthaltungen angenommen. Somit ist Lukas Kundert der neue Pfarrer am Münster.

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