Kochbuch

Von Cholera, Beamtenfisch und anderen politischen Rezepten

Christa Markwalder tischt gerne «Beamtenfisch» auf. Christian Meyer

Christa Markwalder tischt gerne «Beamtenfisch» auf. Christian Meyer

Was unsere Politikerinnen und Politiker so alles anrichten, lässt sich im neuen Buch «Das Bundeshaus kocht» nachlesen und -kochen. Die Magistraten verraten darin ihre Lieblingsrezepte.

«Kochen wirkt entspannend und wohltuend», schwärmt die FDP-Nationalrätin Corina Eichenberger. Für die SVP-Frau Yvette Estermann ist Kochen schlicht Magie. Und auch SP-Politikerin Evi Allemann meint: «Arbeit am Herd hat schon fast etwas Meditatives.» So einig sind sich sonst unsere Politikerinnen quer durch die Parteien selten. Diese Einigkeit hat indes nichts mit einer Offensive «Frauen zurück an den Herd» zu tun, sondern ist vielmehr ihre Reflexion zum Thema Kochen im neuen Buch «Das Bundeshaus kocht» von Christian Meyer. Darin verraten aber nicht nur unsere Politikerinnen ihr Lieblingsrezept, sondern auch männliche Volksvertreter.

Eine Männerquote für den Herd

Was die 50 kochenden Politiker so alles auf dem privaten Küchentisch zusammenschnippeln, lässt interessante Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zu – und vielleicht auch auf ihre Politik. Auffallend: Von den 50 Gerichten stammen gerade mal 14 von Männern. Vielleicht müsste man das Thema Frauen- oder in diesem Fall Männerquote im Parlament nochmals auf den Tisch bringen.

Und: Ist es Zufall, dass ausschliesslich SP-Politiker in der Suppe rühren? Neben Barbara Gysi (Apfel-Curry-Suppe) und Anita Fetz (Basler Määlsuppe) bekennt sich auch der Aargauer SP-Nationalrat Max Chopard offen dazu und präsentiert im Buch eine Haferwurzelsuppe.

Und was sagt uns das Rezept von Bundesrat Ueli Maurer? Er, der eine einfache und bodenständige Küche mag und «Gschwellti und Chäs» als sein Lieblingsgericht bezeichnet, serviert im Buch einen «Energiebarren». Der passionierte Velofahrer und Langläufer braucht offensichtlich auch in seinem politischen Alltag regelmässig einen Powerschub.

Bodenständig und regional

Grundsätzlich geben sich aber unsere Volksvertreter bodenständig und grasen kulinarisch eher selten ennet der Landesgrenzen. Natürlich gibt es ein paar Abweichler, die etwas Farbe in die Bundeshausküche bringen: Yvonne Feri mit einem Szegediner Gulasch, Regula Rytz mit Tortilla oder Yvonne Gilli mit Maffé mit Couscous.

Der Grossteil aber setzt auf bekannte Rezepte und regionale Produkte. Da tauchen Klassiker auf wie Suure Mocke von Brigitte Häberli-Koller, Schnitz und Drunder von Bea Heim oder Ghackets mit Teigwaren von Alexander Tschäppät. Und auch wenn die CVP-Politikerin Viola Amherd Cholera auftischt, muss man nicht gleich vor Schreck das Weite suchen. Bei diesem gedeckten Lauch-Kartoffel-Kuchen handelt es sich nämlich um ein typisches Oberwalliser Gericht. Und wenn Christa Markwalder einen Beamtenfisch serviert, ist Misstrauen ebenso unbegründet. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um einen Saibling «en papillote», der wegen der Anwendung des «Bostitch» zum Heften des Backpapiers zu seinem Übernamen kam.

In der Regel sind die Gerichte einfach nachzukochen, wie das grillierte Hohrückensteak von Nationalrat Christoph Blocher. Er kocht übrigens nur im Notfall, was vielleicht auch besser ist. Schliesslich hat er mit seinen Kochkünsten auch schon einen Feueralarm ausgelöst, wie er im Buch zum Besten gibt.

Allerdings gibt es unter den Politikern auch kleine «Bocuse», die gut eine Zweitkarriere in einem Gourmetrestaurant anstreben könnten. So etwa Lucrezia Meier-Schatz mit grillierten Kalbsmilken mit Morchelbutter oder Christophe Darbellay, der auch mal 11 Stunden in der Küche steht, um ein Rezept von Fredy Girardet zuzubereiten.

Christian Meyer Das Bundeshaus kocht, Verlag Friedrich Reinhardt, Basel. 228 S., Fr. 38.–.

Meistgesehen

Artboard 1