Mehr als ein Drittel der Erwachsenen in der Schweiz hat schon mindestens einmal einen Joint geraucht, geschätzte 300000 tun es regelmässig. Trotzdem ist Cannabis bei uns anders als in zahlreichen US-Staaten illegal, und die zahlreichen Versuche, daran etwas zu ändern, sind samt und sonders gescheitert (siehe Box weiter unten).

Dieses Schicksal schien auch der 2016 angekündigten Volksinitiative des Vereins «Legalize it!» zu drohen: Sie kam jahrelang nicht vom Fleck, die Initianten waren überfordert. «Wir sind noch zu wenig organisiert, um ein gutes Lobbying zu betreiben», gestand ein Sprecher des Vereins im vergangenen Frühling unserer Zeitung.

Doch jetzt hat das Initiativprojekt neuen Schub erhalten. Produzenten des (legalen, da nicht berauschenden) CBD-Hanfs haben es von «Legalize it!» übernommen und zusammen mit Suchtfachleuten und Politikern einen Verein gegründet, dessen Name Programm ist: «Cannabis Consensus Schweiz».

Dieser will einen Neuanlauf auf der Grundlage eines breiten Konsenses wagen, wie Michael Mosimann von der IG Hanf bestätigt, dem Branchenverband von rund 70 CBD-Hanfbetrieben in der Schweiz. «Sicher ist: Die Initiative wird starten. Die Frage ist nur, wann», sagt er.

Suchtverbände sollen mitmachen

Mehr will Mosimann nicht verraten. Zunächst gilt es, den Initiativtext fertig zu formulieren und vor allem die wichtigen Akteure an Bord zu holen, damit spätestens im nächsten Jahr der Startschuss fallen kann. Erste Sitzungen im Bundeshaus haben bereits stattgefunden. Dem Vernehmen nach waren Vertreter fast aller Parteien dabei, darunter auch Fabio Nespolo, Präsident der Jungen SVP Graubünden.

Seine Kantonalsektion unterstütze das Projekt, sagt er und fügt bei: «Wir sind dafür, dass das Volk und nicht das Parlament über die Legalisierung entscheidet, weil es das Volk war, das vor gut zehn Jahren eine Hanf-Initiative abgelehnt hat.» Von einem «erfolgversprechenden Anlauf» spricht die Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, eine der treibenden Kräfte der 2008 abgelehnten Hanf-Initiative.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass diesmal die Suchtverbände mitmachen sollen. Sukkurs gibt es namentlich von der Westschweizer Gruppe für Suchtstudien (Grea). «Wir müssen uns endlich bewegen», sagt Generalsekretär Jean-Félix Savary unter Hinweis auf das Drogendealer-Problem der Westschweizer Städte. «Man sollte nicht glauben, man könne einfach die Augen schliessen, und alles wird gut.»

«Gummibärchen mit THC wollen wir nicht»

Nicht dabei ist vorderhand Sucht Schweiz. Vizedirektor Frank Zobel schliesst eine Unterstützung der Initiative aber nicht aus: «Unsere Positionen seit 30 Jahren lautet: Man sollte andere Modelle anschauen, um zu wissen, ob man es nicht besser machen kann als mit einem Verbot», sagt er. Es brauche einen Vorschlag, wie Cannabis strenger reguliert werden könne als Alkohol und Tabak, welche viel zu zugänglich und zu billig seien.

Dazu gehöre nicht nur der Jugendschutz, damit Minderjährigen der Zugang zum legalen Cannabismarkt verwehrt werde. Nötig seien auch angemessen hohe Steuern und eine Beschränkung der Verkaufsstellen und der Produkte: «Cannabis bei Coop und Lidl oder Gummibärchen mit THC wie in den USA wollen wir nicht.»