Kommentar

Verfrühter Jubel macht unvorsichtig: Covid-19 ist noch nicht geschlagen

Bald werden wir wohl einen Impfstoff gegen Covid-19 in den Händen halten. Doch wir sollten uns nicht zu früh freuen.

Was die Forschung liefert, ist beeindruckend: Ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 noch in diesem Jahr scheint nicht unmöglich. Über 170 Forschungsprojekte sind dran, 24 schon im Stadium des Menschenversuchs. Auch Covid-19 kann man besiegen.

Zu früh zum Jubeln? Vielleicht. Denn die Situation gab es schon. 1945 war ein Wendedatum. Zuvor galt: viermal so viele Tote durch Seuchen wie auf dem Schlachtfeld. Makaber, aber wahr: Der Zweite Weltkrieg war der erste Krieg, der nicht durch Epidemien «gestört» wurde. Zuversicht stifteten das Wundermittel Penizillin und das rasant gewachsene Wissen um Krankheitserreger und ihre Bekämpfung.

Eine Welt ohne Krankheit schien denkbar, Krankheit überhaupt beherrschbar. 1967 ging die Weltgesundheitsorganisation gegen die Pocken vor; 1980 waren sie ausgerottet. Allerdings ein leichter Sieg für die Menschheit. Der Erreger hatte nur ein Reservoir, den Menschen, und der Impfstoff war leicht herstellbar und sehr erfolgreich.

Der Jubel fiel damals schon verhalten aus, das Vertrauen in die Medizin war bereits gemischt mit Furcht. 1976 tauchte Ebola auf, 1976 erlebten die USA das Impfdesaster gegen ein H1N1-Influenza-Virus, und 1981 zeigte sich bereits der HIV-Erreger. Sars hätte 2002 eine Lehre sein können. Die asiatischen Länder befolgten sie, wir nicht. Das neue Coronavirus erwischte uns ziemlich unvorbereitet. Vor allem materiell, aber auch mental.

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