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Verband Schweizer Medien will die Vermarktungsfirma von SRG, Ringier und Swisscom aufspalten

Das Verleger-Podium: (v.l.) Peter Wanner (AZ Medien) Pietro Supino (Tamedia), Eric Gujer (NZZ-Chefredaktor und Moderator der Runde), Jean-Michel Cina (SRF) und Marc Walder (Ringier) im Gespräch.Severin Bigler

Das Verleger-Podium: (v.l.) Peter Wanner (AZ Medien) Pietro Supino (Tamedia), Eric Gujer (NZZ-Chefredaktor und Moderator der Runde), Jean-Michel Cina (SRF) und Marc Walder (Ringier) im Gespräch.Severin Bigler

Admeira ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Ringier, SRG und Swisscom. Der Verlegerverbandes möchte, dass aus Admeira zwei separate Gesellschaften werden: Ein Unternehmen, das ausschliesslich Datenmanagement betreibt, und ein zweites, das ausschliesslich Werbung verkauft.

Der Streit um die grösste Schweizer Vermarktungsfirma Admeira spitzt sich zu. Am Swiss Media Forum in Luzern forderten Tamedia-Verleger Pietro Supina und AZ-Medien-Verleger Peter Wanner diese Woche die Aufspaltung des Gemeinschaftsunternehmens von Ringier, SRG und Swisscom. In ihren Augen – und jenen des Verlegerverbandes – sollen aus Admeira zwei separate Gesellschaften werden: Ein Unternehmen, das ausschliesslich Datenmanagement betreibt, und ein zweites, das ausschliesslich Werbung verkauft. «Daten sind das Gold von heute und besonders von morgen. Nur mit präzisen Nutzerprofilen kann man zielgerichtet Werbung ausliefern», sagt Wanner, dessen Verlag auch die «Schweiz am Wochenende» herausgibt. Heute vermische Admeira die beiden Bereiche. Die drei Teilhaber erhofften sich dadurch Wettbewerbsvorteile. Und das sei keine saubere Lösung, weil die Mehrheit der Daten von der staatlich kontrollierten Swisscom stamme.

Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer formuliert es ähnlich: «In der heutigen Form führt Admeira zu einem Verdrängungskampf im Schweizer Werbemarkt, zulasten der anderen privaten Medienhäuser – und das mit ungleich langen Spiessen.» Der Konzern unterstütze deshalb den Vorschlag nach Gesprächen für eine offene, diskriminierungsfreie Branchenlösung für das Datenmanagement, an der sich alle Medienhäuser beteiligen können.

Keine offene Plattform

Admeira selbst hält wenig von einer Aufspaltung und beruft sich nicht auf politische oder kommerzielle Gegebenheiten, sondern auf den Datenschutz. «Aufgrund der datenschutzrechtlichen Anforderungen und der hohen Ansprüche an die Datensicherheit und das Datenhandling kommt für Admeira eine für alle vollständig offene Datenmanagement-Plattform nicht infrage», sagt Sprecherin Romi Hofer.

Den Vorwurf, die drei Gesellschafter verschafften sich mit den Swisscom-Daten einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil, weist Hofer von sich: «Dies trifft definitiv nicht zu.» Alle Verlage könnten ihre Werbung über Admeira verkaufen oder selber Aktionäre werden. Diese jedoch lehnen das ab. «Tamedia als neue Admeira-Aktionärin würde die Wettbewerbsverzerrung auf Kosten aller anderen Medienhäuser in der Schweiz nur verschlimmern», schreibt Sprecher Zimmer.

Was niemand in Abrede stellt: Die Fronten zwischen dem Verband Schweizer Medien und dem 2015 ausgetretenen Admeira-Teilhaber Ringier sind verhärteter denn je. Die Verleger sehen den aufbrausenden Auftritt von Ringier-CEO Marc Walder am Swiss Media Forum als Beleg dafür, dass sich dieser in eine Sackgasse manövriert habe: Walder warf Tamedia-Verleger Supino bei der Podiumsdiskussion in Luzern «ein mieses politisches Spiel vor». Die Forderung nach einer Beschränkung der SRG-Gebühren und einem Werbe- und Sponsoringverzicht für die öffentlich-rechtlichen Medien sei unwürdig. Er sei emotional und enttäuscht. Im Anschluss an die Veranstaltung wollte sich Walder nicht weiter äussern.

Markus Somm, Verleger und Chefredaktor der «Basler Zeitung», sieht Ringier in der Defensive. Der Austritt des Zürcher Verlages habe den Verlegerverband gestärkt und zusammengeschweisst. «Das Lobbying ist viel besser geworden.»

Unterschiedliche Kulturen

Somm glaubt, dass Ringier, die SRG und die Swisscom möglicherweise schon bald aus eigenen Stücken wieder auseinandergehen. Und das nicht nur aufgrund des ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolges: «Das sind drei unterschiedliche, zum Teil jahrhundertealte Unternehmenskulturen, die sich nur schwer vereinen lassen.» Admeira bestreitet ein mögliches Auseinandergehen: «Solche Gerüchte werden seit der Lancierung von Admeira verbreitet. Wir haben uns entschieden, zu Gerüchten grundsätzlich keine Stellung zu nehmen.»

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