Amoklauf
Unglücksfabrik steckt in der Krise

In der Kantine der Kronospan Schweiz AG in Menznau hat heute Morgen ein Amokläufer um sich geschossen. Drei Menschen starben, sieben weitere wurden teils schwer verletzt. Der Unglücksbetrieb kämpft seit längerem mit wirtschaftlichen Problemen.

Thomas Schlittler
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Die Fabrik der Kronospan Schweiz AG: Im «idyllischen, naturnahen Luzerner Hinterland» gelegen.

Die Fabrik der Kronospan Schweiz AG: Im «idyllischen, naturnahen Luzerner Hinterland» gelegen.

Für 2013 rechnet die 3000-Seelen-Gemeinde Menznau – Standort der Kronospan Schweiz AG – mit einem Defizit von drei Millionen Franken. Die Gemeindeschreiberin erklärt dem «Willisauer Boten»: «Ein grosser Industriebetrieb hat die Immobilienkrise in den USA deutlich zu spüren bekommen.» Wer damit gemeint ist, ist klar: Die Kronospan Schweiz AG. Der Gemeindepräsident von Menznau, Adrian Duss, sagte Ende 2012, dass man gegenüber 2009 «jährlich drei Millionen Franken weniger einnehme».

Kronospan ist stark exportorientiert. Neben der Immobilienkrise in den USA macht Kronospan aber auch die Holzknappheit hierzulande zu schaffen. Es herrscht akuter Rundholzmangel in der Schweiz. Zum Rundholz zählen neben den Stammstücken eines stehenden oder eines gefällten, unverarbeiteten Baumes auch das starke Astholz. «Wir müssen auf Abstellmassnahmen wegen Rundholzmangel hinweisen», teilte der Verband Holzindustrie Schweiz vor wenigen Tagen mit. Der im letzten Herbst witterungsbedingt eingetretene Ernterückstand sei nicht genügend aufgeholt worden. «Einige Sägewerke und auch die Kronospan haben bereits die Produktion gedrosselt, oder werden es demnächst tun», so der Verband.

Die Kronospan Schweiz AG liegt in Menznau, im «idyllischen, naturnahen Luzerner Hinterland», wie das Unternehmen auf seiner Homepage schreibt. Mit seinen 450 Mitarbeitern produziert Kronospan – unter dem Namen Kronoswiss bekannt – verschiedene Holzwerkstoffe und exportiert diese in die ganze Welt. Die heutige Produktionsstätte wurde bereits 1966 gegründet. Der Ausstoss der Firma liest sich beeindruckend: Pro Tag sollen unter anderem 100 Fussballfelder imprägniertes Papier, 15 Fussballfelder Laminatfussboden und 5 Fussballfelder lackierte Platten hergestellt werden.

Das Unternehmen scheint in der Gemeinde Menznau bestens verankert zu sein: Beim «Schnellsten Menzauer» sponsert Kronospan allen Teilnehmenden einen Preis und wenn Menznau mit dem Label «Energiestadt» ausgezeichnet wird, findet die Veranstaltung im Showroom von Kronospan statt. Das Thema Energie ist für Kronospan von hoher Bedeutung. Schliesslich gehört das Unternehmen zu den grössten Energiebezügern der Zentralschweiz.