Tarmed
Und die Arzt-Tarife bewegen sich doch

Die Spital-Psychiatrie erhält einen Tarif. Das sei ein Signal, sagen zwei grosse Versicherungsverbände. Neben dem Optimismus bleibt eine gehörige Skepsis bestehen.

Anna Wanner
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Ausser für Spital-Psychiater fehlen Arzttarife noch. (Symbolbild)

Ausser für Spital-Psychiater fehlen Arzttarife noch. (Symbolbild)

Keystone

Der Ärztetarif Tarmed ist veraltet, doch seit Jahren wird die Revision aufgeschoben, weil sich die Tarifpartner nicht einigen. Das führt dazu, dass die Prämienzahler für gewisse Leistungen zu viel bezahlen. Der Bundesrat will dem Gehader nicht mehr länger zusehen, er hat einen Tarifeingriff geplant, der die Prämienzahler um gut 700 Millionen Franken entlasten soll.

Doch nun, da die Blockade in der Tarifpolitik als gegeben scheint, verkünden die beiden Versicherungsverbände Curafutura und Santésuisse zusammen mit dem Spitalverband Hplus, sie hätten die Einführung eines neuen Psychiatrie-Tarifs beschlossen. Damit setzten sie «ein positives Zeichen für partnerschaftliche Lösungen». Der Abschluss zeige, dass Lösungen möglich seien, sagt Pius Zängerle, Direktor von Curafutura. «Das stimmt uns optimistisch, dass uns diese auch im Tarmed gelingen werden.» Auch Verena Nold, Direktorin von Santésuisse, ist zufrieden, dass die Lösung vertraglich gefunden werden konnte: «Das ist immer besser, als wenn der Bundesrat als Schiedsrichter einspringen muss.» Ob daraus nun Rückschlüsse auf die Tarmed-Verhandlungen gezogen werden können, sei hingegen schwierig zu sagen. Auch Bernhard Wegmüller, Direktor von Hplus, ist skeptisch. Die gemeinsame Lösung soll keine Aussage darüber sein, ob die Tarmed- Revision gelingen werde.

Ärzte waren nicht beteiligt

Die Skepsis kommt nicht von ungefähr. Im Unterschied zum Psychiatrie-Tarif, der stationäre Leistungen verrechnet und den die Spitäler verhandeln, sitzen beim Tarmed alle verschiedenen Fachärzte am Tisch. Zwar wollen weder die Versicherer noch die Spitäler dies als Problem angeben. Doch ist es kein Geheimnis, dass zuletzt die Ärzte den Revisionsvorschlag ablehnten. Zängerle ist optimistischer. «Lange Zeit schien die Meinung unter den Ärzten verbreitet, Bundesrat Alain Berset werde sich vor einem zweiten Tarifeingriff hüten. Seit jedoch klar ist, dass er ernst macht, spüren wir bei den Ärzten eine erhöhte Bereitschaft, um über eine Totalrevision des Tarmed zu verhandeln.»

Grundlagen verbessern

Zwischen dem stationären System der Fallpauschalen und dem Einzelleistungstarif Tarmed gibt es zudem strukturelle Unterschiede, wie Wegmüller sagt. «Im Unterschied zum ambulanten gibt es im stationären Bereich klare Regeln, nach welchen die Pauschalen zu berechnen sind.» Und man verfüge mit SwissDRG über eine ProfiOrganisation, welche die Daten sammelt und auswertet. Das sei auch für den Tarmed wünschenswert. Zängerle will ausserdem die vertragliche Lösungsfindung teilweise aushebeln. So solle sichergestellt werden, dass konstruktive Lösungen nicht durch einseitige Vetos blockiert würden. Nold plädiert hingegen für eine Umkrempelung des Tarmeds in ein Pauschalen-System. Das Ei des Kolumbus ist noch nicht gefunden.

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