Dies berichtet der «Tages-Anzeiger». Bei den Schäden kann es sich um defekte Toiletten, Steckdosen oder Sitzpolster handeln – aber auch um kaputte Türen.

Dass diese neue Regelung negative Konsequenzen haben kann, zeigt der Fall des kürzlich verunglückten Zugbegleiters in Baden. Gemäss Untersuchungen hat der Einklemmschutz einer Türe nicht richtig funktioniert, worauf der Zugbegleiter vom Zug mitgeschleift wurde und darauf seinen Verletzungen erlag. Gemäss der Weisung der SBB könnte ein solcher Zug mit defekter Türe weiterhin in Betrieb bleiben.

Nach tragischem Unfall: Bähnler-Kollegen ehren tödlich verunfallten Zugchef

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Die Schweizer Eisenbahner wollten heute eigentlich eine Feier veranstalten. Nun haben sie zuerst ihres verstorbenen Kollegen gedacht, bevor die Jubiläumssausstellung eröffnet wird.

Auf Anfrage heisst es bei den SBB: «Das besagte Vorgehen ist nur erlaubt, wenn der Mangel dank anderweitiger Vorkehrungen nicht sicherheitsrelevant wird.»

Als Beispiel nennen die SBB einen Zug mit defekter Neigetechnik. Gemäss Vorschriften kann dieser weiterfahren – jedoch nur mit reduzierter Geschwindigkeit. Dasselbe gilt bei Fensterscheiben mit einem Sprung oder defekten Türen. Mit Folie oder einem Schild wird auf den Defekt hingewiesen – der Zug bleibt aber weiterhin in Betrieb.

Der Grund für dieses Vorgehen liegt vor allem in einem Zeit- und Personalproblem. Die Zeit, um einen kleineren Mangel zu beseitigen, ist oft nicht da. Zudem haben die SBB bezüglich Rollmaterial keinerlei Reserven – und die Personalsituation in den Werkstätten ist angespannt.

Den Tränen nahe: SBB-Chef Andreas Meyer äussert sich emotional zum tragischen Unglück am Badener Bahnhof, bei dem ein Zugblegleiter ums Leben kam. (Bellinzona, 8.8.2019)

Den Tränen nahe: SBB-Chef Andreas Meyer äussert sich emotional zum tragischen Unglück am Badener Bahnhof, bei dem ein Zugblegleiter ums Leben kam. (Bellinzona, 8.8.2019)

Bei einem tragischen Arbeitsunfall ist in der Nacht auf Sonntag, 4. August 2019, bei der Zugabfertigung eines Interregios in Baden ein 54-jähriger Chef-Zugbegleiter in der Türe eingeklemmt, mitgeschleift und tödlich verletzt worden. SBB-Chef Andreas Meyer zeigt sich im Interview am Bahnhof in Bellinzona bestürzt und kündigt an, dass bei alle Zugwagen der betroffenen Art die Türschliessung auf den technischen Defekt geprüft wird.

Beim Bundesamt für Verkehr hat man von der internen Weisung der SBB Kenntnis, diese wird geduldet. Das Bundesamt betont jedoch, dass es bei solchen Fällen in der Schnittstelle zwischen Instandhaltung und Betrieb «Optimierungsbedarf» gebe. (ohe)