Haftentlassung
Trotz Therapieverweigerung – Hugo Portmann kommt frei, der gefährlichste Bankräuber der Schweiz

Der Bankräuber Hugo Portmann wird nach 35 Jahren aus der Haft entlassen. Das war abzusehen aber umstritten, denn Portmann hat jede Therapie verweigert. Er sass zuletzt in der Haftanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH ein.

Jürg Krebs
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Hugo Portmann
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Hugo Portmann, links, in Begleitung eines Polizeibeamten vor dem Gerichtsaal des Bezirksgericht Muenchwilen TG am Donnerstag 15. März 2001.
Hugo Portmann
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TeleZüri

Seit 35 Jahren sitzt der gebürtige Entlebucher Hugo Portmann (60) hinter Gittern. Gemäss Recherchen der Schweiz-Ausgabe der Zeit kommt der Räuber und Geiselnehmer nun in ein paar Wochen frei. Bereits im Dezember 2017 hatte TeleZüri berichtet, dass die Haftbedingungen gelockert werden und er einen begleiteten Hafturlaub antreten darf. Ein neues Gutachten setzte das Amt für Justizvollzug im letzten Herbst unter Druck. Dies obwohl Portmann jede Therapie verweigert hatte.

Ein Bundesgerichtsurteils hatte beschieden, dass Personen in der Schweiz nur dann verwahrt werden dürfen, wenn sie an einer schweren psychischen Erkrankung leiden. Diese muss aber in einem Zusammenhang mit dem Delikt stehen. Doch Portmann gilt nicht als psychisch krank.

Das Interview mit Hugo Portmann:

Komplize Stürm und die Verwahrung

Portmann musste sich zuletzt 2001 vor dem Bezirksgericht Münchwilen TG wegen Bankraubs und Geiselnahme verantworten, zusammen mit einem Mitangeklagten. Portmann war im Februar 1999 aus der Bündner Strafanstalt Realta ausgebrochen, Anfang März 1999 nahm er zusammen mit " Ausbrecherkönig" Walter Stürm sowie einem Deutschen in Sirnach TG die Familie eines Bankverwalters als Geiseln. Zwei der Täter überfielen wenige Tage später in Horn TG eine Bank. Stürm und Portmann konnten nach dem Bankraub verhaftet werden.

In Untersuchnungshaft beging Walter Stürm im September 1999 Selbstmord. Die Verhaftung des Duos Stürm/Portmann erregte landesweites Aufsehen.

Das Bezirksgericht verurteilte Portmann wegen mehrfachen Raubes und Geiselnahme zu zehn Jahren Zuchthaus. Zudem wurde seine Verwahrung angeordnet.

Wilde Verfolgungsjagd

Erstmals im Rampenlicht erschien Portmann 1983. Am 14. Juni hatte er die Kantonalbank in Dietlikon ZH überfallen und wenige Tage später auch die Filiale in Wallisellen. Die Polizei machte ihn zwei Stunden später ausfindig und verfolgte ihn auf der Strasse und mit einem Helikopter das rechte Zürichseeufer entlang. In Rapperswil konnte er am Mittag gefasst werden - mit einem Brustdurchschuss.

Portmann war danach wiederholt ausgebrochen und verhaftet worden.

So im Jahre 1988. Auch damals hatte er eine Bankfiliale überfallen, nachdem er von einem Hafturlaub nicht ins Gefängnis Bostadel ZG zurückgekehrt war.

1992 durfte Portmann - er sass gerade in der Strafanstalt La Stampa in Lugano ein - an einem Berglauf mitmachen, er kam nicht zurück. Nach erneuter Flucht, während der er auf Polizisten schoss, wurde er am Ende in einem Waldstück in Hellikon AG von gegen 100 Polizeibeamten umstellt und gefasst.

Bis 1995 war Portmann insgesamt sechsmal zu insgesamt 23 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Schliesslich gelang im 1999 der erneute Gefängnisausbruch.