Coronavirus

Trotz Grenzschliessungen: 965 neue Asylgesuche im März - in Deutschland ist der Rückgang viel stärker als in der Schweiz

Es gab seit dem Lockdown 599 Asylgesuche in der Schweiz, das ist deutlich weniger als sonst.

Es gab seit dem Lockdown 599 Asylgesuche in der Schweiz, das ist deutlich weniger als sonst.

Der Stillstand im Flugverkehr sorgt für einen Rückgang der Gesuche. Trotzdem müssen zusätzliche Asylzentren eröffnet werden.

Die Grenzen sind grösstenteils geschlossen, die Passagierflugzeuge bleiben am Boden. Und die Zahl der Asylgesuche ist in den vergangenen Wochen stark gesunken: Im März wurden in der Schweiz 965 neue Asylanträge gestellt, wie das Staatssekretariat für Migration auf Anfrage mitteilt. Dies sind 25 Prozent weniger als im März 2019 (1289). Noch deutlicher ist der Rückgang, seit der Lockdown vom Bundesrat verkündet wurde: Zwischen dem 16. März und dem 16. April zählte das Staatssekretariat für Migration gerade einmal 599 neue Gesuche. Die Abnahme ist insofern auch aussergewöhnlich, da die Gesuche im Frühling in der Regel ansteigen, wenn die Überfahrt über das Mittelmeer mit dem wärmeren Wetter weniger riskant wird.

Die meisten Flüchtlinge stammen nach wie vor aus Eritrea (132), Afghanistan (44), ­Syrien (68) sowie der Türkei (46). Worauf der Rückgang zurückzuführen ist, kann man beim Bund noch nicht genau sagen. Das Ausbleiben von Familiennachzügen könnte ein Grund sein. Weniger Asylsuchende bedeutet allerdings nicht, dass der Aufwand für die Behörden geringer geworden ist. Die Präventionsmassnahmen gegen den Coronavirus sorgen für relativ viel Arbeit in den Asylzentren, wo die Menschen in der Regel auf engem Raum zusammenleben. «Wir haben eher mehr Arbeit», sagt Lutz Hahn, Mediensprecher der ORS AG. Die private Firma ist der grösste Betreiber von Asylzentren in der Schweiz.

Zusätzliche Zentren mussten eröffnet werden

Einerseits müssten die Bewohner der Zentren sensibilisiert werden, dass sie Abstand halten und nicht in Gruppen die Zentren verlassen. Andererseits mussten bei Verdachtsfällen und tatsächlichen Erkrankungen Isolierzimmer bereitgestellt werden. Zudem konnten laut Hahn einige Mitarbeitende nicht arbeiten, da sie zur Risikogruppe gehören oder weil sie die Kinderbetreuung sicherstellen mussten. Gerade um die Belegungsdichte in den Zentren zu senken, haben in den vergangenen Wochen verschiedene Kantone zusätzliche Asylzentren in Betrieb genommen. Der Kanton Zürich hat beispielsweise eine eigene Unterkunft für Risikogruppen eröffnet. Und auch das Bundesasylzentrum in Muttenz, so entschieden Ende März die Behörden, wird wieder in Betrieb genommen.

Massiv weniger Asylgesuche in Deutschland

Derzeit sind in den Bundesasylzentren ein halbes Dutzend Menschen mit dem Virus infiziert. «Es waren immer weniger als 25 Infizierte in den Bundesasylzentren», heisst es beim Staatssekretariat für Migration. In Deutschland zählten die Behörden im gleichen Zeitraum (Mitte März bis Mitte April) viel weniger Gesuche als in der Schweiz. Laut der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» stellten gerade einmal 45 Personen bei der Einreise den Antrag auf Asyl. Grund dafür könnten die eingeschränkten Reisemöglichkeiten sein. Warum dies so ist, darüber will man beim Staatssekretariat für Migration nicht mutmassen. Ein möglicher Grund könnte aber sein, dass die «deutschen Behörden zur Vermeidung von Kontakten die persönliche Antragstellung umgestellt haben und gegenwärtig Asylanträge nur noch schriftlich entgegennehmen». Dies könnte sich in der Statistik verspätet zeigen.

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