Tessin
Stadtrat-Kandidatur: Filippo Lombardi wagt das politische Comeback und erntet (etwas) Spott

Die CVP hat den Alt-Ständerat für die Stadtratswahlen in Lugano nominiert. Lombardi sorgt sich um die Stadt und ist extra umgezogen.

Gerhard Lob aus Locarno
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Der ehemalige CVP-Ständerat Filippo Lombardi will in die aktive Politik zurückkehren.

Der ehemalige CVP-Ständerat Filippo Lombardi will in die aktive Politik zurückkehren.

Keystone

Filippo Lombardi war 20 Jahre Tessiner Ständerat und fünf Jahre lang Chef der CVP-Bundeshausfraktion. Ein politisches Schwergewicht, bekannt im ganzen Land. Entsprechend gross war die Überraschung, als er 2019 im zweiten Wahlgang in seinem Heimatkanton knapp nicht mehr gewählt wurde – 46 Stimmen gaben den Ausschlag. Seither war er von der politischen Bühne verschwunden.

Doch nun plant Lombardi ein Comeback. Er wird bei den Gemeindewahlen vom 18. April für den Stadtrat von Lugano kandidieren. Die örtliche Parteisektion hat ihn offiziell nominiert. «Ja, ich bringe mich ins Spiel, es ist meine Natur, etwas zu machen», begründet der 64-Jährige seine Kandidatur. Er habe sehr viel Erfahrung in der Legislative, aber ein Exekutivamt sei etwas Neues.

Er sei in Sorge um die Stadt Lugano, eigentlich die Lokomotive des Kantons, die sich auf dem absteigenden Ast befände. «Es ist Zeit für einen Relaunch der Stadt», sagt er. Um überhaupt kandidieren zu können, hat er Anfang Januar sein ­Domizil von der Nachbargemeinde Massa­gno – einer traditionellen CVP-Hochburg – nach Lugano verlegt.

«Fliegt die CVP aus dem Stadtrat, wäre dies der Todesstoss»

Politisch geht es darum, den einzigen CVP-Sitz in der Exekutive der grössten Tessiner Stadt zu verteidigen. Lugano war traditionell von der FDP dominiert, bis die Lega dei Ticinesi 2013 drei von sieben Stadtratssitzen eroberte. Der Leghist Marco Borradori ist seither Stadtpräsident.

Lombardi soll die CVP-Ehre in Lugano retten, da der bisherige Stadtrat nicht mehr antritt und der Sitz wackelt. «Nicht mehr im Stadtrat von Lugano vertreten zu sein, wäre wie ein Todesstoss für unsere Partei», sagte CVP-Kantonalpräsident Fiorenzo Dadò. Lombardi als bekannter und erfahrener Politiker kommt da wie gerufen.

Allerdings hat die Kandidatur von Lombardi nicht nur Begeisterung ausgelöst, auch in den eigenen Reihen, wo die Forderung zu hören war, den jüngeren Mitkandidaten mehr Chancen zu lassen. Nun stehen diese im Schatten Lombardis. Bei den politischen Gegnern sorgt die Kandidatur sogar für etwas Spott. «Lugano darf kein Zufluchtsort für Gefallene werden», stichelte etwa die Sozialdemokratin Mattea David auf Facebook.

Schwergewichte kehren in Kommunalpolitik zurück

Damit spielte sie nicht nur auf Lombardi an, sondern auch auf Fulvio Pelli (70), den ehemaligen und langjährigen Präsidenten der FDP Schweiz, der sich um ein Mandat im Gemeinderat bewirbt, genauso wie Paolo Beltraminelli, der 2019 als CVP-Staatsrat abgewählt wurde und nun ebenfalls in die Gemeindelegislative einziehen will.

Für den Politikwissenschafter Oscar Mazzoleni, Leiter des Instituts für Regionalpolitik an der Universität Lausanne, sind diese Kandidaturen von ehemaligen politischen Schwergewichten überraschend: «Lange galt ja mehr oder weniger die Doktrin, dass die Jungen die Probleme der Parteien lösen.» Dabei habe es aber nie eine Evidenz für diesen Sachverhalt gegeben. Tatsache ist, dass in Lugano die Lega dei Ticinesi Trendsetter war, als sie 2013 Marco Borradori nominierte. Er war zuvor 18 Jahre lang Staatsrat gewesen.

Lombardi als potenzieller Stadtrat von Lugano ist schliesslich auch ein sportliches Politikum. Lombardi ist seit 2009 Präsident des Eishockey-Clubs Ambrì-Piotta. Erzrivale der Leventinesi ist traditionell der Eishockey-Club Lugano. Ein Problem? Lombardi winkt ab: «Ich habe vater- und mütterlicherseits beide Seelen in mir: Die Leventina und Lugano – mein Urgrossvater war sogar Vizestadtpräsident von Lugano.»