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Terrovorwürfe gegen IZRS-Filmer: Das Versteckspiel der Islamisten

Er ist sich "absolut keiner Schuld bewusst": IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni, der mit einem umstrittenen Dokumentarfilm ins Visier der Bundesanwaltschaft geraten ist.

Er ist sich "absolut keiner Schuld bewusst": IZRS-Vorstandsmitglied Naim Cherni, der mit einem umstrittenen Dokumentarfilm ins Visier der Bundesanwaltschaft geraten ist.

Die Bundesanwaltschaft (BA) hat umstrittenes Filmmaterial des Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS) aus Syrien sichergestellt. Zudem forderte sie das Filmportal Youtube auf, die Filmdokumente «umgehend» vom Netz zu nehmen.

Drei bärtige Männer stehen im ersten Stock des Berner Nobelhotels Schweizerhof. Sie kontrollieren die gut zwei Dutzend Journalisten, die zur Pressekonferenz des Islamischen Zentralrats (IZRS) wollen. Vorstandsmitglied und Filmer Naim Cherni, ein 24-jähriger Berner mit deutschem Pass, will sich gegen Vorwürfe der Bundesanwaltschaft wehren. Er soll in einem inzwischen von der Bundesanwaltschaft beschlagnahmten Film Propaganda für die Terrororganisationen al-Kaida und den Islamischen Staat (IS) gemacht haben.

Der umstrittene IZRS-Propagandafilm

Der umstrittene IZRS-Propagandafilm

Den Ort des Auftritts kennt nur, wer sich angemeldet hat. Der IZRS mit seinen 3500 Mitgliedern vertritt ein Prozent der Schweizer Muslime. Das Sicherheitsdispositiv ist immens: Die Journalisten müssen sich ausweisen und ihre Taschen vor den Sicherheitsmännern öffnen. Diese haben Metalldetektoren zur Hand.

IZRS-Präsident Nicolas Blancho wird später sagen, die Massnahmen seien nötig, um sich selbst und die Journalisten vor möglichen Vergeltungsschlägen des IS zu schützen. Denn der IZRS versteht sich selbst als Kämpfer gegen den IS. So erklärt Blancho, dass der IS nicht nur den Westen, sondern vor allem die Muslime vor Probleme stelle.

Beim ins Visier der Strafverfolger geratenen Videobeitrag interviewt Cherni einen aus Sicht der Bundesanwaltschaft al-Kaida nahe stehenden Scheich. Er vertritt mehrere syrische Rebellengruppen, nicht nur im Kampf gegen das verhasste Assad-Regime, sondern auch gegen den IS. «Uns ging es darum, einen glaubwürdigen IS-Kritiker aus dem inner-islamischen Spektrum zu Wort kommen zu lassen», sagt Blancho.

Chernis 38 Minuten langes Videointerview ist ein ununterbrochener Monolog des besagten Scheichs. Und dieser darf Dinge sagen wie: «Für den IS sind wir Ungläubige. Sie glauben, uns zu bekämpfen sei wichtiger als der Kampf gegen die Schiiten.»

In einer anderen Reportage zieht Cherni mit demselbem Scheich durch eine syrische Stadt, in der die Rebellen die Scharia umsetzen. Die lokale Bevölkerung wolle die Scharia, behauptet der Scheich. Die IZRS-Führung übernimmt diese Sichtweise. Im selben Video antwortet der Scheich auf Chernis Frage, weshalb trotz Scharia auf den Gassen noch geraucht werde: «Würden wir es heute verbieten, wir könnten es durchsetzen. Bei unserem Abzug würde das Übel aber wieder zurückkehren.» Anders ausgedrückt: Aufs Rauchen, das in der von der Bevölkerung angeblich erwünschten Scharia verboten ist, will diese doch nicht verzichten.

«Keiner Schuld bewusst»

Naim Cherni blickt «gelassen» auf die Strafuntersuchung, die er als «politisch motiviert» taxiert. Er ist sich «keiner Schuld bewusst». Im Gegenteil: «Der Film ist ein wichtiger Beitrag gegen den IS», sagt er.

Die IZRS-Führung weist jeweils auf das Unverständnis des Westens in Sachen innerislamischer Konflikte hin. Für gewaltverherrlichende Aussagen des Scheichs macht die IZRS-Verbandsspitze gerne Übersetzungsprobleme verantwortlich. Versteckt sich der IZRS hinter Übersetzungsproblemen? Das würde ganz gut zum Auftritt von Nora Illi passen: Im Konferenzsaal versteckt sich die Frauenbeauftragte des IZRS samt Ganzkörperschleier hinter einer Stellwand. Und twittert von der Pressekonferenz.

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