Attentat auf «Charlie Hebdo»

Terror-Experte: «Auch die Schweiz muss merken, dass Krieg ist»

Nach dem Massaker in Paris

Nach dem Massaker in Paris

In der Sendung «TalkTäglich» diskutierten am Mittwochabend Patrik Müller, Chefredaktor «Schweiz am Sonntag», Publizist Peter Hartmeier und Peter Regli, ehemaliger Schweizer Geheimdienstchef, mit Moderator Markus Gilli (von links).

Im «TalkTäglich» analysiert der Ex-Chef des Schweizer Nachrichtendienstes den Anschlag auf die Redaktion des Satire-Magazins «Charlie Hebdo». Er ist sich sicher: Die Tat war von langer Hand geplant.

Für Peter Regli ist der Anschlag auf die Redaktion des «Charlie Hebdo» am Mittwoch in Paris ein Alarmzeichen.

«Der heutige Anschlag dient vielleicht auch vor allem in der Schweiz dazu, dass wir endlich Kennnis nehmen von der Tatsache, dass ein Krieg geführt wird zwischen einer totalitären, menschenverachtenden Ideologie und dem christlich-jüdischen Abendland unter demokratischen Rechtsstaaten», sagt Terrorismus- und Sicherheitsexperte Peter Regli in der Sendung «TalkTäglich» am Mittwochabend.

Regli ist ehemaliger Chef des Schweizerischen Nachrichtendienstes.

«Dieser Anschlag wurde von langer Hand geplant»

Die Ursache für die enorme Gewalt sieht Regli darin, dass Al Kaida mit der IS einen grossen Konkurrenten erhalten habe. In nachrichtendienstlichen Kreisen habe man gewusst, dass sich Al Kaida früher oder später zurückmelden wird.

«Damit behaupte ich aber nicht, dass es Al Kaida war.» Es könnten auch zwei Täter sein, die mit einem ganz konkreten Auftrag aus dem Irak gekommen seien. «Aber was mich heute sehr betroffen und beeindruckt hat, ist die Professionalität und die Brutalität dieses Anschlags», sagt der Experte.

«Das sind keine Freizeit-Terroristen wie bespielsweise die beiden Brüder, die den Anschlag am Boston-Marathon verübt haben», sagt Peter Regli. «Ich behaupte – man kann es noch nicht beweisen – dieser Anschlag wurde von langer Hand geplant. Man hat nichts dem Zufall überlassen.»

«Satire darf alles»

«Was darf Satire wirklich?», wirft Moderator Markus Gilli die Frage in die Runde. «Nach Tucholsky darf sie alles», sagt «Schweiz am Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller. «Und das ist auch meine Meinung.»

Irritiert hat ihn den Tweet von Bundesrätin Doris Leuthard mit dem Inhalt «Satire ist kein Freipass». «Ich meinte, an so einem Tag muss man doch kämpfen, dass die Satire alles darf.»

Und: «Man darf auch Blödsinn verbreiten in unseren westlichen Kulturen. Ich habe Mühe damit, wenn das nicht akzeptiert wird.»

«Ich gebe zu, dass es als verantwortlicher Blattmacher Situationen gibt, in denen man sagen muss: Das geht nicht, das ist zu viel», ergänzt der ehemalige Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier.

«Aber nicht am heutigen Tag. Da geht es wirklich um die Medienfreiheit. Und was Frau Leuthard auf Twitter veröffentlicht hat, begreife ich auch überhaupt nicht», so der Publizist.

Abo-Kündigungen nach Jesus-Karikatur

Auch Patrik Müller beschäftigt das Thema im Alltag. Die Zeitung hat in der Weihnachtszeit eine Karikatur von Jesus am Kreuz veröffentlicht, darunter der Schriftzug «Happy Birthday».

Die Folge waren einige Abo-Kündigungen. «Aber niemand hätte bei uns Angst davor, so etwas zu veröffentlichen», sagt Patrik Müller. Bei Islam-Karikaturen werde man jetzt automatisch vorsichtig. «Und damit haben die Attentäter leider bereits etwas erreicht.»

«Bitte absolut cool bleiben»

Die Gesprächspartner sind sich einig: Schweigen ist keine Lösung. «Wir müssen mutig sein und diese Themen aufgreifen», sagt Terror-Experte Regli. «Aber bitte absolut cool bleiben.»

Und: Die europäischen Länder sollten die nationale Sicherheit «so ausrichten, dass sie auch bei Sturm besteht.» (smo)

«Schweigen ist nicht der richtige Weg»: Satiriker Andreas Thiel zum Anschlag in Paris.

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Die Schweizer Tageszeitungen reagierten heftig auf den Anschlag in Paris.

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