Lebensmittelskandal
Tag der offenen Metzg: Jetzt geht Coop in die Fleisch-Offensive

«Volle Transparenz bei Coop – vor allem bei heiklen Produkten wie Frischfleisch.» Nachdem Coop kritisiert wurde, reagiert das Lebensmittelgeschäft mit einem Tag der offenen Tür. Alle Coop-Metzgereien der Schweiz wollen einen Einblick gewähren.

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«Machen Sie sich selbst ein Bild»: In einer Anzeige fordert Coop seine Kunden auf, den Tag der offenen Tür in allen Schweizer Coop-Metzgereien zu nutzen. Die Aktion ist eine Reaktion auf beunruhigende Vorkommnisse, die «Kassensturz» aufdeckte. Abgelaufenes Fleisch aus der Selbstbedienung soll ausgepackt und als Frischfleisch in die Theke gelegt worden sein. Ausserdem soll durchs Auspacken aus normalem Bio- und aus ausländischem Schweizer Fleisch geworden sein.

Verletzter Berufsstolz

Ein Metzger packte bei «Kassensturz» aus: «Ist das Fleisch einmal ausgepackt und die Verpackung mit dem Ablaufdatum weg, weiss niemand mehr, wie alt das Fleisch ist.» Nachdem dieser Metzger gesungen hatte, meldeten sich zahlreiche weitere Coop-Mitarbeiter. Ihre Geschichten tönten ähnlich.

Dieses Handeln soll oft von den Geschäftsführern oder direkten Vorgesetzten angeordnet worden sein. «Die Vorkommnisse stellen alle Metzger in ein schlechtes Licht. Sie wurden in ihrem Berufsstolz verletzt», erklärt die Mediensprecherin von Coop Denise Stadler. Von den rund 3000 Coop-Metzgern würden die Allermeisten gut arbeiten, sagt Stadler. «Aber es gibt leider immer schwarze Schafe.»

Vertrauen der Kunden verloren

Das Vertrauen der Konsumenten zurückgewinnen - das sei jetzt das Gebot der Stunde. «Es ist verständlich dass sich viele Kunden momentan Gedanken machen», meint die Mediensprecherin. Deshalb gebe man den Metzgern mit dem Tag der offenen Tür selbst die Chance, mit ihren Kunden zu sprechen.

Coop - Tag der Offenen Tür

Coop - Tag der Offenen Tür

Zur Verfügung gestellt

Zur Verfügung gestellt

Der Kauf von Fleisch sei immer eine Vertrauensfrage. man könne ja nie wissen woher das Produkt komme oder wie alt es sei, sagt Stadler. «Deshalb können alle Kunden die Arbeitsbereiche, die Kühl- und Tiefkühlräume der Coop-Bedienungsmetzgereien ansehen gehen», erklärt Stadler den Transparenz-Tag. «Wir haben nichts zu verbergen.»

«Nulltoleranz»

«Wir greifen durch!» So werden die weiteren Reaktionen von Coop auf die Vorwürfe betitelt. Stadler erklärt: «Erstens ist es ab sofort allen unseren Metzgern verboten, Fleisch aus der Selbstbedienung auszupacken und in die Theke zu legen. Zweitens werden die internen Qualitätskontrollen nun noch stärker.»

Erstaunlich ist, dass man solche internen Regelungen überhaupt haben muss. Von Gesetzes wegen ist das Auspacken von Fleisch nicht verboten. Nicht einmal, wenn das Datum «Zu Verkaufen bis» bereits vorbei ist. (cht)