53 Länder haben die körperliche Züchtigung von Kindern gesetzlich verboten – darunter auch Deutschland und Österreich. Die Schweiz zählt nicht dazu. Der Verein «Keine Gewalt gegen Kinder» will dies nun ändern: In einer Petition fordern sie das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung. Ein ausdrückliges Verbot von Körperstrafen und psychischer Gewalt an Kindern soll im Zivilgesetzbuch verankert werden.

Anderer Meinung ist der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner: «Das ist eine weitere Regulierung, die nichts bringt», sagt er im Sonntalk unter der Moderation von Markus Gilli. «Ihr könnt das per Gesetz verbieten. Diejenigen, die das machen, werden das sowieso machen.»

Auch der Zürcher Nationalrat und neue Fraktionspräsident der FDP Beat Walti ist skeptisch: «Was für Massnahmen und Sanktionen sollen wir mit einer gesetzlichen Regelung verknüpfen?», fragt er. Auch im Vollzug sieht er Probleme: «Wann ist der richtige Zeitpunkt für Behörden einzugreifen? Wo dürfen Behörden sagen, was geht und was nicht geht?»

Eine ähnliche Diskussion finde bereits mit der Kesb-Debatte statt, wo immer wieder Kritik an der Einmischung der Behörden laut werde. Wenn nun eine neue Norm im Straf- oder Zivilrecht geschaffen würde, müsse dies auch mit Konsequenzen verbunden werden. «Und dann geht die Diskussion wieder von vorne los. Der Vollzug ist nicht kategorisch zu erledigen», sagt Walti.

20 Prozent erleben schwere Gewalt

Die Zahlen einer im Oktober veröffentlichten Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) schockieren: Rund ein Fünftel der Jugendlichen erleben in der Schweiz zu Hause schwere Gewalt.

«Kinder sind heutzutage zu wenig geschützt», sagt Grünen-Präsidentin Regula Rytz. «Es ist sicher nötig, bessere Regeln zu schaffen. Es existieren ganz klare Lücken im Gesetz», so Rytz. Doch auch für sie lässt sich die Problematik nicht strafrechtlich lösen: «Es müssen Beratungsstellen geschaffen werden, die Eltern andere Möglichkeiten aufzeigen, mit ihren Kindern umzugehen.»

Moderator Gilli will von seinen Gästen auch wissen, ob sie ihre eigenen Kinder mittels körperlicher Gewalt bestraft haben. «Ein Tatsch ufs Füdle oder – wenn sie grusig gegessen haben – eins auf die Finger: aber ganz sicher!», antwortet Giezendanner. «Mein Vater hat immer gesagt, Männer, die ihre Frauen schlagen oder ihre Kinder verprügeln, die haben keinen Charakter. Aber ein Klaps auf den Po hat nichts mit dem Charakter zu tun, das tut manchmal gut.» (sam)

Die ganze Diskussion zum Thema sehen Sie hier:

"Jede Ohrfeige verletzt die Würde des Kindes."

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Die Debatte über ein Ohrfeigen-Verbot sorgt im SonnTalk für rote Köpfe.