Schweiz

Superstar Lionel Messi spielt nun doch weiter für den FC Barcelona

Lionel Messi bleibt für den FC Barcelona am Ball.

Lionel Messi bleibt für den FC Barcelona am Ball.

Nach dem juristischen Hickhack um eine Ausstiegsklausel muss der Superstar bei den Katalanen bleiben. Doch kommt das gut? In La Liga startet Barcelona am Sonntag gegen Villarreal.

Viele Sommertheater sind in diesem Jahr dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Die von Lionel Messi initiierte Aufführung allerdings nicht. Wochenlang hat der Intendant des FC Barcelona seinen Klub und seine Fans in Atem gehalten und für Unterhaltung gesorgt. Doch wenn der Superstar sein Team nun am Sonntagabend gegen Villarreal aufs Feld führt, weicht die surreale Vorstellung der realen: jener auf dem Rasen. La Liga ist froh, dass ihre Hauptattraktion noch da ist.

Begonnen hatte die Inszenierung Messis am Abend des 14. August in Lissabon, als der FC Barcelona im Viertelfinal der Champions League vom FC Bayern mit einer 2:8-Packung gedemütigt und seine Nummer 10 mitten ins Ego getroffen wurde. Von Messi ist bekannt, dass er ein miserabler Verlierer ist. Überliefert sind zwei Episoden: Als im Training der junge Riqui Puig es wagt, dem grossen Vorbild den Ball zwischen den Beinen hindurchzuspielen, gerät dieses ausser sich. Und: Als Messi ein harmloses Trainingsspiel verliert, lässt er frustriert einen Werbetermin sausen.

Nach der Majestätsbeleidigung durch die Münchner hüllt sich Messi in Schweigen und zieht sich auf sein Anwesen in Castelldefels zurück. Doch am 25. August verwandelt sich die gespenstische Ruhe in helle Aufregung, als auf der Geschäftsstelle des FC Barcelona ein Papier aus dem Faxgerät ruckelt. Der Inhalt: Messi zieht in seinem Vertrag eine Klausel, die es ihm erlaubt, den Verein ein Jahr vor Ablauf des Kontraktes ablösefrei zu verlassen. Nach 20 Jahren und 33 Titelgewinnen will Messi weg. Würde der FC Barcelona dann noch immer «Més que un club» sein?

Fans fordern die Ablösung von Präsident Bartomeu

Viele Anhänger befürchten «Nein», ziehen zum Camp Nou und fordern die Ablösung von Präsident Josep Maria Bartomeu. Barças Anwälte werfen die Motoren an und befinden, dass Messi die Klausel bis spätestens am 31. Mai hätte beanspruchen müssen, ansonsten ein Käufer wie festgeschrieben 700 Millionen Euro zu bezahlen hat. Messis Argument, dass es eine Fristverlängerung hätte geben müssen, weil die Saison wegen der Coronakrise statt wie geplant am 10. Juni erst am 23. August zu Ende ging, sticht nicht. Nach vielen Spekulationen, ob er zu Manchester City, zum PSG oder zu Inter wechsle, kommt es zur Wende: Messi muss klein beigeben. Und bleiben.

Der 33-Jährige nimmt das Training auf und wird vom neuen Trainer Ronald Koeman als Captain bestätigt. Was den Spieler nicht daran hindert, weitere Giftpfeile gegen die Klubführung abzufeuern. «Hier gibt es keine Vision, gar nichts», lästert Messi. Mitspieler Frenkie de Jong sagt: «Er ist der Beste. Ich bin glücklich, dass er bleibt.»

Der Beste aber ist er nicht mehr. Bei der aktuellen Wahl zu Europas Fussballer des Jahres ist er nicht unter den ersten drei. Ein Kolumnist schreibt: «Er ist zu einem Spieler geworden, der nur noch versucht, Messi zu sein, es aber nicht mehr ist.»

Man wird das Gefühl nicht los, für den FC Barcelona wäre es klüger gewesen, den Kultspieler ziehen zu lassen. Er hätte ein Gehalt von 100 Millionen Euro brutto eingespart und sich den Weg für einen Neuaufbau freigemacht. So aber droht den Katalanen eine Saison voller Konflikte und Abreibungen. Bis der König 2021 definitiv geht.

Autor

Markus Brütsch

Meistgesehen

Artboard 1