Seit Anfang Jahr liegen erste Offerten für fünf Flugzeuge vor. Es handelt sich um Eurofighter (Airbus, Deutschland), F/A-18 Super Hornet (Boeing, USA), Rafale (Dassault, Frankreich), F-35A (Lockheed-Martin, USA) und Gripen E (Saab, Schweden). Abgeschlossen sind auch die Audits zu Unterhalt und Logistik und die Erprobung der Flugzeuge im Simulator.

Im Simulator können die Angaben der Hersteller zu den Benutzerschnittstellen validiert, nicht erprobbare Manöver getestet oder komplexe Szenarien mit mehreren Flugzeugen simuliert werden. Das erklärte Bernhard Berset, der im Beschaffungsprojekt die Luftwaffe vertritt, am Montag vor den Bundeshausmedien. Dadurch könne die Anzahl der in der Schweiz geflogenen Missionen stark reduziert werden.

Luftwaffe testet Kampfjets - doch selber fliegen werden die Schweizer nicht

Luftwaffe testet Kampfjets – doch am Steuerknüppel werden keine Schweizer Piloten sitzen, sondern Testpiloten der Hersteller.

Eigenheiten der Topografie

Gewisse Informationen können aber nur am Schweizer Himmel gesammelt werden. Dazu gehört etwa die Leistungsfähigkeit der Sensoren in der Schweizer Topografie. Ein Radar funktioniere in den Bergen anders als über dem Meer, sagte Berset. Überprüft wird auch die technische Reife der Kampfflugzeuge, um die Angaben der Hersteller zu bestätigen.

Schliesslich werden mit allen Kampfjets Lärmmessungen im Bereich des Flugplatzes durchgeführt. Insgesamt werden mit jedem Kandidaten acht Missionen geflogen, wovon sieben vorgegebenen Aufgaben gewidmet sind. Bei einer Mission handelt es sich um eine Nachtmission. Alle Hersteller haben, mit Ausnahme des Wetters, identische Bedingungen.

Scharf geschossen wird nicht. Auch Flugshows sind nicht geplant. Die Lärmbelastung für die Anwohnerinnen und Anwohner solle so gering wie möglich gehalten werden, sagte Cédric Aufranc, der im Projekt ebenfalls die Luftwaffe vertritt.

Schweizer an Bord

Die F-35 und den Gripen gibt es nur als Einsitzer, bei den übrigen Flugzeugen ist in der Regel auch ein Schweizer Pilot oder Ingenieur an Bord. Laut Aufranc entscheiden die Hersteller, welche Manöver von den Gastgebern geflogen werden.

Es sei aber nicht entscheidend, ob man selber an Bord sei, sagte Berset. Entscheidend seien die Aufzeichnungen der Missionen. Selbst die Flugeigenschaften seien bei modernen Flugzeugen vergleichbar.

Die Erkenntnisse aus den Tests fliessen dann zusammen mit den Angaben aus den ersten Offerten in die Fachberichte zu den Kandidaten ein. Die Berichte sollen auch Angaben zur Flottengrösse enthalten. Diese steht noch nicht fest. Nach den heutigen Plänen sollen 30 bis 40 Kampfflugzeuge gekauft werden.

Noch kein Vergleich

In der aktuellen Erprobungsphase werden die verschiedenen Flugzeuge noch nicht miteinander verglichen, wie Projektleiter Darko Savic betonte. Dies geschieht erst nach dem Eingang der zweiten Offerte Mitte 2020 im Rahmen des Evaluationsberichts. Auf dieser Basis will der Bundesrat Ende 2020 oder Anfang 2021 den Typenentscheid fällen.

Zunächst werden nun aber die Kandidaten über den Schweizer Himmel donnern. Die Flug- und Bodenerprobung läuft bis Mitte Juni. Für jeden der fünf Kampfjets ist ein Besuchstag vorgesehen.