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Sorgt für gute Tropfen aus dem Lavaux: Wannaz – der Winzer-Wizzard

Joël Gernet
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Hereinspaziert: Die Fassade der Domaine Wannaz. (zvg)
Gute Stube: Auch für garstige Tage gibt’s bei Wannaz ein Refugium. (zvg)
Kupferkessel und Krimskrams: Stillleben aus der Küche eines Winzer-Wizzards. (zvg)
Gilles Wannaz, Winzer, Gastgeber und Multitalent: «Ich koche wie meine Mutter und keltere Wein wie mein Vater.» Früher hat es sich auch schon um das Bühnenbild von Stephan Eicher gekümmert. (zvg)
Weltbekannt: Die Weinterrassen des Lavaux gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. (zvg)
Kann man machen: Terrasse mit Aussicht über den Lac Léman, die französischen Alpen und «den Himmel über Italien», wie Wannaz zu pflegen sagt. (zvg)
Poesie auf dem Etikett: Beim Muscat 2018 – eine wahre Aromabombe – heisst es etwa: «De son île aux souvenirs éoliens bourrasque décoiffante sur un air lémanique». (zvg)
Wer im Glashaus sitzt: Aussicht vom Wintergarten in den Winzergarten der Domaine Wannaz. (zvg)

Joël Gernet

Verwildert. Verwünscht. Verlassen. Feigen am Wegrand, Palmen an der Hauswand. Das Gemüsebeet umzingelt von wilden Kräutern und Blumen. Und Reben, natürlich. Der Blick über den Genfersee zu den Alpen ist atemberaubend. Weit und breit kein Winzer. Wie weggezaubert. In einem Verschlag, hängen, stehen und liegen Sägen und Siebe, Sicheln und Sensen. Ein Kupfertopf, in dem Asterix ein Wildschwein schmoren könnte. Allerlei Krimskrams. Stillleben einer Winzerwerkstatt, eines Zauberers.

Plötzlich steht er da, Gilles Wannaz. Zack, haben wir ihn im Glas, den Chasselas. Kurze Haare, weisser Dreitagebart, Hornbrille – der Winzer, nicht der Wein. Seit über 30 Jahren wirkt er im Herzen des Lavaux, seit 2003 nach biodynamischer Philosophie. Ein Pionier im Revier. Auch ein Philosoph und Poet. Die Etiketten seiner Weine sind gespickt mit Gedichten und Geschichten. Vor allem die Chasselas zeigen, warum nicht nur die Weinterrassen des Lavaux legendär sind, sondern auch die Crus, die darauf wachsen. Hier ist die heimische weisse Sorte Chasselas die Königin. Auch bei Wannaz, obwohl der Wahnsinnige auf seinen 4,5 Hektar nicht weniger als 26 Rebsorten kultiviert. Während sich die klassischen Grand Cru-Chasselas aus St. Saphorin und Epesses frischfruchtig, subtil und floral geben, zeigt die Landwein-Version «Vin en vérité» – ebenfalls aus dem heissen 2018 – mehr Muskeln und eine reifere Frucht. Die Würze ist süss, fast exotisch.

Ein verwinkeltes Bijou hoch über dem See

Die Chasselas sind untypisch typisch für Gilles Wannaz. Viele Weine des Wizzards sind es nämlich nicht. Merlot und Syrah würde man im Lavaux nicht unbedingt erwarten. Auch deshalb klassifiziert er seine erstklassigen Weine als vermeintlich einfache «Vin de Pays». Wannaz zelebriert auf der Etikette lieber seine poetische Ader, als sie mit der prominenten Herkunftsbezeichnung zu schmücken.

Die Domaine, ein verwinkeltes, altehrwürdiges Bijou hoch über dem See, gleicht einem Gesamtkunstwerk: Kritzeleien auf den Weintanks, kunstvolle Kronleuchter und Antiquitäten, stilsicher arrangiert und dennoch von wilder, chaotischer Schönheit. Das Pendant zum grünen Paradies vor der Haustüre. Hier tüftelt Wannaz nicht nur an seinen Weinen. Hier kocht er auch für Gruppen bis zu 80 Personen. Es muss ein Erlebnis sein. Denn hier möchte man Feste feiern, bis die Sonne über dem Genfersee wieder aufgeht.

* Joël Gernet
aka Fetch, Rapper der Band Brandhärd, ist Weinjournalist und Mitorganisator der Schweizer Weintage.
www.bonvinvant.com

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