Hotelbuchung im Internet
Schweizer Hoteliers kämpfen gegen hohe Gebühren

Die Schweizer Hoteliers haben ein Problem: Die Bedeutung der internationalen Online-Reiseplattformen hat stark zugenommen. 2008 wurden 5,7 Prozent aller Übernachtungen via Internet gebucht. 2010 waren es bereits 13,6 Prozent - Tendenz steigend.

Roman Schenkel
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Wer Hotelpreise im Internet vergleicht, dem bleibt mehr Geld für eine Schifffahrt auf dem Luganersee.

Wer Hotelpreise im Internet vergleicht, dem bleibt mehr Geld für eine Schifffahrt auf dem Luganersee.

Keystone

Die Zunahme bei den Online-Plattformen allein wäre für die Hoteliers kein Problem. Wären da nicht die hohen Kommissionen, die ein Hotel bezahlen muss, wenn es bei einem Anbieter gelistet sein will. Sein muss: «An den Online-Anbietern kommen Schweizer Hotels nicht vorbei», sagt Susanne Daxelhoffer von Hotellerie Suisse. 90 Prozent der Schweizer Hotels seien inzwischen beim wichtigsten Anbieter Booking.com registriert.

Zu einem hohen Preis: Bei Booking.com bezahlt der Hotelier eine Kommission zwischen 10 und 25 Prozent des Buchungspreises. Laut einer Studie von Hotellerie Suisse wurden 2010 bei 850 Millionen Franken Online-Umsatz Kommissionen im Umfang von 90 Millionen Franken an die Online-Reiseplattformen bezahlt.

Zu viel für die eidgenössischen Hoteliers: Diese Woche lancierte Hotellerie Suisse auf der bestehenden Website swisshotels.com die Möglichkeit, ein Hotelzimmer direkt zu buchen. Die Website diente zuvor einzig als Hotelführer. Mit der neuen Dienstleistung will der Verband die Kommissionen der internationalen Online-Anbieter umgehen. Auf swisshotels.com bieten 1400 Hotel ihre Zimmer an, ohne Kommissionen an einen Anbieter entrichten zu müssen.

Nicht unbedingt günstiger

Wer nun erwartet, dass die Angebote auf swisshotels.com günstiger als diejenigen der internationalen Konkurrenz sind, täuscht sich. «Swisshotels.com hat nicht das Ziel, die billigsten Hotelzimmer anzubieten», so Daxelhoffer. Auf swisshotels.com seien deshalb keine Dumpingpreise zu erwarten. Man könne und wolle die internationalen Anbieter nicht konkurrenzieren. «Booking.com spielt in einer anderen Liga - nur schon im Bezug auf das Marketing.»

Zudem würden die Hoteliers immer noch selbst entscheiden, wo sie welche Preise anbieten. Trotzdem: «Mal werden wir bessere Preise, mal etwas schlechtere Preise auf der Website haben.»

Dies zeigt auch der Test der az. In zwei der vier Stichproben schlägt der Preis von swisshotels.com die internationale Konkurrenz. So kostet das Doppelzimmer auf dem Landgasthof Bellavista in Silvaplana vom 17. bis zum 24. Juli 2011 bei einer Buchung via swisshotels.com 1645 Schweizer Franken.

Bei booking.com kostet das günstigste Doppelzimmer für dieselbe Zeitperiode 2060 Franken - ein Unterschied von 415 Franken. Ebenfalls konkurrenzfähig ist der Preis für ein Doppelzimmer im Hotel Dellavalle in Locarno. Die 7 Nächte vom 17. bis zum 24. Juli kosten auf swisshotels.com 1750 Franken - gleich viel wie bei Bookings.com. Bei HRS hingegen kostet das Doppelzimmer 1827 Franken.

Grosse Unterschiede zwischen den Anbietern

Deutlich höher ist der Preis auf swisshotels.com für das Hotel Cambrian in Adelboden und das Hotel zum Weissen Kreuz in Luzern. Wer über HRS bucht, bezahlt für 7 Nächte im Doppelzimmer im Hotel Cambrian 1690 Franken. Auf swisshotels.com kostet das Zimmer für dieselbe Zeitperiode 2065 Franken. Bei einer Buchung via Hotel-Homepage kostet das Zimmer ebenfalls nur 1695 Franken. Auch beim Hotel zum Weissen Kreuz bezahlt der Kunde auf HRS und auf Booking.com deutlich weniger als auf swisshotels.com.

Ob Kommissionen für die Hoteliers anfallen oder nicht. Für den Kunden spielt einzig und allein der Preis eine Rolle. Und da zeigt sich: Ein Vergleich der wichtigsten Anbieter kann das Portemonnaie schonen.

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