Schutzkonzepte

Schulstart mit Corona: Kantone weben einen Flickenteppich aus Regeln und Empfehlungen

Viele Kantone gehen einen Mittelweg und empfehlen eine Maske, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können. (Symbolbild)

Viele Kantone gehen einen Mittelweg und empfehlen eine Maske, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können. (Symbolbild)

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und die Kantone präsentieren Schutzkonzepte für die Schulen. Einheitlichkeit ist dabei kaum ersichtlich, weder bei der Maskenfrage noch beim Umgang mit Kindern in Quarantäne.

In elf Kantonen beginnt am Montag das neue Schuljahr. Für Schülerinnen und Schüler bedeutet dies: Bleistifte spitzen, Schulthek packen. Ob da auch eine Maske reingehört? Das kommt auf den Kanton drauf an. Am Freitag präsentierten Bern, Graubünden, Genf, Wallis und Uri ihre Schutzkonzepte. Während bei der Volksschule keine speziellen Massnahmen gelten, sind die Unterschiede auf der Mittelstufe gross.

Bern entschied, auf eine Maskenpflicht zu verzichten und empfiehlt die Maske nur dann, wenn die Abstände nicht eingehalten werden können. Alternativ könnten auch Trennwände zum Einsatz kommen, heisst es in einer Mitteilung des Kantons. Auch Graubünden und Uri verzichten auf ein Obligatorium. Nicht so aber Genf und Wallis. Beide Kantone teilten am Freitag mit, Masken in Gymnasien, Mittel- und Berufsschulen obligatorisch zu machen. Im Wallis werden die Masken die erste Woche, in Genf gar die ersten zwei Wochen gratis zur Verfügung gestellt.

Im Aargau ist die Grösse des Schulzimmer entscheidend

Wer denkt, für die Unterschiede sei der Röstigraben verantwortlich, irrt. Zwar haben Jura und Neuenburg bereits eine Maskenpflicht an Mittelschulen beschlossen, einige Deutschschweizer Kantone zogen aber mit. Allen voran der Kanton Luzern, der das Obligatorium bereits im Juli ankündigte. In Schaffhausen fiel der Entscheid zu einer Maskenpflicht diese Woche.

Der Aargau wiederum ist ein Spezialfall. Dort herrscht eine «situative Maskenpflicht» für die nachobligatorischen Schulen. Die Pflicht ist dort abhängig von der Anzahl Personen im Verhältnis zur Grösse des Klassenzimmers: Bei weniger als 2,25 Quadratmeter pro Person muss eine Maske getragen werden. «Die Schulleitungen schätzen es, hier einen gewissen Spielraum zu haben», sagt eine Sprecherin des Bildungsdepartements auf Anfrage. Gänzlich auf eine Pflicht verzichtet der Kanton St. Gallen. Wie Bern empfiehlt der Ostschweizer Kanton, die Maske zu tragen, falls die Abstände nicht eingehalten werden können.

Lehrer müssen nicht Masken-Polizist spielen

Die Unterschiede zwischen den Kantonen hören bei der Maskenfrage im Schulzimmer nicht auf. Im Kanton St. Gallen ist das Tragen einer Maske im Schulbus ab zwölf Jahren obligatorisch, im Wallis hingegen nicht. Auch bei Kindern, die in Quarantäne müssen, gehen die Kantone unterschiedlich vor. In Luzern gelten die zehn Tage als entschuldigte Absenz, Anspruch auf Fernunterricht besteht aber nicht. In Uri wiederum gilt die Quarantäne als Schulzeit, es gibt keinen Absenzeintrag und am Unterrichtsstoff soll «in geeigneter Form» weitergearbeitet werden.

Für Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer, war ein solcher Flickenteppich an Regeln zu erwarten gewesen. Es sei nicht überraschend, dass die Kantone nach der Kompetenzabgabe des Bundes nun unterschiedliche Massnahmen getroffen hätten, sagt sie auf Anfrage von CH Media. «Wir hätten uns ein koordinierteres Vorgehen gewünscht, so dass es wenigstens regional einheitlich wäre». Ob sich Kantone untereinander abgesprochen hätten, wisse sie jedoch nicht.

Fest steht für Rösler hingegen: «Das Tragen der Maske ist zumutbar.» Die Maske könne zwar teilweise vom Unterricht ablenken, etwa wenn man schwitzt. «Ein Problem wäre die Maske aber eher bei jüngeren Schülerinnen und Schülern, da dort die Mimik für das Verständnis noch sehr wichtig ist.» Dass Lehrpersonen nun Polizist spielen müssen, um das korrekte Tragen der Masken zu überwachen, glaubt Rösler nicht. «Es ist aber natürlich eine zusätzliche Regel, die die Lehrpersonen im Auge behalten müssen.»

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