Neidvoll blicken Schweizer Unternehmen in den Ferienregionen über die Grenze ins benachbarte Österreich. Das Alpenland hat seit 65 Jahren eine eigene Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), die Kredite an Hotels und andere touristische Unternehmen – beispielsweise Bergbahnen – vergibt. Gegen Ende der Sommersession haben Nationalrat Hansjörg Hassler (BDP, GR) und Ständerat Isidor Baumann (CVP, UR) den Bundesrat mit gleichlautenden Postulaten aufgefordert, zu prüfen, ob auch die Schweiz eine Tourismusbank einführen sollte.

Nicht mehr nur Kredite für Hotels

Laut mehreren Quellen rennen die zwei Parlamentarier mit ihren Vorstössen beim Volkswirtschaftsdepartement von FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann offene Türen ein. Wie Recherchen der az zeigen, arbeitet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) derzeit intensiv an einer Gesetzesrevision, die den Aufbau einer Tourismusbank light zum Ziel hat, einer abgeschwächten Version des österreichischen Modells.

Im Fokus der Revision steht die vom Bund getragene Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH). Sie darf heute ausschliesslich Kredite an Hotels vergeben und das nur nachrangig – also dann, wenn ein Betrieb von den Banken nicht genügend Geld geliehen bekommt. Erschwerend kommt hinzu, dass ein SGH-Darlehen 35 Prozent einer Gesamtinvestition nicht übersteigen darf. Ganz leer gehen Unternehmen ausserhalb der Hotellerie aus.

Mit der Überarbeitung des Gesetzes über die Förderung der Beherbergungswirtschaft soll sich das ändern. Geplant ist, dass die Hotel-Kreditgesellschaft zum zentralen Finanzierungs- und Förderinstrument für den Schweizer Tourismus wird. Neu dürfte die SGH neben Hotels auch Bergbahnen und destinationsübergreifende Unternehmenskooperationen mit Krediten unter die Arme greifen. Auf diesem Weg sollen insbesondere neue Beherbergungsformen gefördert werden.

Dem Vernehmen nach will das Seco das Förderprogramm «Innotour» (Innovationsförderung im Feriengeschäft) sowie den touristischen Teil des Programms «Neue Regionalpolitik» (NRP, Förderung von Projekten in Land- und Bergregionen) in der Gesellschaft für Hotelkredit integrieren. Der Fortbestand des NRP-Programms ist jedoch nicht gefährdet.

Zeitplan noch unklar

Die Gesetzesrevision soll noch in dieser Legislatur, gemäss einer Quelle bereits Ende Jahr, in die Vernehmlassung gehen.

Seco-Sprecherin Antje Baertschi bestätigte gestern bloss, dass der gesetzliche Auftrag der Gesellschaft für Hotelkredit überprüft werden soll. Parallel analysiere das Seco die Auswirkungen der Zweitwohnungsinitiative. Genaueres konnte sie aufgrund der Abwesenheit der für das Dossier zuständigen Fachleute nicht sagen.