Gestern startete das zweitägige Swiss Media Forum im KKL in Luzern, das «Familientreffen der Medienbranche», wie NZZ-Chefredaktor Eric Gujer den Anlass auf dem Podium mit Schweizer Verlegern bezeichnete. Und wie das mit Familientreffen so ist: Sie können emotional werden – ziemlich emotional, wie der verbale Schlagabtausch zwischen Ringier-CEO Marc Walder, AZ-Verleger Peter Wanner und Tamedia-Chef Pietro Supino zeigte.

Einig waren sich die drei in ihrer Einschätzung der Lage. Die ist einigermassen dramatisch. In den vergangenen fünf Jahren gingen die Werbeeinnahmen der Schweizer Medien um 600 Millionen (von 1,3 Milliarden auf 700 Millionen) zurück. Weniger Einigkeit herrscht bei der Frage, mit welchen Mitteln man der Entwicklung entgegentreten soll.

Walders Ringier, die öffentlich-rechtliche SRG sowie die Swisscom versuchen der Herausforderung mit der gemeinsamen Vermarktungsfirma Admeira zu begegnen. Peter Wanner kritisierte Admeira: «Eine solche Allianz eines einzelnen privaten Unternehmens mit zwei staatsnahen Playern wäre beispielsweise in Deutschland undenkbar.» Wanner forderte, dass Admeira die Daten, welche die Swisscom Ringier zugänglich macht, auch allen anderen Verlagen «offen und diskriminierungsfrei» zur Verfügung stelle. Admeira sei wettbewerbsverzerrend.

Tamedia-Chef Pietro Supino bezeichnete Admeira gar als «Unding», das Ringier und die SRG in einer Nacht-und-Nebel-Aktion hinter dem Rücken der Verleger geschaffen hätten. «Wenn ich im Ausland über diese Vermarktungsstrategie erzähle, dann schüttelt man überall nur die Köpfe – ausser vielleicht in entlegenen afrikanischen Ländern.» Ringier-Chef Walder reagierte empfindlich auf die Kritik und bezeichnete sie als «Fake News». Er warf Supino ein «mieses politisches Spiel» vor. Admeira sei bereit, mit anderen Verlagen zusammenzuarbeiten. «Die Türen sind weit offen», sagte der Ringier-Chef.

Das Swiss Media Forum steht dieses Jahr unter dem Motto «Umbruch, Abbruch, Aufbruch?» Darüber diskutieren im KKL Luzern 410 Vertreter aus Medien, Wirtschaft und Politik. Initiiert wurde das Forum von AZ-Chefredaktor Patrik Müller.