Wirte leiden unter Rauchverbot
Rauchverbot: Berner Wirte beklagen Umsatzeinbussen

Knapp zwei Drittel der Mitglieder von Gastro Bern beklagen Umsatzeinbussen wegen dem Rauchverbot. Am stärksten trifft es Bars, Cafés und Landbeizen.

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Rauchverbot

Rauchverbot

az Langenthaler Tagblatt

Samuel Thomi

«Der Stammtisch ist tot.» Unter diesem Titel lud Gastro-Bern-Präsident Casimir Platzer gestern in die Berner «Harmonie». Doch die Ergebnisse der Umfrage bei 2300 Mitgliedern (673 antworteten) lösten bei ihm alles andere als Freude aus: «Wir boten immer Hand zu massvollem Passivraucherschutz», sagte er. Doch was seit dem 1. Juli eingeführt wurde «treibt nachweislich eine ganze Branche in den Ruin».

«Klare Mehrheit will Rauchverbot»

Gastro Berns Mitglieder-Umfrage beeindruckt die Befürworter des bernischen Rauchverbots kaum. Volkswirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher bezweifelt die «Rechnerei», besonders was deren Hochrechnung auf Jahresumsätze angeht - vor allem angesichts der Wirtschaftslage. «Viele Wirte hatten es auch vor der Krise nicht leicht», womit er Strukturprobleme respektive schweizweite Überkapazitäten im Gastrosektor mitmeint.

Tatsache sei auch dass «eine klare Mehrheit der Bevölkerung ein Rauchverbot will». Entsprechend gelassen nimmt er die Drohung einer Volksinitiative: «Wo Varianten zur Auswahl standen, zog das Volk immer die strengere Lösung vor.» Fragwürdig erscheint ihm die Forderung Gastro Berns nach der Bundeslösung. Bis vor Kurzem habe der Verband «stets auf gleich lange Spiesse für alle Wirte gepocht». Jetzt wehre er sich für Raucherbeizen und damit für die Ungleichbehandlung: «Das ist unehrlich».

EVP-Grossrat Ruedi Löffel als «Vater» des Passivraucherschutzgesetz betont, die Wirte hätten lange Zeit gehabt sich auf die neue Situation einzustellen und ihre Konzepte anzupassen. Nachdem die Bedürfnisse der Nichtraucher «jahrzehntelang nicht ernst genommen wurden» sei es nun «vermessen zu erwarten, sie überrannten innert Monaten die Lokale.» (sat)

Platzer monnierte, das Gesetz über den Passivraucherschutz im Kanton Bern führe in der Gastrobranche «weit verbreitet zu massiven Umsatzeinbussen.»

«Bis zu 72 Prozent Ausfall»

Über 58 Prozent der teilnehmenden Mitglieder beklagten in der Umfrage Mindereinnahmen für die Monate Juli bis Oktober: «Das kann im Extremfall bis zu 72 Prozent gehen», wobei Betriebe in Städten und Agglomerationen sowie auf dem Land im Vergleich zu Tourismusgebieten viel stärker betroffen seien.

Platzer führte das beispielsweise darauf zurück, dass sich viele Gäste aus der Heimat schon Rauchverbote gewöhnt hätten. In Sparten betrachtet triffts vor allem Bars/Pubs, Cafés und Dorfwirtschaften.

Konrad Gerster, Leiter betriebswirtschaftliche Abteilung, rechnete die Rückmeldungen auf die ganze Zahl der Berner Gastbetriebe hoch sowie auf deren möglichen Umsatz.

Sind 1400 Stellen bedroht?

Daraus resultiere - ein konjunktureller Rückgang von 4 Prozent eingerechnet wie ihn der Bund meldete - für die vier Monate ein Umsatzrückgang von 146 Millionen Franken was rund 1400 Stellen entspricht. «Dass die Regierung mit dem Anti-Rauchergesetz so viele Stellen gefährdet ist unglaublich», so Gerster.

Platzer sagte, unverständlich erscheine ihm dabei in erster Linie das Ausschank- und Buffetverbot in Fumoirs. Erst letzte Woche wurde allerdings bekannt, dass das Bundesgericht dazu die Praxis der Berner Kantonsregierung stützt.

Als «Lösung» verlangte er etwa die Übernahme der etwas weniger strengen Bundeslösung auch für Bern. Sein Verband behalte sich zudem explizit eine entsprechende Volksinitiative vor. «Wohl würde aber schon ein Mehrheitenwechsel bei den Wahlen nächsten Frühling reichen», so Platzer.

Dass das Thema nicht vom Tisch ist zeigt nicht zuletzt eine gestern beim Bund eingereichte Petition der IG Freie Schweizer Wirte mit 64 201 Unterschriften - gegen generelle Rauchverbote.

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