Der Fall des in Baden überwältigten 53-Jährigen war in diesem Jahr bereits der siebte Taser-Einsatz. Dies gab Roland Stämpfli von der Schweizerisch Polizeitechnischen Kommission (SPTK) gegenüber der Zeitung „Der Sonntag" bekannt.

Seit 2003 wurden damit in 59 Fällen von Kantonspolizisten in der Schweiz Taser gegen Personen eingesetzt - das ergibt in der Regel im Minimum ein Einsatz pro Monat. «Bei einem Grossteil handelt es sich um alkoholisierte oder psychisch angeschlagene Personen», sagt Stämpfli: «Sie haben Gewalt gegen andere oder gegen sich selbst angewandt oder wollten es tun. In Einzelfällen waren auch Frauen dabei.»

Um die Elektroschock-Pistole, die während fünf Sekunden statt Kugeln heftige Stromladungen von 50 000 Volt losschickt, ist eine Kontroverse entbrannt. «Es ist eine gefährliche Waffe», sagt Daniel Graf von der Schweizer Sektion von Amnesty International.

Weltweit seien rund 200 Todesfälle im Zusammenhang mit Taser-Einsätzen dokumentiert. «Beunruhigend ist, dass es vermehrt Einsätze gegen psychisch auffällige Menschen gibt», so Graf. Hier stelle sich die Frage, «ob es wirklich das einzige Mittel ist». In einem vom Bundesrat im letzten Februar veröffentlichten Bericht hiess es, der Taser sei «wie ein Arzneimittel nicht frei von Nebenwirkungen».

Die grösste Gefahr sei, dass Betroffene zu Boden stürzen und sich dabei verletzen können. Ein plötzlicher Herztod wegen des Stromstosses sei «praktisch auszuschliessen». Welche Wirkung die Elektroschock-Pistole hat, liess der damalige Justizminister Christoph Blocher selbst an sich testen.

Auch SPTK-Sekretär Stämpfli hat einen Selbstversuch hinter sich: «Es war nicht angenehm und schmerzhaft. Man hat absolut keine Kontrolle mehr über sich.» Dafür sorgen schnelle und intensive Stromimpulse, so Stämpfli: «Es fühlt sich an wie bei einem Kuhdraht, nur mit einer viel höheren Kadenz.»