Parkplatzgebühren
Das Geschäft mit dem digitalen Parkieren: Die Konsumenten spüren von tieferen Gebühren bisher nichts

Parkplätze können an immer mehr Orten per App bezahlt werden. Gemeinden sparen mittelfristig Geld, App-Anbieter profitieren von Umsatzbeteiligungen. Und die Konsumenten? Sie spüren von tieferen Gebühren bisher nichts.

Lucien Fluri
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Bis zu 30 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer bezahlen ihre Gebühren heute nicht mehr an der Parkuhr, sondern per App.

Bis zu 30 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer bezahlen ihre Gebühren heute nicht mehr an der Parkuhr, sondern per App.

Stefan Kaiser

Emmen hat es erst gerade getan. Thun vor wenigen Wochen ebenfalls. Und auch in Muttenz kann man jetzt die Parkgebühren per App bezahlen. Immer mehr Gemeinden setzen neben der klassischen Parkuhr auf digitale Bezahllösungen: Der Marktführer Parkingpay gibt bereits über 650 Ortschaften an, in denen man per App bezahlen kann. Monatlich kommen neue Gemeinden und Städte dazu.

Für die Nutzer hat dies Vorteile: Man braucht keine Münzen und die Parkzeit kann auf die Minute genau angepasst werden: Wer früher losfährt, bezahlt weniger. Doch nicht nur die Autofahrer können sich freuen. Das digitale Geschäft lässt auch neue Anbieter an den staatlichen Parkgebühren teilhaben: Vier bis sechs Prozent der Digitaleinnahmen gehen an die App-Betreiber, wie die Recherche der «Schweiz am Wochenende» zeigt.

Alleine Zürich nimmt 24,1 Mio. Franken Parkgebühren pro Jahr ein

Dabei geht es inzwischen um stattliche Beträge: Denn nicht nur die Zahl der Gemeinden, die die App einsetzen, wächst. Auch die Zahl der Nutzer steigt stark. Die Stadt Zürich beispielsweise kassiert pro Jahr 24,1 Millionen Franken an Parkgebühren. Inzwischen bezahlen 30 Prozent der Nutzer per Twint oder App. Tendenz: weiterhin steigend.

Fast 3,2 Mio. Franken Parkgebühren nehmen Städte wie Aarau oder St. Gallen ein. Bezahlten in St. Gallen 2019 13 Prozent der Nutzer per App, waren es 2020 bereits 25. Mittelfristig geht man, etwa in Solothurn, von 40 Prozent aus.

Der digitale Markt läuft auf einen Anbieter hin

Und dabei mach vor allem ein Anbieter das Rennen: Marktführer ist die App Parkingpay der Firma Digitalparking aus Dietikon. Immer mehr Gemeinden setzen auf sie (oder die in die App integrierte Twint-Lösung) – auch weil man davon ausgeht, dass die Konsumenten nicht mehr als eine App auf dem ­Handy wollen.

An vielen Orten, wo Parkingpay eingesetzt wird, ist zugleich auch die Bezahlung über die europäische App Easypay möglich. Diese verrechnet den Parkierenden gar noch 19 Rappen pro Stunde. Der Nutzer hat de facto also eine happige Erhöhung der Parkgebühr. Die App sei freiwillig und Easypark ­werde vorwiegend von ausländischen Autofahrern genutzt, heisst es bei den Städten zu der Quasi-­Gebührenerhöhung. Das Be­zahlen per Münz sei weiterhin ­möglich.

Die Städte sparen, auch weil Parkuhren teuer sind

Zwar ist Parkingpay in einem wachsenden Markt tätig. Geschäftsführer Reto Schläpfer widerspricht aber, dass es ein grosses Geschäft sei. Die Firma leiste Entwicklungs- und Supportarbeit. Vor allem aber sei die Marge gering: Zwar erhält Digitalparking 4 bis 6 Prozent der bezahlten Parkgebühr, gebe aber einen grösseren Teil weiter: Weit über 3 Prozent der insgesamt bezahlten Parkgebühr gehe für die Zahlungsabwicklung weg. Zudem betrage die Minimalgebühr pro Transaktion zehn Rappen. Vom Geschäft profitieren also auch Kreditkartenanbieter.

Während der Konsument bedingt profitiert, können die Gemeinden laut Parkingpay massiv Geld sparen: Es entstehen weniger Kosten für das Entleeren und die Wartung der Parkuhren, die Zahl der teuren Geräte kann mittelfristig reduziert werden. «Wir konnten damit den Druck und den Versand von Papierbewilligungen einsparen», heisst es etwa aus St. Gallen. «Die Gebühr ist nur sehr klein und verhältnismässig», betont Patrick Schnellmann aus Emmen (LU). Und Heiko Cicieri von der Stadt Zürich fügt an:

«Die Provisionen und die Einsparungen dürften sich mittel- bis langfristig die Waage halten.»

Eine Eigenentwicklung lohne sich für keine Stadt, sagt Geschäfts­führer Schläpfer. Sogar in grossen europäischen Städten sei eine eigene App «in der Vollkostenrechnung immer teurer». Tatsächlich gibt es fast keine eigenen Angebote oder eine ­Zusammenarbeit zwischen den ­Gemeinden.

Basel geht eigenen Weg, auch wegen Datenschutz

Einen eigenen Weg geht seit kurzem Basel-Stadt, wo die App selbst entwickelt wurde. Der Betrieb kostet etwa 16`000 Franken pro Jahr, die Entwicklung schlug mit 102`000 Franken zu Buche. Mittel- bis langfristig will die Stadt so ihre Parkraumbewirtschaftung verbessern können. Beispielsweise werden die verfügbaren Parkflächen auf der App angezeigt. Und wichtig war für Basel neben den Kosten auch:

«Die Datenhoheit bleibt jederzeit beim Kanton.»

Denn der Datenschutz ist eine heikle Frage bei den Apps: Angegeben werden muss zum Parkieren nämlich das Kontrollschild des Autos. Es bräuchte wenig, damit dadurch ein Bewegungsprofil des Nutzers erstellt werden könnte. Dessen sei man sich aber bewusst, heisst es bei Digitalparking. Die Firma hat eine eigene ausführliche Datenschutzrichtlinie. Die Daten würden, so Geschäftsführer Reto Schläpfer, «ausschliesslich für die Abwicklung der Parkgebühr und deren Kontrolle» verwendet.

Je nach Ortschaft bleiben die Daten bis zu sechs Monate zugänglich; Letzteres etwa, um Bussenbeanstandungen zu bearbeiten. Die Gemeinden dürften die Daten zudem nur für die Parkraumbewirtschaftung bearbeiten, nicht für Strafverfahren. Vernichtet werden die Daten bei der Firma allerdings erst, wenn ein Benutzer sein Konto kündet. «Viele Benutzer möchten einen Nachweis der Transaktionshistorie und für Firmen ist die Aufbewahrung bis zu 10 Jahre sogar zwingend nach Obligationenrecht», sagt Geschäfts­führer Schläpfer.