Pandemie
Ende der Coronamassnahmen? Alain Berset: «Jetzt könnte es rasch gehen»

Ende der Quarantänepflicht, Ende der Homeofficepflicht und vielleicht auch bald Ende der Zertifikatspflicht? Bundesrat Alain Berset kündigt in Aarau Lockerungen der Coronamassnahmen an. Die Perspektiven seien gut, die Situation habe sich entspannt.

Noemi Lea Landolt
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Bald keine Quarantäne mehr? Bundesrat Alain Berset ist optimistisch.

Bald keine Quarantäne mehr? Bundesrat Alain Berset ist optimistisch.

Bild Alex Spichale

Es hat sich abgezeichnet, dass der Bundesrat die Coronamassnahmen bald lockern wird. Aber die Deutlichkeit, mit der Bundesrat Alain Berset am Freitag anlässlich seines Besuchs im Kanton Aargau Lockerungen angekündigt hat, war dann doch überraschend. Seine Worte am Point de Presse machten Hoffnung auf ein baldiges Ende der Massnahmen. Die Perspektiven seien gut, sagte er. Die Situation habe sich entspannt.

«Massnahmen bleiben nur, solange sie etwas bringen»

Schon nächste Woche könnte die Quarantäne- und Homeoffice-Pflicht fallen. Oder geht der Bundesrat sogar noch weiter und lockert die strengen Regeln für Veranstaltungen im privaten Bereich oder die Zertifikatspflicht? Ausgeschlossen scheint nichts. Laut Berset ist jetzt der Moment gekommen, wo man Schritte nach vorne machen könne und auch machen wolle. Er sagt:

«Wir können die Aufhebung der Quarantäne und der Homeoffice-Pflicht diskutieren und wir müssen auch über die Aufhebung anderer Massnahmen diskutieren.»

Das Zertifikat zum Beispiel sei international sicher wichtig und werde noch lange notwendig bleiben, um reisen zu können. Aber im Inland? «Das Zertifikat ist nicht hier, um zu bleiben», so Berset. Der Bundesrat habe immer gesagt, die Massnahmen würden nur so lange aufrechterhalten, wie sie auch etwas bringen, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu verhindern. Und eine solche zeichnet sich laut Berset im Moment nicht ab.

Freudentage anstatt einen einzigen Freedom Day

Einen Freedom Day, wie ihn Gewerbe und Bürgerliche fordern, werde es aber in der Schweiz nicht geben. «In Grossbritannien war das kein grosser Erfolg», gab er zu bedenken. Berset sprach stattdessen von «Freudentagen». Der 2. Februar oder auch der 16. Februar könnten solche Freudentage sein. Dann trifft sich der Bundesrat. Indem Berset von mehreren Freudentagen sprach, verdeutlichte er, dass die Aufhebung der Massnahmen ein Prozess ist und auch ein Prozess bleiben wird. Die Massnahmen werden nicht von heute auf morgen aufgehoben: «Aber es könnte jetzt rasch gehen», so der Gesundheitsminister.

Dass Lockerungen möglich werden, hat laut Berset auch mit der sehr hohen Immunisierung zu tun. In fast allen Alterskategorien betrage die Immunität zwischen 90 bis zu 96 Prozent, führte er aus. Das heisst, inzwischen haben fast alle Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt, weil sie entweder geimpft oder genesen sind. Einzig bei den Kindern zwischen 0 und 9 Jahren sei die Quote noch tiefer. Bereits bei den 10- bis 19-Jährigen würden Schätzungen von einer Immunität von 87 Prozent ausgehen.

Trotz der guten Aussichten betonte Berset am Freitag auch, dass die Krise nicht zu Ende sei. Es bedeute auch nicht, dass in Zukunft nichts mehr passieren werde und der Bundesrat nicht wieder reagieren müsse. «Aber heute sind die Perspektiven gut.»

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